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LEXIKON

Disraeli

[
dizˈrɛili
]
Benjamin, Earl of Beaconsfield (1876), englischer Politiker (konservativ) und Romancier, * 21. 12. 1804 London,  19. 4. 1881 London; trat 1817 vom Judentum zum Christentum über; seit 1846 Parteiführer im Unterhaus; vertrat einen unabhängigen Konservatismus, der die Bindung an Krone, Adel und Staatskirche mit sozialpolitischen Ideen von Arbeiterschutz und -wohlfahrt verband (Tory-Demokratie). 1868 und 18741880 war Disraeli Premierminister; er sicherte 1875 England durch Aktienkauf den maßgebenden Einfluss auf den Suezkanal, veranlasste 1876 die Proklamation des Kaiserreichs Indien und verhinderte 1878 (Berliner Kongress) die russische Ausdehnung auf dem Balkan. Disraeli schrieb zahlreiche Novellen und Romane: „Coningsby“ 1844; „Sybil“ 1845; „Tancred“ 1847.
Disraeli, Benjamin
Benjamin Disraeli
Ausbau des Empires wird Programm
Ausbau des Empires wird Programm
In seiner berühmten "Chrystal-Palace-Rede" vor Abgeordneten der Konservativen Partei propagiert Premierminister Benjamin Disraeli am 24. 6. 1872 im Londoner Kristallpalast seine Idee vom Ausbau des britischen Imperiums als Aufgabe der Zukunft für die Tory-Partei. Die Rede ist gleichzeitig eine scharfe Abrechnung mit den Liberalen, deren zurückhaltende Kolonialpolitik seiner Meinung nach England schwer geschadet hat.

Wenn es das erste Ziel ist, die Institutionen des Landes aufrechtzuerhalten, so ist es meiner Meinung nach das zweite, das englische Imperium zu stützen. Wenn sie auf die Geschichte dieses Landes seit dem Erscheinen des Liberalismus - vor 40 Jahren - blicken, so werden sie finden, dass keine Bemühung so anhaltend und so subtil gewesen ... ist, wie die Versuche des Liberalismus, die Desintegration des Englischen Empire zu erreichen ... Es ist uns allen bewiesen worden, dass wir durch unsere Kolonien Geld verloren haben ... Wie oft ist uns nicht geraten worden, wir sollten uns auf der Stelle von diesem Alpdruck befreien. Nun, dies wurde nahezu bewerkstelligt ... Nicht, dass ich persönlich etwas gegen Selbstverwaltung einzuwenden hätte ... Aber als Selbstverwaltung zugestanden wurde, hätte sie meiner Meinung nach als Teil einer großen Politik imperialer Konsolidierung zugestanden werden müssen ... Alles dieses wurde jedoch unterlassen, weil diejenigen, die diese Politik empfahlen, die Liberalen, die englischen Kolonien, sogar unsere Beziehungen zu Indien, als eine Belastung dieses Landes ansahen, alles unter finanziellen Gesichtspunkten betrachteten und dabei völlig jene moralischen und politischen Betrachtungen außer Acht ließen, die die Nationen groß machen und durch deren Einfluss allein die Menschen sich von Tieren unterscheiden.

... Meiner Meinung nach wird kein Minister in diesem Lande seine Pflicht tun, der eine Gelegenheit versäumt, so weit wie möglich unser koloniales Weltreich wieder aufzubauen ... Wenn sie nach Hause zurückkehren ..., so müssen sie allen denen, auf die sie Einfluss haben, erzählen, dass die Zeit gekommen ist, dass sie jedenfalls nicht weit sein kann, wo England zwischen nationalen und kosmopolitischen Prinzipien zu entscheiden haben wird. Die Entscheidung ist keine einfache Sache. Es geht darum, ob sie damit zufrieden sein wollen, ein bequemes England zu sein, das nach dem Vorbild kontinentaler Prinzipien geformt ist und in absehbarer Zeit ein unvermeidliches Schicksal erfährt, oder ob sie ein großes Land sein wollen - ein imperiales Land - ein Land, in dem ihre Söhne ... die Achtung der ganzen Welt erringen."
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