Lexikon
Goethe
Goethes Spätwerk
Goethes Spät- und Alterswerk gehörte der sog. „nachklassischen Phase“ an. So wurden nach dem Tod Christianes (1816) weitere Liebeserlebnisse im Alter für sein dichterisches Schaffen produktiv: Eine Neigung zu Minna Herzlieb, für die er „Sonette“ (1815) schrieb, fand Niederschlag in der Gestalt Ottiliens in dem Roman „Die Wahlverwandtschaften“ (1809); die Begegnung mit Marianne von Willemer (1814) wurde literarisch im „West-östlichen Divan“ (1819) umgesetzt, dem großen lyrischen Spätwerk; die Leidenschaft für die 17-jährige Ulrike von Levetzow (Marienbad 1823) verarbeitete Goethe in der „Marienbader Elegie“.
Zu den Spätwerken gehören vor allem der jede dramatische Form sprengende „Faust II“ (1831) und „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ (1821 und 1829), in dem Goethe vor allem seine Altersanschauungen (Betonung des diesseitigen Lebens und des Gemeinsinns) formuliert. Aus der eigenen Lebensrückschau gingen die Autobiografie „Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit“ (1811–1814 und 1833), die „Italienische Reise“ (1816/17) u. a. hervor. Außerdem mehrten sich die Schriften zur Literatur („Shakespeare und kein Ende“), zur Kunst und Kunstgeschichte („Winckelmann und sein Jahrhundert“ 1805; „Kunst und Altertum“ 1816–1832) sowie zur Naturwissenschaft („Zur Morphologie“ 1820 ff. u. a.). Zudem beschäftigte ihn die „Vollständige Ausgabe letzter Hand“, die er 1827–1831 mit Hilfe von J. P. Eckermann durchführte.
Goethes Werk liegt in mehreren historisch-kritischen Sammelausgaben vor; am vollständigsten ist die „Weimarer“ oder „Sophien“-Ausgabe, herausgegeben im Auftrag der Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach, 143 Bände. 1887–1919, Nachdruck 1987. – Weitere Ausgaben: Hamburger Ausgabe, 14 Bände, 1948–1960; K. R. Mandelkow (Hrsg.), Goethes Briefe, 4 Bände 1970 (Hamburger Ausgabe); E. Beutler (Hrsg.), Artemis-(Gedenk-)Ausgabe, 24 Bände. 1948–1960. 4 Ergänzungsbände; E. Grumach (Hrsg.), Akademieausgabe, 25 Bände 1952–1980; Berliner Ausgabe, 22 Bände 1961–1978; Sämtliche Werke nach den Epochen seines Schaffens (Münchner Ausgabe), 20 Bände in 32 Teilbänden 1985–1999; Sämtliche Werke (Frankfurter Ausgabe), 36 Bände 1985–1999.
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