Lexikon
niederländische Musik
Moderne
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahm die niederländische Musik Anregungen der internationalen Avantgarde auf, wobei Komponisten wie Willem Pijper und Henk Badings die vielfältigen Stile und Techniken zu einer individuellen Tonsprache verschmolzen und Hendrik Andriessen in der Kirchenmusik mit seiner schlichten antiromantischen Tonsprache eine neue Tradition begründete. Die deutsche Besatzungszeit (1940–1945) setzte eine scharfe Zäsur im niederländischen Musikleben, das danach nur allmählich wieder Anschluss an die internationale Szene fand. Zu den bedeutenden Nachkriegskomponisten gehören der mit Zwölftontechnik arbeitende Kees van Baaren, Louis Andriessen mit einer spezifischen Form der Minimal Music, Hans Kox (* 1930) mit seiner klangorientierten Musik sowie Ton de Leeuw, dessen Werk außereuropäische Einflüsse verarbeitet. Die zeitgenössische niederländische Musik ist von einem Stilpluralismus gekennzeichnet, in dem (post)serielle und elektronische Techniken neben einer Neuen Einfachheit und einer neoromantischen Tonsprache existieren. Parallel dazu hat sich eine vielfältige Jazz-, Pop- und Rockmusikszene (Nederpop) entwickelt, die u. a. mit Jazzmusikern wie Hans (* 1940) und Candy Dulfer (Saxophon), Misha Mengelberg (* 1935) und Han Bennink (* 1942) internationales Niveau bezeugt und in den 1990er Jahren mit dem Hardcore Techno (Gabber) sogar eine neue Musikrichtung kreierte. Daneben wird das niederländische Musikleben durch eine Renaissance der Volksmusik sowie durch zahlreiche Festivals bereichert. Musikalische Zentren sind Amsterdam („Concertgebouw-Orchester“) und Den Haag; beide Städte besitzen auch bedeutende Konservatorien.
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