Lexikon
Schamọni
Peter, deutscher Filmregisseur und -produzent, * 27. 3. 1934 Berlin, † 14. 6. 2011 München; Bruder von Ulrich Schamoni, gehörte zu den Vertretern des Neuen Deutschen Films; drehte und produzierte neben Spielfilmen auch Kurzfilme und besonders Dokumentarfilme; wurde bekannt durch „Schonzeit für Füchse“ 1966. Weitere Filme: „Frühlingssinfonie“ 1983; „Caspar David Friedrich – Grenzen der Zeit“ 1986; „Max Ernst – Mein Vagabundieren – Meine Unruhe“ 1991.
- Deutscher Titel: Majestät brauchen Sonne
- Original-Titel: Majestät brauchen Sonne
- Land: Deutschland
- Jahr: 2000
- Regie: Peter Schamoni
- Drehbuch: Peter Schamoni
Anhand von Originalmaterial aus der Zeit um die Wende zum 20. Jahrhundert bis in den Zweiten Weltkrieg hat Regisseur Peter Schamoni ein erhellendes Porträt des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. zusammengeschnitten. Da Filmaufnahmen des Herrschers und seiner Familie – anders als fotografische Porträts – vom Hof nicht so sehr überwacht wurden, gab es neben den offiziellen, höfisch-repräsentativen oder höfisch-privaten Filmbildern auch »wild« gefilmte Szenen mit Seiner Majestät als Hauptdarsteller. Aufnahmen von staatspolitisch bedeutenden Ereignissen haben nur einen geringen Anteil an »Majestät brauchen Sonne«, stattdessen werden Jagden, Ferienreisen, Manöver, Paraden und allein aus Repräsentationsgründen veranstaltete Staatsbesuche gezeigt. Die Filmszenen sind weitgehend unbekannt; der Regisseur unterlegt sie mit Marsch-, Fest- und Opernmusik aus der Zeit, mit den wenigen authentischen akustischen Zeugnissen vom Kaiser und seiner Umgebung, mit Zitaten aus Wilhelms Erinnerungsbüchern, gesprochen von Otto Sander, sowie mit einem von Mario Adorf gesprochenen Kommentar.
»Erdrückende Albernheit ist der Haupteindruck, den die Aufnahmen hinterlassen. Alles ist Brio, Kaiserwetter, Donnerwetter, fabelhaft«, fasst der Filmkritiker Gustav Seibt zusammen. Zwei – bekannte – Züge des Kaisers träten durch den Film besonders deutlich hervor: Seine Verkrüppelung (Wilhelms linker Arm war verkürzt und schlaff) und die Putzsucht, mit der er diesen Makel zu kompensieren suchte. Auch wenn der Kaiser, gefilmt z.B. beim Holzhacken im Exil in Doorn in den 20er Jahren, gelegentlich fast tragische Züge erhält, bleibt doch die Wahrnehmung, dass der Hohenzollernmonarch eine durch und durch mediokre Persönlichkeit gewesen ist.
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