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Privatrechtsschutz – die 7 häufigsten Irrtümer

Eine private Rechtsschutzversicherung greift immer. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Abhängig vom gewählten Tarif kann die Rechtsschutzversicherung nur dann in Anspruch genommen werden, wenn tatsächlich Erfolgsaussichten bestehen oder keine mutwillige Absicht hinter der Handlung/dem Vergehen steckt. Dies ist längst nicht der einzige Irrtum, denn es gibt um die private Rechtsschutzversicherung noch mehr Mythen.

Symbolbild Justiz
Eine gute Privatrechtschutzversicherung hilft oft, jedoch nicht in jedem Fall.

Die Versicherung kann den Vertrag nach erster Inanspruchnahme nicht kündigen

Viele Versicherungsnehmer sind überrascht, wenn sie beispielsweise nach der ersten Inanspruchnahme ihres Vertrages die Kündigung durch das Versicherungsunternehmen erhalten. Ist das rein rechtlich überhaupt möglich oder handelt die Versicherung etwa vertragswidrig?

Wer beispielsweise nach der schönsten Urlaubsreise nach Florida zurückkommt und aufgrund von mangelnder Leistung und ausbleibender Regulierungsbereitschaft des Reiseunternehmens die private Rechtsschutzversicherung Anspruch nimmt, kann durch das Versicherungsunternehmen gekündigt werden. Nach der Zusage der Deckung hat die Versicherung das Recht, nach eigenem Ermessen zu kündigen. Häufig wird dieser Passus in den Versicherungsbedingungen überlesen. Das Versicherungsunternehmen ist sogar dazu verpflichtet, Risiken von anderen Versicherungsnehmern abzuwenden. Wer seinen Privatrechtschutz in Anspruch nimmt und durch den erforderlichen Rechtsbeistand enorme Kosten verursacht, muss damit rechnen, dass das Versicherungsunternehmen zum Schutz der anderen Versicherten die Kündigung ausspricht.

Die private Rechtsschutzversicherung springt auch bei Scheidungen ein

Bricht die Familie auseinander und entscheiden sich beide Ehepartner für die Scheidung, so ist eine Rechtsberatung häufig empfehlenswert. Geht es beispielsweise um Streitfragen zum Unterhalt, zum Sorgerecht oder zu gemeinsam angeschafften Vermögenswerten, werden aus vermeintlich respektvollen Erwachsenen häufig zwei Streitparteien, bei denen niemand so recht nachgeben möchte.

Anwaltliche Hilfe im Scheidungsverfahren ist häufig äußerst kostenintensiv, aber die private Rechtsschutzversicherung regelt das schon. Falsch, denn Scheidungen sind von der privaten Rechtsschutzversicherung ausdrücklich ausgenommen. Weiteres gilt auch für Schutz bei Finanzierungen von Immobilien oder beim Bau. Wer höhere Kapitalsummen angelegt hat, der darf auch nicht auf die Unterstützung der privaten Rechtsschutzversicherung hoffen. Stattdessen wird bei der privaten Rechtsschutzversicherung nur abgesichert, was tatsächlich Erfolgsaussichten hat. Wird dem Versicherungsnehmer Mutwilligkeit nachgewiesen, springt die Rechtsschutzversicherung ebenfalls nicht ein.

Bei Vertragsbeginn gibt es eine Sperrfrist bei der Privatrechtsschutz

Häufig wird die Rechtsschutzversicherung als überflüssig empfunden, da sie ohnehin nicht sofort genutzt werden kann. Von Sperrfristen nach Vertragsabschluss ist immer wieder die Rede, aber das stimmt nicht ganz. Es gibt einige Versicherungsnehmer, bei denen auch bei der Privat-Rechtsschutzversicherung Sperrfristen vorliegen, jedoch ist das nicht zu pauschalieren.

Oft wird eine dreimonatige Sperrfrist für die Arbeit- und Verwaltungs-Rechtsschutz in den Vertrag integriert.

Symbolbild Rechtsschutz
Mit einer privaten Rechtschutzversicherung werden Versicherungsnehmer nicht im Regen stehen gelassen.
Die private Rechtsschutzversicherung übernimmt alle Honorarkosten

Mit meiner abgeschlossenen privaten Rechtsschutzversicherung habe ich einen Freifahrtschein, wenn es um die Kostenübernahme für Honorare meines Anwaltes geht. Soweit die Annahme, die allerdings nicht stimmt. Die Rechtsschutzversicherung zahlt zwar nach der Deckungszusage, allerdings anteilig und nur Vertretung- und Beratungskosten, welche dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz entsprechen. Erhebt ein Anwalt höhere Kosten, muss der Versicherungsnehmer diese tragen. Die private Rechtsschutzversicherung übernimmt nur Aufwendungen, die zur Abwendung einer Klage oder zur Durchsetzung des Rechtsanspruches anfallen. Wird der Rechtsstreit verloren und muss der Versicherungsnehmer die Kosten des gegnerischen Anwaltes zahlen, übernimmt die Rechtsschutzversicherung dies nicht. Auch diese Kostenaufwendungen gehen zulasten des Versicherungsnehmers.

Möchten sich Versicherungsnehmer nur vorbeugend beraten lassen, fällt dies nicht unter den Versicherungsschutz der privaten Rechtsschutzversicherung. Auch der Wechsel des Anwaltes wird durch das Versicherungsunternehmen nicht unterstützt. Ist die Klage aussichtslos, erfolgt ebenfalls keine Kostenübernahme.

Mein neuer Lebenspartner ist automatisch im bereits vorhandenen Vertrag inkludiert

Plötzlich ändert sich der Single-Status und ein neuer Partner bereichert das Leben. Dieser ist automatisch im bereits abgeschlossenen Vertrag für die private Rechtsschutzversicherung integriert. Nein, so einfach geht das nicht. Wer einen Single-Tarif für seine private Rechtsschutzversicherung abgeschlossen hat, kann den neuen Partner nicht integrieren lassen, sondern müsste den Vertrag kündigen und eine neue Versicherung abschließen. Hier ist zu beachten, dass erneute Wartezeiten/Sperrfristen eintreten können.

Wer bereits einen Familien-Tarif abgeschlossen hat, kann den Lebenspartner mitversichern lassen, muss dies aber der Versicherung mitteilen. Anders sieht es bei der Heirat aus. Im Rechtsschutz werden Ehepartner und Kinder in den Tarif (sofern kein Single-Tarif) automatisch integriert. Trotzdem ist empfehlenswert, dass Versicherungsunternehmen über die Heirat/Geburt des Kindes zu informieren, um spätere Verzögerungen und Komplikationen bei der Abwicklung im Schadenfall zu vermeiden.

Die private Rechtsschutzversicherung bietet eine unbegrenzte Deckungssumme

Die Höhe der Deckungssumme ist keinesfalls unbegrenzt, sondern im eigenen Tarif festgesetzt. Eine scheinbar unbegrenzte Deckungssumme gehört zu den häufigsten Versicherungsirrtümern, aber das kann teuer werden. Die Leistungsobergrenze liegt abhängig vom gewählten Tarif bei 200.000 € bis 250.000 €. Es gibt zwar einige Anbieter, die eine unbegrenzte Deckung anbieten, das ist jedoch die Ausnahme und geht mit enormen Kosten für den Versicherungsvertrag einher.

Bietet der Versicherer weltweiten Schutz (im nicht-europäischen Ausland), wird die Deckungssumme meist sogar noch niedriger angesetzt. Hier sind es häufig maximal 100.000 €. Alles, was darüber hinausgeht, müssten Versicherungsnehmer aus eigener Tasche zahlen.

Ich muss keine Selbstbeteiligung bei der privaten Rechtsschutzversicherung zahlen

Dass gar keine Selbstbeteiligung notwendig ist, stimmt nur bedingt. Natürlich gibt es Tarife für die private Rechtsschutzversicherung, bei denen keine Selbstbeteiligung gezahlt werden muss. Der Nachteil: Ohne Selbstbeteiligung fällt die Versicherungsprämie häufig viel höher aus. Wer für die private Rechtsschutzversicherung eine Selbstbeteiligung wählt, kann seine Kosten für den Tarif senken. Wie hoch die Selbstbeteiligung ist, können die Versicherungsnehmer selbst entscheiden. Häufig liegt die minimale Selbstbeteiligung bei 150 €, die maximale Selbstbeteiligung bei 1.000 € oder mehr.

Wer seinen Rechtsstreit gewinnt, muss die Selbstbeteiligung nicht zahlen. Zusätzlich erhält die Rechtsschutzversicherung Ausgaben für Honorare erstattet. Wurde vorher durch den Versicherer Selbstbeteiligung gefordert, wird sie nun durch den Gegner aufgrund der rechtlichen Situation zurückerstattet.

Die Selbstbeteiligung kann Sinn machen, wenn es um höhere Schadenssummen geht. Wer beispielsweise die maximale Selbstbeteiligung von 1.000 € beim Vertragsabschluss ansetzt, spart sich die Versicherungsprämie. Kommt es dann zum Streitfall, bei dem Tausende Euro im Raum stehen, kann sich die Versicherung auch mit Selbstbeteiligung lohnen. Um zu entscheiden, ob und welche Selbstbeteiligungshöhe sich beim Tarifabschluss lohnt, ist der Blick auf die gesamten Konditionen notwendig: Welche Versicherungsleistungen werden überhaupt gezahlt? Gibt es eine Sperrfrist und wenn ja, wie lange? Wo liegt die maximale Deckungssumme? Eine vermeintlich günstige Versicherung, die dann im Schadenfall gar nicht oder nur anteilig zahlt, kostet nicht nur Nerven, sondern im Nachhinein auch zusätzliches (Lehr-)Geld.

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