Wahrig Herkunftswörterbuch

Horn
Wer sich die Hörner noch nicht abgestoßen hat, der ist nach unserem heutigen Sprachempfinden noch unreif, besonders aber unerfahren in Liebesdingen. Das Bockshorn, das auch die Wendung sie setzt ihrem Mann Hörner auf „sie ist ihrem Mann sexuell nicht treu“ inspirierte, spielt hier die wichtigste Rolle. Ursprung der Redewendung ist das Treiben der Studenten während der Deposition (von lat. depositio cornuum, deutsch: „Ablegen der Hörner“). Dies war eine zwischen dem 15. und dem späten 18. Jahrhundert überall in Deutschland verbreitete Aufnahmefeier. Den auch Bacchant oder Beanus (eigentlich „Gelbschnabel“, vgl. frz. bec jaune) genannten Studienanfänger verkleidete man als Bock mit Tierkörperteilen (Hörnern, Zähnen und Bart), die ihm anschließend in einer festgelegten Zeremonie recht grob entfernt wurden. Das Abstoßen der Hörner geht darauf zurück, dass die aufzunehmenden Studenten in manchen Universitäten mit den aufgesetzten Hörnern gegen eine Tür oder Säule rennen mussten, bis jene abfielen. Der jugendliche und (auch sexuell) unreife Erstsemester sollte so aus seinem quasi tierischen vorherigen Zustand in die Welt des Verstandes und der Wissenschaft überführt werden.
Hörner, Nashorn
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