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Brasilien: Großes Land mit wechselvoller Geschichte

Vor gut 300 Jahren ging ein Ausruf durch das Land: Gold in Brasilien! Nicht nur das edle Metall, auch Diamanten, Brasilholz, Kaffee und Zuckerrohr ließen den Exporthandel Brasiliens florieren. Von der Entdeckung Amerikas über die Kolonialzeit, Königreiche, Diktaturen bis hin zur Demokratie: Die Geschichte Brasiliens ist wechselvoll und keineswegs immer rosig.
KEL

Erste Messfeier in Brasilien am 26. April 1500.
Public Domain

Als erster Europäer betritt Christoph Kolumbus 1492 den amerikanischen Kontinent. Das kleine Portugal aber stellt zu der Zeit eine große Seemacht vor allem auch im Atlantik dar. Um kriegerische Konflikte zu vermeiden, teilen Spanien und Portugal das atlantische Gebiet unter sich auf: Von Afrikas Westküste über die atlantischen Inseln bis hin zu Brasilien, dieses Gebiet wird portugiesisches Territorium. Der westlich davon gelegene Teil des neu entdeckten Kontinents geht an Spanien. So kommt es, dass Brasilien heute das einzige Land Amerikas mit portugiesischer Landessprache ist.

Doch das Land, das so in die Hände Portugals fällt, ist keineswegs unbesiedelt: Naturvölker leben bereits seit Tausenden von Jahren in Brasilien. Skelettfunde und Höhlenmalereien lassen Wissenschaftler heute annehmen, dass bereits vor 10.000 Jahren indigene Völker an der Küste Brasiliens und entlang des Amazonas in Siedlungen lebten. Und zunächst ändert sich an dem Leben in Brasilien nicht viel, denn Portugal konzentriert sich zu dieser Zeit ganz auf Indien. Im Jahr 1500 erst betritt der erste Portugiese die Küste Brasiliens und die Kolonialzeit beginnt.

Brasilholz-Baum
Mauroguanandi / Public Dmoan

Die Lizenz zum Menschenhandel

Die reichen Vorkommen an Brasilholz, woraus Farben und edle Möbelstücke hergestellt werden können, geben dem Land seinen Namen: Brasilien. Das Holz entwickelt sich schnell zum Exportschlager und lässt die Kolonie wachsen. Doch die massive Abholzung der edlen Bäume bleibt nicht ohne weitreichende Folgen: Heute ist Brasilholz vom Aussterben bedroht und steht unter Naturschutz.

Zuckerrohr - das Geschäft mit den süßen Halmen floriert ebenso. Die indigenen Völker sind es, die auf den Plantagen unter extrem harten Bedingungen als Gefangene der Kolonialisten dafür schuften. Seuchen breiten sich aus. Viele Indigenas nehmen sich das Leben oder sterben an europäischen Krankheiten, eingeschleppt von ihren Herren. Der Bedarf an Arbeitskräften steigt. Schließlich vergibt 1517 der spanische König Karl V. die erste offizielle Lizenz zum Handel mit Menschen. Die begehrten und äußerst lukrativen Lizenzen, die so genannten “Asientos de Negros“, erlauben es, jährlich bis zu 4.000 afrikanische Sklaven nach Amerika zu verschiffen. 1888 erst soll dem ein Ende gesetzt werden: Die Kronprinzessin Isabel unterzeichnet das “Goldene Gesetz“, das den Sklavenhandel verbietet.

Ein Königreich für Brasilien

Ende des 17. Jahrhunderts dann die große Entdeckung: Gold in Brasilien! Immer mehr Menschen aus Europa locken die reichen Boden- und Naturschätze Brasiliens und die Bevölkerung wächst rasch. 1807 verschlägt es sogar die königliche Familie Portugals nach Brasilien. Der Grund dafür sind jedoch nicht die Bodenschätze, sondern vielmehr die einmarschierenden Truppen Napoleons daheim. Eine Königsfamilie im Asyl? Nein, das geht nicht. So steigt Brasilien einige Jahre später von der Kolonie zum Vizekönigreich auf, womit es dem Mutterland Portugal gleichgestellt ist.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts bestimmen Dürren, Hunger und Gewalt die Tagesordnung vieler Brasilianer. Doch nicht die Bevölkerung, sondern das Militär ist es, dass am 15. November 1889 schließlich die Monarchie durch einen Putsch stürzt. Am nächsten Tag erst liest das Volk in den Zeitungen: Die kaiserliche Familie wurde ins Exil verwiesen, und die bereits eingesetzte Übergangsregierung ruft die freie Republik der vereinigten Staaten von Brasilien aus.

Unruhige Zeiten

Die Zeit der freien Republik ist geprägt von der so genannten Milchkaffee-Politik: Die mächtigen Farm- und Plantagenbesitzer machen ihren Einfluss bei den folgenden Regenten und Präsidenten des Landes geltend. So kontrolliert im Wesentlichen der Agrar- und Landwirtschaftssektor das politische Geschehen. Vor allem der Norden des Landes wird dadurch sich selbst überlassen und verarmt zusehends.

In den 1960er Jahren meldet sich das Volk immer lauter zu Wort. Studenten und Arbeiter gehen auf die Straße und fordern mehr soziale Gerechtigkeit. Was jedoch folgt, hat mit Gerechtigkeit nicht viel zu tun: Direkte Wahlen des Präsidenten werden abgeschafft, Folter und Todesstrafe eingeführt, die Presse zensiert – das Militär ergreift die Macht und herrscht über das Land. Mehr als 20 Jahre lang erfolgt die konsequente Unterdrückung der Meinungs- und generellen Freiheit der Menschen Brasiliens durch die Militärdiktatur. 1985 erst finden freie Präsidentschaftswahlen statt, die der Oppositionskandidat Tancredo Neves gewinnt. Sein Amt soll Neves jedoch niemals antreten, denn wenige Tage später stirbt er unter bis heute ungeklärten Umständen. Der Weg für ein demokratisches Brasilien war jedoch geebnet.

Es gibt viel zu tun

Zwei Aufgaben stehen seither ganz oben auf der to-do-Liste Brasiliens: Der Abbau der Staatsschulden und die Verbesserung von sozialen Programmen für eine faire Gesellschaft. Denn auch heute noch wächst die klaffende Lücke zwischen arm und reich weiter an.

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