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Das Bermuda-Dreieck - was steckt hinter den mysteriösen Vorfällen?

Spurlos verschwundene Flugzeuge, nie mehr gesichtete Schiffe und unzählige verlorene Menschenleben – das Bermuda-Dreieck ist seit Jahrzehnten für seine unheimlichen Vorkommnisse berüchtigt. Das Rätsel um dieses Meeresgebiet begann mit dem Verschwinden einer Fliegerstaffel vor genau 75 Jahren. Aber welches Geheimnis birgt das Bermuda-Dreieck wirklich?

Karte des Bermudadreicks
Es existiert zwar keine offizielle Definition, aber im Allgemeinen gelten die Bermudainseln im Norden, Miami im Westen und die Stadt San Juan auf der Insel Puerto Rico als Eckpunkte des Bermudadreiecks.

Das Bermuda-Dreieck ist ein Gebiet in der sogenannten Sargasso-See im westlichen Atlantik vor der Küste Floridas. Der Meerabschnitt spannt sich von der Südspitze Floridas zu den Bermuda-Inseln im Nordosten bis hinab nach Puerto Rico. Das Meer erreicht in diesem Gebiet Tiefen von bis zu 7.000 Metern.

Fünf Torpedobombern vom Typ TBF Avenger, 1943
Flight 19 war die Bezeichnung für eine aus fünf Torpedobombern vom Typ TBF Avenger der US Navy bestehende Trainingseinheit. Das Foto zeigt Maschinen dieses Typs, die während des Krieges zu Ausbildungszwecken an der Naval Air Station Fort Lauderdale Fort Lauderdale, Florida stationiert waren – dem gleichen Stützpunkt, von dem aus Flight 19 gestartet war.

Mission Flug 19

Der wohl bekannteste Vorfall im Bermuda-Dreieck ereignete sich am 5. Dezember des Jahres 1945: Kurz nach 14 Uhr hoben fünf Flugzeuge auf dem Marinestützpunkt Fort Lauderdale in Florida vom Boden ab – „Flug 19“ nannte sich die Mission. Die Piloten wollten an diesem Tag einen Routineflug 300 Kilometer auf den Atlantik hinaus und zurück machen.

Sie waren mit ihren Flugzeugen vertraut und die Maschinen wurden vor dem Flug genau gecheckt. Auch die Wettervorhersagen für die Route waren günstig: Es war ein für Florida typischer sonniger, milder Wintertag. Besondere Vorkommnisse – keine.

Anzeichen der Notlage

Doch um 15.45 Uhr nahm der Tower in Fort Lauderdale eine ungewöhnliche Meldung der Patrouille entgegen. Statt die Landung anzukündigen, klang der Kapitän der Fliegerstaffel dabei besorgt und verwirrt: „Wir können kein Land sehen.“ Die Fluglotsen erfragten die Position der Flieger und suchten den Himmel nach ihnen ab, da sie längst im Landeanflug sein müssten.

Dann kam wieder eine Meldung aus dem Cockpit des Patrouillenführers: „Wir sind nicht sicher, wo wir sind. Wiederhole: Wir können kein Land sehen.“ Dann brach der Kontakt zum Flieger ab. Nach zehn Minuten traf erneut ein Funkspruch im Tower ein. Doch diesmal war es nicht der Chef der Fliegerstaffel, sondern ein Co-Pilot: „Wir können Westen nicht finden… Wir sind uns keiner Richtung sicher. Alles sieht merkwürdig aus, sogar der Ozean.” Dann wieder Funkstille.

Zwanzig Minuten später meldete sich der stellvertretende Pilot erneut beim Tower, am Rande der Hysterie: „Wir können nicht sagen, wo wir sind. … Wir denken, wir sind 225 nordöstlich der Basis.“ Dann stotterte der Pilot etwas Unverständliches und meldete sich schließlich mit den letzten Worten, die von Flug 19 zu hören waren: „Es scheint, als ob wir in weißes Wasser kommen… Wir sind komplett verloren. “

Auch Nummer sechs verschwindet

Nur Minuten nach dem letzten Funkspruch von Flug 19 machten sich zwei weitere Flugzeuge auf die Suche und flogen die letzte vermutete Position der Fliegerstaffel an. Zehn Minuten nach dem Start meldete sich einer der Piloten dieser Suchmission beim Tower – und auch er wurde nie wieder gehört.

Sowohl die Küstenwache als auch Schiffe der Marine und Flieger der US Air Force suchten in den nächsten Tagen nach den mittlerweile sechs verschollenen Flugzeugen. Was sie aber fanden, waren ruhige See und mittlere Winde – und sonst nichts. Fünf Tage lang suchten sie ein Gebiet von fast 250.000 Quadratmeilen rund um Florida ab, im Westatlantik und im Golf von Mexiko, doch sie fanden nicht ein einziges Überbleibsel: keine Wrackteile, keine Leichen, weder von den 14 Mann Besatzung der Fliegerstaffel noch von den 13 Crew-Mitgliedern der Suchmannschaft.

U.S. Navy Martin PBM-5 Mariner
Auch von den beiden Flugbooten des Typs Martin PBM Mariner, die an der Suche beteiligt waren, verschwand eines mitsamt seinen 13 Besatzungsmitgliedern spurlos.

Weitere unerklärliche Fälle

Obwohl erst mit Flug 19 das Rätsel um das Bermuda-Dreieck richtig populär wurde, soll bereits Christoph Kolumbus im 15. Jahrhundert davon berichtet haben, dass sein Kompass in diesem Gebiet plötzlich verrückt spielte. Eines der ersten dokumentierten Unglücke ereignete sich dann im Jahr 1880: Das britische Schiff „Atalanta“ brach mit 290 Matrosen und Offizieren an Bord von den Bermuda-Inseln in Richtung Heimat auf, kam aber niemals in England an. Die Menschen spekulierten damals unter anderem, ob das Schiff möglicherweise verbrannt oder in einen Sturm geraten war - eine plausible Erklärung fand man nie.

Schließlich im April 1925 war der japanische Frachter „Raifuku Maru“ mit einer Ladung Weizen von Bosten auf den Weg nach Hamburg. Auf ihrer Reise gab die Crew einen panischen Funkspruch ab: „Es ist wie ein Dolch! Kommt schnell. Bitte kommt, wir können nicht mehr fliehen.“ Es war die letzte Meldung vor dem Sinken des Schiffs. Von dem Dolch-Kommentar findet sich allerdings keine Spur in den Funkprotokollen und offiziellen Berichten über den Vorfall. Im Herbst 1973 fand man in der Gegend zudem zwei kubanische Fischerboote brennend und ohne Besatzung. Kurz darauf verschwand dort zudem ein amerikanischer Fischkutter, die „Linda“, völlig spurlos.

Ein Mysterium?

Im gleichen Jahr, knapp 30 Jahre nach dem ungeklärten Verschwinden von Flug 19, gerieten die Vorfälle im Bermuda- Dreieck stärker in die Öffentlichkeit: Die beiden US-Autoren Charles Berlitz und Manson Valentine sahen im mysteriösen Verschwinden der Schiffe und der US-Piloten Beweise, dass im Bermuda-Dreieck geheime Kräfte am Werke sein mussten.  In ihrem Buch „Das Bermuda-Dreieck“ berichteten sie neben Flug 19 auch von weiteren Flugzeugen und Schiffen, die in der Gegend angeblich auf mysteriöse Weise verschwunden sind. Das Mysterium ums Bermuda-Dreieck sprach sich damit weltweit herum.

Davon angestiftet, entstanden unmittelbar danach allerhand weiterer Mythen: Unter anderem glaubten die Menschen an Geisterschiffe, die verlassen umhertreiben oder an Energiefelder, die die Schiffe und Flugzeuge verschlucken würden. Auch von Riesenkraken und grünen Nebelwolken war die Rede. Zudem sprachen manche davon, dass Außerirdische mit einem galaktischen Staubsauger Flugzeuge und Schiffe samt Besatzung ins All saugen würden.

Dem Mythos auf der Spur

Um den Schauergeschichten ein Ende zu setzten, gingen bald darauf Wissenschaftler den Geschehnissen im Bermuda-Dreieck auf den Grund. Michael McDonnell, ein Historiker des Navy-Museums, nahm insbesondere Flug 19 unter die Lupe und machte als Erster deutlich, dass es sich damals offensichtlich um ein tragisches Unglück handelte - nicht um Übernatürliches.

Er fand nämlich heraus, dass es sich bei den Piloten von Flug 19 keineswegs – wie häufig dargestellt – um erfahrene Piloten der US Airforce handelte, sondern bis auf den Staffelführer um Flugschüler der Luftwaffe. Außerdem wies der Experte nach, dass die fünf Flugzeuge vorab zwar keinerlei Schäden zeigten, aber keines eine Uhr an Bord hatte.

Tödliche Entscheidungen

Während des Flugs zogen schließlich starke Winde auf und es wurde allmählich dunkel. Laut McDonnells Recherchen fielen dadurch die Kompasse der Fliegerstaffel aus und die Piloten verloren die Orientierung und irrten sich bei ihrer Position. Um 18:20 Uhr hatte der Tower noch eine Meldung des Staffelführers aufgenommen: „Alle dicht zusammen bleiben. Wenn wir kein Land sichten, müssen wir wassern. Wenn der erste unter 45 Liter fällt, gehen wir alle zusammen runter.“

Die Entscheidung musste die gesamte Crew wohl mit ihrem Leben bezahlen. Denn wie andere Piloten dieser Flugzeuge bestätigten, können diese Maschinen bei einer Notwasserung in schwerer See den Crash nicht überstehen.

Was den verschwundenen Suchflieger anging, fand der Experte heraus, dass ein Passagier an Bord offenbar geraucht hatte und dadurch wahrscheinlich einen Brand auslöste. Denn ein Schiffskapitän meldete in der Nähe eine Explosion am Himmel und fand kurz darauf einen Ölfilm im Wasser. Außerdem passierte dem zweiten Rettungsflugzeug in dem Gebiet nichts – es landete, wenn auch ohne Sucherfolg.

SS Raifuku Maru (1918-1925)
Der japanische Frachter "Raifuku Maru" geriet im April 1925 auf der Fahrt von Boston nach Hamburg in einen schweren Sturm und verschwand nach dem Absetzen eines Notrufs spurlos. Als Ursache für das Unglück gilt die durch den Sturm verrutschte Ladung.

Mythos wissenschaftlich widerlegt

Und auch nahezu alle anderen Geschichten von übernatürlichen Kräften konnten Wissenschaftler seither erklären: So zeigte sich zum Beispiel, dass 1880 sehr wohl Trümmer der „Atalanta“ gesehen wurden. Man hatte sie nur nicht als Überreste des britischen Seglers erkannt. Das japanische Schiff „Raifuku Maru“ wurde zudem gesichtet, wie es in einen Sturm geraten war. Und die Vorfälle von 1973 erklärten sich durch feindliche Angriffe auf die beiden kubanischen Fischerboote. Und die „Linda“ und ihre Besatzung waren in Kuba festgehalten worden, kamen aber später wieder frei.

Untersuchungen vieler weitere Unglücke wiesen zudem nach, dass das Bermuda-Dreieck natürlicherweise einige Gefahren birgt. Meist waren demnach schlechtes Wetter mit Blitzstürmen und unvorhersehbare Gewitter schuld an den Unglücken. Über dem Bermuda-Dreieck wirbeln zudem die Luftmassen derart durcheinander, dass Strudel oder sogenannte Luftlöcher entstehen. In ihnen verlieren Flugzeuge für wenige Sekunden ihren Auftrieb und können dabei hunderte Meter tief fallen.

Außerdem ist die Sargasso-See für Riesenwellen bekannt: Diese bis zu 40 Meter großen Wellen entstehen Vermutungen zufolge, wenn gleichzeitig bestimmte Meeresströmungen und Stürme herrschen. Eine mögliche weitere Erklärung für gesunkene Schiffe könnten die großen Methangas-Vorkommen am Meeresboden des Bermuda-Dreiecks sein. Wenn sie durch Erdrutsche oder Seebeben freigesetzt werden, steigen zahllose Gasblasen auf und nehmen dem Wasser seine Tragfähigkeit, sodass selbst Kreuzfahrtschiffe oder Frachter versinken können. Steigt das Methangas in die Luft, kann es sich im schlimmsten Fall auch am Flugzeugmotor entzünden, sodass der Flieger explodiert und abstürzt.

Das Problem dabei: Augenzeuge eines Schiffsunglücks oder Flugzeugabsturzes zu werden, ist in den Weiten des Atlantiks sehr unwahrscheinlich. Und aufgrund der schnellen Strömung dort können Wrackteile innerhalb kurzer Zeit weit abtreiben. Später sinken sie auf den Meeresgrund und können von Treibsand bedeckt werden und sind kaum noch zu finden. Daher ist es schwer, diese möglichen Unglücksursachen zu beweisen.

Nachweislich nicht gefährlicher

Klar scheint aber, dass im Bermuda-Dreieck relativ gesehen nicht mehr Unfälle passieren als in anderen Seegebieten. Weil das Bermuda Dreieck aber bis heute eine der weltweit am stärksten genutzten Schiffs- und Flugrouten ist, kommt es auch aufgrund des vielen Verkehrs zu mehr Unfällen. Absolut gesehen ist zudem nicht das Bermuda-Dreieck das gefährlichste Seegebiet weltweit, sondern vielmehr die Region um Südchina, Indochina, Indonesien und die Philippinen. Hier kam es zum Beispiel zwischen 2007 und 2017 zu 249 Schiffsverlusten.

Statt also einen Bogen um die Region zu machen, lohnt es sich sogar, die Landschaft rund um das Bermuda-Dreieck näher anzuschauen. Denn die Sargasso-See hat einige Besonderheiten zu bieten – jenseits des Unerklärlichen. Aufgrund der Strömungen und des Klimas dort hat sich ein einmaliges und außergewöhnliches Spektrum an Tier- und Pflanzenarten angesiedelt.

ABO, 04.12.2020
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