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Ein Dorf plant den Umzug

Den Einwohnern der oberbayerischen Ortschaft Moos reicht es: sie wollen weg aus dem Überschwemmungsgebiet der Donau

In einem Dorf in Oberbayern haben die Menschen jetzt genug vom Hochwasser. Dreimal in sechs Jahren liefen ihnen die Keller voll. Jetzt sagen die Leute in Moos: Es langt. Und sind bereit, Konsequenzen zu ziehen. Gemeinsam wollen die 105 Bewohnen umziehen, ihr Dorf gleich nebenan im Nachbarort Straß wieder aufbauen. Das Areal, das sich die Mooser dort ausgeguckt haben, und auf dem sie alle, 40 Anwesen samt Kapelle, ihren Platz finden würden, gehört dem Freistaat. Der würde ihnen das Land auch verkaufen. Die Mooser aber finden: man könnte doch einfach tauschen. Doch damit ist die Staatsregierung nicht einverstanden.

Moos gehört zum Markt Burgheim und liegt im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Die Kleine Paar fließt durch den Ort, wenige Kilometer weiter westlich mündet der Lech in die Donau. Hochwasser aber hatte es bis 1999 hier nie gegeben. So erzählen es sich die Älteren im Dorf, die hier geboren wurden und seit Jahrzehnten hier leben. Dann aber schwappte an Pfingsten vor sieben Jahren plötzlich die schmutzige Brühe der angeschwollenen Flüsse durch ihre Dorfstraßen und in ihre Wohnzimmer. 1,50 Meter hoch stand es – und machte viel kaputt. Kaum war alles wieder hergerichtet, saßen die Mooser im Sommer 2002 erneut im Nassen. Den Rest gab ihnen dann das dritte Hochwasser im vergangenen August. „Das Dorf im Stausee“ haben sie unter ihre Ortstafel geschrieben. „Wir sind soweit, dass wir gehen wollen“, sagt Ortssprecher Johannes Weidner.

Hochwasser ist künstlich gemacht

Warum sich die Donau seit geraumer Zeit in Moos breit macht, darüber wird viel diskutiert. Aber die Leute im Dorf sind sich sicher: Das Hochwasser hier ist künstlich gemacht. Weil nämlich anderswo entlang des Flusses Hochwasserdämme gebaut wurden, suchen sich die Fluten nun den Ausweg in ihren Ort. In Moos sieht man sich als Überflutungsraum missbraucht. Auch glauben viele, dass der Stausee in Bertoldsheim eine Rolle spielt. Die Hochwassergeschädigten pochen darauf, dass der Stromerzeuger E.ON den See ausbaggert, um mehr Stauraum zu schaffen. Dann müsste allerdings der Pegel abgesenkt werden, wenn ein Hochwasser im Anmarsch ist. E.ON jedoch hat genau das Gegenteil beantragt, das Stauziel soll erhöht werden.

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von Iris Hilberth, wissen.de
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