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Eingeschleppter Blutsauger: Achtung Braune Hundezecke!

Sommerzeit ist auch Zeckenzeit: Jetzt sind viele unserer heimischen Zeckenarten hoch aktiv und suchen nach einer Blutmahlzeit. Doch durch den Klimawandel breiten sich bei uns auch zunehmend Zecken aus südlicheren Gefilden aus – eine davon ist die Braune Hundezecke. Dieser Blutsauger aus dem Mittelmeerraum befällt vor allem Hunde und kann Krankheiten übertragen. Wo die Zecke sich verbirgt, welche Folgen ein Biss haben kann und was man tun sollte, wenn man eine entdeckt, erklären uns Experten. Um ihre Verbreitung und die von ihr ausgehende Gefahr zu untersuchen, bitten Wissenschaftler um Mithilfe.

Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus)
Männliche Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus)
Wenn die Temperaturen im Frühjahr steigen, werden in Wäldern, Auen und auch städtischen Parks die Zecken wieder aktiv und suchen nach einer Blutmahlzeit. Für Spaziergänger und ihre vierbeinigen Begleiter ist deshalb Vorsicht geboten. Denn einige der in Deutschland rund 20 heimischen Zeckenarten wie der Gemeine Holzbock oder die Auwaldzecke können beim Biss und Blutsaugen bakterielle und virale Erreger übertragen und Krankheiten verursachen, darunter die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder die Borreliose..

Achtung Einwanderer

Neben den bei uns heimischen Blutsauger-Spezies locken die durch den Klimawandel steigenden Temperaturen aber auch zunehmend Exoten in unsere Breitengrade. Fremden Zeckenarten werden beispielsweise von Zugvögeln aus dem Süden bei uns eingeschleppt und finden in Deutschland geeignete Lebensbedingungen. Zum Beispiel fanden Forscher bereits die Tropenzecke Hyalomma, die ursprünglich aus Afrika, Asien und Südeuropa stammt, sich nun aber bei uns verbreitet.

Das Problem: Im Gegensatz zu den bei uns etablierten Spezies übertragen die eingeschleppten Zeckenarten oft Krankheiten, die hierzulande normalerweise nicht vorkommen. So können Hyalomma-Zecken beispielsweise die Erreger des sogenannten Krim-Kongo-Hämorrhagischen Fiebers, des Arabisch-Hämorrhagischen Fiebers und eine Form des Zecken-Fleckfiebers übertragen.

Braune Hundezecke als neuer Bewohner?

Nun melden Wissenschaftler einen weiteren Neuankömmling: Die eigentlich in Nordafrika und im Mittelmeerraum heimische Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) wird inzwischen vereinzelt auch in Deutschland gefunden und könnte sich bei uns etablieren. Der etwa drei Millimeter große, rötlich-braun gefärbte Blutsauger hat sich bereits in der Schweiz angesiedelt und auch aus den Niederlanden wurden erste Funde gemeldet.

Meist gelangt die Braune Hundezecke durch Reisende und ihre Hunde nach Deutschland. So kann sie beispielsweise von einer Urlaubsreise mit einem Vierbeiner eingeschleppt werden, erklärt Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim. „Wir gehen davon aus, dass die Braune Hundezecke mit Hunden, die mit ihren Haltern im Auslandsurlaub waren, nach Deutschland kommt“, so die Expertin. „Es wurden aber auch bereits Exemplare an Hunden gefunden, die ihren Hof nie verlassen hatten – ein Hinweis darauf, dass die Art hier möglicherweise bereits Fuß gefasst hat.“

Wohnungen als Zecken-Paradies

Gelangen die Zecken dann mit dem Hund in die Wohnung des Besitzers können sie dort, anders als beispielsweise der Gemeine Holzbock, sehr gut überleben. „Um die 25 Grad und trocken – so hat sie es am liebsten“, sagt Mackenstedts Kollegin Katrin Fachet. „Und wenn dann noch ein Hund in der Nähe ist, hat die Braune Hundezecke den idealen Lebensraum für sich gefunden.“

Hauptsächlich halten sich die Zecken an den Orten auf, an denen die Hunde die Nächte oder lange Ruhezeiten verbringen, wie zum Beispiel dem Hundebett oder in der Hundehütte. Nach einer Blutmahlzeit verlassen sie ihren Wirt und ziehen sich in Spalten und Ritzen zurück. Dann findet man die Braune Hundezecke hinter Fußleisten, unter Dielen und hinter Tapeten oder in Natursteinwänden. Dort versteckt, kann sich die Braune Hundezecke auch vermehren: Ein Weibchen legt etwa in dunklen Ecken hinter Möbeln bis zu 4.000 Eier ab, so dass schnell eine regelrechte Zeckenplage in der Wohnung entstehen kann.

Gegen einen solchen Befall kann man aber Maßnahmen ergreifen. „Es ist zwar nicht schön und mehr als ärgerlich, wenn die Braune Hundezecke sich in der Wohnung eingenistet hat, aber man kann durchaus etwas dagegen tun, und gerne unterstützen wir dabei auch die Betroffenen“, so Mackenstedt. Bei sehr starkem Befall muss die Wohnung allerdings von einem Kammerjäger gereinigt werden.

Hundekörperteile mit Zeckenbefalll
Braune Hundezecken bevorzugen gut durchblutete Körperbereiche des Hundes mit dünner Haut, wie beispielsweise Ohren, Leisten, Achselhöhlen, den Rücken oder die Zehenzwischenräume.

Wie gefährlich ist die Zecke?

Wie gefährlich die Braune Hundezecke ist, ist bislang noch nicht vollständig geklärt. Bekannt ist bisher nur, dass der Biss einer einzelnen Braunen Hundezecke beim Hund meist nur leichte Hautirritationen verursacht. Hat man eine Plage in der Wohnung, sitzen häufig mehrere Blutsauger dicht nebeneinander, wenn sie ihre Blutmahlzeit aufnehmen, und lösen entsprechend stärkere Hautirritationen aus. „Dabei bevorzugen sie gut durchblutete Körperbereiche des Hundes mit dünner Haut, wie beispielsweise Ohren, Leisten, Achselhöhlen, der Rücken oder die Zehenzwischenräume“, erläutert Fachet.

Eine Übertragung von Borreliose-Erregern oder der Frühsommer-Meningoenzephalitis wurden bei dieser Zeckenart bisher zwar noch nicht festgestellt. Sie kann aber typische Hundekrankheiten aus dem Mittelmeerraum wie Ehrlichiose und Babesiose übertragen, warnen die Forschenden. Ersteres kann unter anderem zu Fieber, Blutungen oder Atemnot führen. Die Babesiose ist vor allem dafür bekannt, bei Vierbeinern Blutarmut hervorzurufen. Diese bei uns bislang nicht verbreiteten Krankheiten müssen oft ein Hundeleben lang behandelt werden.

Zudem besteht auch eine Gefahr für den Menschen. „Obwohl der Hund ihr bevorzugter Wirt ist, werden auch gelegentlich Menschen gestochen. Wenn sie eine Blutmahlzeit benötigt, ist sie nicht wählerisch“, betont Mackenstedt. „Auf diese Weise kann die Braune Hundezecke unter Umständen auch die Erreger für das Mittelmeerfleckfieber weitergeben.“

Deshalb sollten Hundebesitzer darauf achten, dass ihre Vierbeiner aus dem Urlaub keine unerwünschten „Souvenirs“ mit nach Hause bringen. Zudem empfehlen die Experten eine Zeckenprophylaxe, über die der Tierarzt beraten kann. Der Hund kann beispielsweise mit Tropfmitteln für den Nacken oder auch Tabletten geschützt werden.

Funde bitte melden!

Entdeckt man den exotischen Blutsauger, bitten die Experten darum, ihnen den Fund zu melden. Nur so können sie mehr über die Hundezecke und ihre Verbreitung sowie die von ihr ausgehende Gefahr erfahren. „Bei der Braunen Hundezecke interessiert uns unter anderem, ob sie aufgrund der veränderten Wetter- und Klimabedingungen und den wärmeren Wintern auch außerhalb von Wohnungen überleben kann“, erklärt Fachet. Damit lässt sich auch genauer herausfinden, welche Maßnahmen gegen den Einwanderer wirksam sind.

„Hierzu brauchen wir noch mehr Daten. Wir sind dankbar für jede eingesendete Braune Hundezecke, die wir im Labor erforschen können“, so die Expertin weiter. „Sollten Sie häufiger eine ungewöhnliche Anzahl an braunen Zecken in einem Gebäude bemerken oder sollte Ihr Hund sehr stark von Zecken befallen sein, die der Braunen Hundezecke ähnlich sehen, dann schicken Sie bitte eine E-Mail mit Foto, Datum und Fundort der Zecke an hundezecken@uni-hohenheim.de.“

Dann können die Zecken-Experten dem Finder nach einer Analyse des Fotos rückmelden, ob es sich tatsächlich um eine Braune Hundezecke handeln könnte und ob es sinnvoll ist, den Fund auf dem Postweg an die Universität Hohenheim einzuschicken. „Schön wäre es, wenn die Zecke nicht mit Tesafilm oder anderen Klebstoffen in Berührung kommt. Denn für die eindeutige Zuordnung brauchen wir feine Härchen und Oberflächenstrukturen, die sich dann nicht mehr erkennen lassen“, erklärt Fachet. „Deswegen gibt man die Zecken am besten in ein kleines, luftdichtes Gefäß, wie zum Beispiel einen Kunststoff-Cremetiegel, ein sehr kleines Einmachglas oder Ähnliches.“

Quelle: Universität Hohenheim

ABO, 14.06.2021
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