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Klettern im Winter: Herausforderung in Eis und Fels

Riesige erstarrte Wasserfälle, kristallene Eiszapfen, die von Felsvorsprüngen hängen und jede Sekunde abzubrechen scheinen. Nur wenig rauer Fels ragt kontrastreich zwischen den glänzenden Eismassen hervor. Wer unter solchen Bedingungen klettert, liebt das Extreme. Doch trotz Kälte und Gefahr erfreut sich das Eisklettern auch bei uns steigender Beliebtheit.

„Octopussy“, „Game over“ oder „Batman“. Wenn Eiskletterer ihren Routen Namen geben, klingt das oft fast schon  bedrohlich und wie frisch aus  einem Actionfilm. Erstmals durchklettert und bezwungen, geben die Extremsportler ihnen stolz unheilvolle Titel, um ihre enorme Leistung auszudrücken. Auch wenn diese nach waghalsigem Abenteuer klingen und vermuten lassen, dass Eisklettern und Mixed-Klettern erfahrenen Alpinisten vorbehalten ist, so verhelfen moderne Ausrüstung und geführte Touren inzwischen auch Einsteigern zum Erlebnissport. Es ist in jedem Fall ein besonderes Abenteuer in einer faszinierenden Kulisse. 

Klettern auf blankem Eis

Im Winter, wenn Schnee und Eis regieren, ist Klettern nicht gerade die Sportart, die sich einem aufdrängt. Aber da täuscht man sich, denn gerade jetzt treibt es viele Kletterer an eisige Wände: Sie erproben sich im Eisklettern. Diese Spezialdisziplin des alpinen Kletterns und Bergsteigens findet auf unterschiedlichsten Routen statt und reicht von weniger steilen Aufstiegen von Eisfeldern bis zu überhängenden Eisformationen und freistehenden Eisfällen.

Glattes Eis und ein trügerischer Untergrund: Für die einen eine Horrorvorstellung, für Eiskletterer aber gerade der Nervenkitzel, der sie antriebt. Eisklettern ist ein noch gefährlicheres und ungemütlicheres Unterfangen als das normale Klettern. Um erfolgreich und sicher ans Ziel zu gelangen, braucht man eine spezielle Ausrüstung, eine Menge Erfahrung und die richtigen Bedingungen.

Mit Eispickel und Steigeisen

Unabdingbar gehören Eisgeräte, Steigeisen, ein Satz Eisschrauben und mobile Sicherungsgeräte zum Equipment. Natürlich dürfen auch ein Helm und die optimale Kleidung nicht fehlen, um vor Verletzungen und Unterkühlung zu schützen. Denn schließlich gilt, je kälter desto besser, oder? Nicht ganz: Ideal sind die Bedingungen, wenn die Temperaturen einige Grad unter dem Gefrierpunkt liegen.

 Je kälter Eis wird, desto härter und brüchiger wird es und bei minus 15 Grad Celsius hat es bereits die Härte von Kalkstein, bei minus 25 Grad Celsius sogar von Quarz oder Stahl. In schwindelerregender Höhe dann eine sichernde Eisschraube zu verankern, könnte sich schwierig gestalten.

Am Anfang besser mit Betreuung

Natürlich fängt auch der Eiskletterer langsam an: Es gibt vielerorts geführte Klettertouren und Schnuppertage, bei denen auch Ungeübte bereits erste Erfahrungen im Gehen und Steigen auf Eis und Schnee sammeln können. Günstig ist es allerdings meist, wenn man schon Erfahrung im Sichern und Klettern auf normalen Klettersteigen besitzt. Gerade am Anfang ist ein erfahrener Bergführer wichtig, denn nur er kann einschätzen, ob ein Eisfall oder gar eine Lawine droht und welche Eisflächen tragen.

Der Schwierigkeitsgrad der Eiskletter-Routen wurde früher in einer siebenstufigen WI-Skala (Water Ice) bewertet, die von 40 über 90 Grad bis hin zur Königsdisziplin, dem Überhang, reichte. Da es aber immer extremer, höher und gefährlicher geht, reicht die Skala nun bereits bis WI11. Ein Beispiel hierfür sind die tausenden Stalaktiten, die rau und gefährlich von der Decke der Helmcken Falls in Kanada hängen. Je höher die WI-Skala, desto geringer fallen auch die Sicherungsmaßnahmen aus.

Drytooling und Mixed-Klettern

Aus dem eigentlichen Eisklettern entwickelten sich allmählich zwei Sonderdisziplinen, die immer mehr Anklang finden: das Mixed-Klettern und das Drytooling. Das Mixed-Klettern, wie der Name verrät, beschränkt sich nicht mehr auf das reine Eisklettern, sondern findet mit Steigeisen und Eisgeräten an Fels und Eis statt und lässt viele Klettererherzen höher schlagen.

Der natürliche Ursprung und Reiz des Mixed-Kletterns besteht darin, freihängende Eiszapfen über Felsformationen zu erreichen. Inzwischen werden jedoch auch gezielt Routen gesucht, die eine immer schwierigere Kombination aus hartem Gestein und bizarren Eisformen bieten. Genau wie beim Eisklettern grenzt eine Skala die Schwierigkeitsstufen ein, die inzwischen von M1 bis  M13+ reichen. Ende offen.

Das Drytooling hingegen hat außer der Ausrüstung nicht mehr viel mit dem Eisklettern gemein: Die Sportler erklettern mit Eispickel und Steigeisen nur noch trockene Felsen. Fest angebrachte Sicherungen sorgen auf vielen Routen und an vielen Kletterwänden dafür, dass die Kletterer dabei nicht abstürzen. Auch hier in Deutschland gibt es inzwischen selbst in Großstädten immer mehr Kletterhallen, die neben dem bekanntne Freeclimbing diese Klettertechnik anbieten.

MAH
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