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LEXIKON

Arbien

Arabische Halbinsel
größte Halbinsel Asiens und der Welt, zwischen Rotem Meer und Persischem Golf, Brücke zwischen Nordafrika und Vorderasien, etwa 3 Mio. km2 und rund 38,5 Mio. meist arabische Einwohner; wüstenhaftes, im Westen steil bis über 3000 m ansteigendes, nach Osten allmählich gegen Mesopotamien und den Persischen Golf abfallendes Tafelland mit meist trockenliegenden, tief eingeschnittenen Flusstälern (Wadis); trocken- bis feuchtheißes Klima; starker Tag-Nacht-Temperaturgegensatz; Nomaden-Viehzucht; Oasenwirtschaft, im Südwesten Regenfeldbau. Seit dem 2. Weltkrieg wird die Wirtschaft überwiegend durch die reichen Erdölvorkommen bestimmt. Die Rohölausfuhr erbringt so hohe Deviseneinnahmen, dass modernste westliche Industrieausstattungen und Konsumgüter importiert werden können. Saudi-Arabien, Jemen.
Jordanien: Wadi Rum
Jordanien: Wadi Rum
Der Osten Jordaniens wird von Wüstentafelländern eingenommen, die von zahlreichen Trockentälern (Wadis) durchzogen werden.

Geschichte

Erstmals 854 v. Chr. traten die Araber als Gegner der Assyrerkönige auf. In Südarabien entstanden die blühenden Reiche der Sabäer (Saba) und Minäer sowie die Reiche Kataban und Hadramaut, die von der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. teils nach-, teils nebeneinander bis ins 1. Jahrhundert v.  Chr. dauerten. Die Sabäer kolonisierten Eritrea und Äthiopien und schoben ihre Kolonien weit nach Nordarabien vor.
Die inzwischen unabhängig gewordenen Äthiopier unterwarfen Südarabien im 4. Jahrhundert und nochmals 530, bis sie 570 von den Persern vertrieben wurden. Bis zum Sieg des Islams war Südarabien persische Provinz. Im von Nomaden (Beduinen) bevölkerten Nordarabien kam es zu keinen dauerhaften Staatengründungen. In den letzten Jahrhunderten v. Chr. besiedelten die Araber Palästina, Syrien und Mesopotamien. Im 2. Jahrhundert v. Chr. gründeten sie in Petra das Reich der Nabatäer, das 106 n. Chr. von Trajan als Provincia Arabia dem Römischen Reich einverleibt wurde. In der minäischen Kolonie Dedan entstand etwas später das Königreich der Lihjan. Im 3. Jahrhundert herrschten Araber in Palmyra; unter Odenat und seiner ihm folgenden Gattin Zenobia dehnte sich ihre Macht über ganz Syrien aus, bis 273 Aurelian Palmyra zerstörte. Als Vasallen der Perser herrschten seit dem Ende des 3. Jahrhunderts bis 602 die Lakhmiden in Hira im Irak. Im 5. und 6. Jahrhundert schufen auch die Byzantiner in Syrien und Palästina einen Vasallenstaat unter den arabischen Ghassaniden. Das einzige unabhängige arabische Königreich in Nordarabien schufen die aus dem Jemen stammenden Kinda um 450 in Nadjd, doch endete ihre Herrschaft schon um 535.
Islam: Reiche von 632 bis um 1700
Islam: Reiche
Mit den Erfolgen Mohammeds und der Ausbreitung des Islams wurde Arabien der Ausgangspunkt der islamischen Reiche. Um 635 war ganz Arabien unter islamischer Herrschaft. Mit den Eroberungszügen der Kalifen drangen Araber nach allen Ländern des Vorderen Orients und nach Nordafrika vor. 656 verlegte der 4. Kalif Ali die Residenz des Reichs von Medina nach Kufa, und 650 wurde unter den Omajjaden Damaskus der politische Mittelpunkt. Arabien sank damit zur Randprovinz herab. Um 895 gründeten die Karmaten in Nordostarabien einen Staat. In den folgenden Jahrhunderten bemühten sich meist die in Ägypten herrschenden Dynastien um den Besitz von Mekka und Medina sowie des Jemen. 15141622 setzten sich in Oman die Portugiesen fest. Nach 1517 eroberten die Türken die arabischen Küstenländer.
Mitte des 18. Jahrhunderts schloss sich Ibn Saud in Riad den Wahhabiten an; sein Sohn Abd Al Aziz I. einte die Beduinen des Nadjd und eroberte 1803 Mekka. 1811 beherrschten die Wahhabiten ganz Nordarabien bis an den Persischen Golf und machten Vorstöße nach dem Irak und nach Syrien, was 18031814 zum Krieg mit dem osmanischen Statthalter in Ägypten führte. 1818 wurde Sauds Nachfolger Abdullah gefangen genommen und in Istanbul enthauptet. Die Randgebiete Arabiens kamen nun unter türkische Oberhoheit. 1847 übernahm in Hail (Nadjd) die Dynastie der Raschid die Herrschaft.
Im 1. Weltkrieg mussten die Türken ihre Macht in Arabien aufgeben. Mit englischer Unterstützung, die der Oberst T. E. Lawrence organisierte, entstand unter dem Haschimiten-Scherifen von Mekka, Hussain, 1916 das Königreich Hedjas. Schon 1909 hatte sich Asir im südlichen Hedjas unabhängig gemacht. 1921 begann Ibn Saud seine Herrschaft auszudehnen; er eroberte Hail, 1924 Medina und 1925 Mekka; 1926 stellte sich Asir unter seinen Schutz. Ibn Saud wurde 1927 König des Saudi-Arabischen Königreichs in Nadjd und Hedjas, das er bis zu seinem Tod 1953 regierte. Ihm folgten seine Söhne Saud (19531964), Faisal (19641975), Chaled (19751982) und Fahd (seit 1982). Jemen konnte sich 19051918 von den Türken befreien und wurde 1962 Republik. Aden wurde 1839 britische Kolonie, seit 1967 gehörte es zur Volksrepublik (Süd-)Jemen. Die beiden jemenitischen Staaten vereinigten sich 1990.
Alle übrigen unter britischer Verwaltung stehenden Gebiete Arabiens erhielten zwischen 1961 und 1971 ihre Unabhängigkeit.
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