Lexikon
Ịslam
[auch Isˈla:m; der; arabisch, Ergebung]
Der Islam in der Welt
Die Nachfolger Mohammeds (Kalifen) breiteten in zahlreichen Kämpfen ihren Glauben aus. Zur Zeit der größten Ausdehnung reichte die Einflusssphäre des Islams von den Pyrenäen bis nach Indien und China. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts setzte eine rückläufige Bewegung ein. Infolge der Geschlossenheit des verwalteten Gebiets war nicht nur ein weltweiter Handel möglich; es lag hierin auch der bedeutende Einfluss begründet, den die islamische Kunst (besonders die Baukunst), die Poesie sowie die Naturwissenschaften (Chemie und Mathematik [arabische Ziffern]) im gesamten Mittelalter über Spanien (Toledo) und auch Italien (von Afrika über Sizilien) auf das Abendland ausübten.
In 24 Staaten, darunter Indonesien als bevölkerungsreichster islamischer Staat, ist der Islam Staatsreligion. Seine Wiedererweckung als politische Kraft hat unter dem Begriff „Reislamisierung“ heute weite Teile der islamischen Welt erfasst. Im Hinblick auf das Verhältnis von Staat und Religion sind hier vier Richtungen zu erkennen: 1. Der Fundamentalismus (Iran, Afghanistan, Algerien) fordert die unlösbare Einheit von Religion, Staat und Gesellschaft mit der Scharia als Staatsgesetz und lehnt die demokratischen Verfassungen und Lebensformen der westlichen Welt radikal ab. 2. Im Gegensatz dazu treten die Säkularisten (Syrien, Ägypten, Türkei) für eine „laizistische“ Staatsform ein. 3. Zwischen beiden Richtungen stehen die Traditionalisten (Saudi-Arabien), die zwar die Scharia im öffentlichen Leben ihres Landes durchsetzen, aber außenpolitisch sich nicht gegen den Westen wenden. 4. Die Liberalen, die gegenwärtig in den islamischen Staaten, aber auch als Exilanten im Westen eine Minderheit von Intellektuellen, Schriftstellern und Politikern bilden, wollen den Islam ohne islamische Staatsform praktiziert sehen. In Deutschland leben ca. 3,3 Mio. Muslime.
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