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Korea

koreanisch Chŏson, Joseon [„Land der Morgenröte“], Halbinsel zwischen dem Japanischen Meer (Ostmeer) und dem Gelben Meer (Westmeer), von Japan durch die Koreastraße getrennt. Korea ist seit dem Ende des 2. Weltkrieges in die beiden Staaten Nordkorea und Südkorea geteilt.
Das Land ist überwiegend gebirgig. Die größten Erhebungen liegen im Norden (bis 2749 m). Im Gegensatz zur Ostküste, die steil zum Meer abfällt, befinden sich im Westen auch größere Ebenen. Der Abdachung folgend entwässern fast alle größeren Flüsse ins Gelbe Meer.
Das Klima mit erheblichen Temperaturschwankungen hat Übergangscharakter vom gemäßigten Monsun- zum ostsibirischen Kontinentalklima. Während sich das Sommerklima im Süden nur geringfügig vom Nordteil der Halbinsel unterscheidet, sind die Winterperioden, insbesondere im südlichen Teil Südkoreas, deutlich wärmer.
Vorherrschende natürliche Vegetation ist der sommergrüne Mischwald, in höheren Lagen Nadelwald; im Süden wächst immergrüner subtropischer Laubwald. Insgesamt sind zwei Drittel der Halbinsel bewaldet, doch handelt es sich nach Raubbau zumeist um niedrigen Buschwald.
Die Koreaner sind ein ethnisch homogenes, traditionsreiches Volk mit vielen chinesischen Einflüssen. Der überwiegende Teil der Bevölkerung lebt in den intensiv bewirtschafteten Tiefländern. Südkorea ist dichter besiedelt als Nordkorea. Das schon vor der Teilung bestehende Ungleichgewicht wurde durch den Zustrom von 2,7 Mio. Flüchtlingen aus dem Norden und von 1,2 Mio. koreanischen Rückwanderern aus Japan noch verstärkt. Traditionelle Religionen sind Buddhismus, Konfuzianismus und die koreanische Religion „Cheondogyo“, die buddhistische und christliche Elemente verbindet.

Geschichte

Frühe Reiche

Die legendäre Gründung des koreanischen Staates Choson (Joseon) durch Tangun (Dangun) wird auf 2333 v. Chr. datiert. Das erste historisch fassbare Reich (4. Jahrhundert v. Chr.) reichte vom Nordwesten Koreas bis weit nach China hinein. Um 194 v. Chr. entstand das Reich Wiman-Choson, das nach seinem chinesischstämmigen Herrscher Wiman benannt wurde. 108 v. Chr. geriet Wiman-Choson unter chinesische Herrschaft. Seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. entstanden auf der koreanische Halbinsel die drei Königreiche Kokuryo (Geoguryo), Paeckche (Baekje) und Silla (Shilla). Mit chinesischer Hilfe konnte Silla 668 n. Chr. einen koreanischen Einheitsstaat bilden. Er erreichte im 8. und 9. Jahrhundert eine kulturelle Blüte mit starkem buddhistischen Einfluss aus China. 918 begründete Wang Gon (Wang Geon) das Koryo-Reich (Goryeo-Reich) und brachte bis 935 die ganze Halbinsel unter seine Herrschaft.

Die Yi-Dynastie

Im 13. Jahrhundert stießen die Reiterarmeen der Mongolen auf die koreanische Halbinsel vor. 1392 etablierte der Heerführer Yi Songgye die Yi- bzw. Choson-Dynastie. Hauptstadt wurde Hanyang, das heutige Seoul. Das Erziehungs- und Verwaltungssystem orientierte sich an konfuzianischen Prinzipien. König Sejong ließ im 15. Jahrhundert die koreanische Buchstabenschrift Hangeul entwickeln. Im 16. Jahrhundert konnten japanische Invasionsversuche abgewehrt werden. 1637 musste der koreanische König die Oberhoheit der chinesischen Mandschu anerkennen. 1876 erzwang Japan die Öffnung koreanischer Häfen. Nach dem chinesisch-japanischen Krieg 1894/95 und dem russisch-japanischen Krieg 1904/05 wurde Korea japanisches Protektorat.
Korea: japanische Annektierung
Korea: japanische Annektierung
In der Folge des gewonnenen russisch-japanischen Krieges von 1904/05 annektierte Japan Korea.
1910 annektierte Japan Korea, beendete die Herrschaft der Yi-Dynastie und errichtete das Generalgouvernement Choson.

Kolonialherrschaft und Teilung

Die Japaner beuteten die Rohstoffe aus und versuchten, die koreanische Identität zu zerstören. Eine Aufstandsbewegung wurde 1919 blutig niedergeschlagen. In Shanghai etablierte sich eine koreanische Exilregierung unter Führung von Syngman Rhee. Im 2. Weltkrieg verschärften die Besatzer die Japanisierungspolitik.
Die Siegermächte des 2. Weltkriegs sicherten Korea die Unabhängigkeit zu. Nach der japanischen Niederlage 1945 rückten sowjetische Truppen im Norden und US-amerikanische Truppen im Süden vor und trafen sich am 38. Breitengrad. Alliierte Vereinbarungen über die Bildung einer provisorischen Regierung und die Abhaltung freier Wahlen in ganz Korea wurden nicht verwirklicht, da sich die UdSSR widersetzte. Im September 1948 wurde in Nordkorea die Volksdemokratische Republik Korea ausgerufen; Südkorea (Republik Korea) gab sich im Juli 1948 eine Verfassung.
Am 25. 6. 1950 begann mit dem Einmarsch nordkoreanischer Truppen in Südkorea der Koreakrieg. Der im Waffenstillstand von Panmunjom 1953 vorgesehene Gefangenenaustausch wurde durchgeführt. Eine politische Lösung des Korea-Problems kam nicht zustande. Seither waren Nord- und Südkorea hermetisch voneinander getrennt.
1985 kam es zwischen beiden Staaten erstmals zu begrenzten Vereinbarungen über humanitäre Fragen und 1990 zu ersten Kontakten auf Regierungsebene. 1991 unterzeichneten die beiden Regierungschefs einen „Vertrag über Versöhnung, Nichtangriff, Austausch und Zusammenarbeit“. Seit Mitte der 1990er Jahre verstärkten sich die Spannungen zwischen den beiden Ländern wieder.
2000 konnte überraschend ein innerkoreanisches Gipfeltreffen zwischen Kim Jong Il und Kim Dae Jung stattfinden. Eine weitere Annäherung wurde in der Folgezeit nicht zuletzt durch die Auseinandersetzungen über die nordkoreanische Nuklearpolitik erschwert. 2007 fuhren aber erstmals seit 56 Jahren wieder Personenzüge über die Grenze zwischen dem Norden und dem Süden. Auf einem zweiten Gipfeltreffen im selben Jahr bekundeten die politischen Führer Kim Jong Il und Roh Moo Hyun den Willen, eine Friedenslösung für die koreanische Halbinsel zu finden. Mit dem Amtsantritt des Konservativen Lee Myung Bak als südkoreanischer Staatspräsident 2008 verschlechterte sich das Verhältnis zwischen beiden Staaten wieder. Im Januar 2009 erklärte Nordkorea alle politischen und militärischen Vereinbarungen mit Seoul für nichtig. Im selben Jahr wurden erneut Raketen- bzw. Atomwaffentests durchgeführt. Immer wieder kam es auch zu militärischen Zwischenfällen, so im November 2010 als Nordkorea eine südkorean. Insel mit Artillerie beschoss.

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