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Schneller, schneller, schneller!

von Ulrich Strelzing, wissen.de

ICE - eine deutsche Erfolgsgeschichte

Seit 1991 fahren die weißen ICE-Triebwagenzüge mit der roten Bauchbinde unter dem Mott "Halb so schnell wie das Flugzeug und doppelt so schnell wie das Auto" durch Deutschland und sind das Rückgrat des Bahn-Fernverkehrs. Mehr als 60 Prozent der Fernverkehrs-Passagiere, täglich etwa 180.000, nutzen den ICE. Das Netz verbindet die meisten großen Städte in Deutschland miteinander und bindet darüber hinaus auch Städte in Österreich, der Schweiz, Belgien und in den Niederlanden an.

ICE 3: Mit Hochgeschwindigkeit durch Europa
Siemens AG, München
ICE steht für InterCityExpress, in der Entwicklungsphase bedeutete die Abkürzung noch InterCityExperimental.

Die ersten Züge des IC-Experimental wurden am 31. Juli 1985 an die damalige Deutsche Bundesbahn ausgeliefert, das kurz darauf bei Versuchsfahrten über 300 km/h Geschwindigkeit erreichte.
 

Strecken

Der ICE nutzt verschiedene Arten von Bahnstrecken. Zum Einen gibt es zwei reine Neubaustrecken, auf denen bis zu Tempo 300 gefahren werden kann. Zwischen Köln und Frankfurt durchfährt der ICE, weitgehend parallel zur Autobahn A3 den Westerwald, auf der 2006 eingeweihten Neubaustrecke zwischen Nürnberg und Ingolstadt, Richtung München, fährt er parallel zur Autobahnstrecke A9.

Auf weiteren Neubaustrecken können Geschwindigkeiten bis zu 250 km/h gefahren werden. Die längste und bekannteste dieser Neubaustrecken führt von Würzburg nach Hannover, mit dem neu erbauten ICE-Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe auf etwa der Hälfte der Strecke.

Aber ICE nutzen auch schon bestehende Strecken, die nur teilweise ausgebaut sind. Auf anderen Strecken fährt auch der ICE nur im normalen Schnellzugtempo. Zudem teilt er sich viele Streckenabschnitte auch mit dem Regional- und Güterverkehr. Das ICE-Netz wird beständig enger, weiter Städte werden angebunden. Ab 2007 sollen ICE erstmals ausserhalb Deutschlands mit Tempo 300 fahren, wenn die Verbindung Frankfurt-Paris durch ICE bedient wird.

Auf einigen Strecken zwischen wichtigen deutschen Zentren werden morgens und abends "ICE-Sprinter" eingesetzt, die mit wenigen Zwischenhalten eine möglichst geringe Reisezeit für Geschäftsreisende bieten sollen.
 

Fahrzeuge

Von Anfang an wurden für den ICE-Verkehr nur Triebwagenzüge eingesetzt. Traditionelle Lokomotive-Waggon-Züge gibt es im ICE-System nicht. Während die Züge der 1. und 2. Generation noch Triebköpfe haben, die einer Lokomotive gleichen, werden seit Einführung der 3. Generation alle Zugteile zur Passagierbeförderung genutzt. Die Antriebseinheit befindet sich nun im Wagenboden. Hierdurch ist es möglich, dass Fahrgäste dem Zugführer im wahrsten Sinne des Wortes über die Schulter blicken können und freie Sicht auf die Strecke haben.

ICE-1
Diese Züge fahren seit 1991 als ICE. Zwischen den zwei Triebköpfen an den Zugenden befinden sich bis zu 12 Passagierwagen für bis zu 800 Fahrgäste sowie, durch den charakteristischen hochen Dachaufbau erkennbar, ein Speisewagen. Diese Züge sind bis zu 400 Meter lang. Seit 2005 werden sie renoviert und umgestaltet.

ICE-2
Die seit 1996 eingesetzten ICE-2 Züge sind den Zügen der ersten Generation sehr ähnlich, sie sind aber nur etwa 200 Meter lang. Werden lange Züge benötigt, können zwei Einheiten zusammengekuppelt werden.

ICE-3
Die markanteste Neukonstruktion sind die seit dem Jahr 2000 genutzten ICE-3. Anstelle der Triebköpfe, die wie eine Lokomotive vor die Personenwagen gehängt ist, befindet sich hier die gesamten Antriebstechnik über den Zug verteilt an den Drehgestellen im Wagenboden. Jeder einzelne Wagen des Gesamtzuges ist angetrieben.

ICE-T und ICE_TD
Der ICE-T ist ein Neigetechnik-Zug. Er kann sich in die Kurve legen, so dass höhere Kurvengeschwindigkeiten erreicht werden können. Als einziger Zug der ICE Reihe ist der ICE-TD ein Dieselzug. Die Dieselzüge werden allerdings nicht mehr als eigenständige ICE angeboten, da sie zu teuer und störanfällig waren.
 

Das Unglück von Eschede

Die Geschichte der ICE beinhaltet auch ein tragisches Unglück. Am 3. Juni 1998 entgleiste der ICE "Wilhelm Conrad Röntgen" im niedersächsichen Ort Eschede aufgrund eines gebrochenen Radreifens. An einer Weiche vor einer Straßenüberführung entgleiste der Zug und prallte gegen das Brückenbauwerk, wobei sich die Zugteile ineinander schoben. 101 Menschen starben bei dem Unglück, viele weitere wurde schwer verletzt.
 

ICE International

Einige Züge fahren schon in Nachbarländer Deutschlands, ab 2007 auch in das TGV-Land Frankreich.
Die Niederländische Bahn "Nederlandse Spoorwegen" besitzt einige ICE-Züge. Ab Ende 2006 sollen auch ICE-Züge mit ÖBB Logo in Österreich fahren. Diese werden von DB und ÖBB gemeinsam angeschafft.

Weitere mit den ICE Baureihen verwandte Züge wurden von der spanischen Bahn RENFE, der russischen und der chinesischen Bahn bestellt.

Ein Verkauf der ICE Technik in die USA ist hingegen Mitte der Neunziger Jahre gescheitert. Der "Ice-train", der testweise in den USA fuhr, hatte dort jedoch großes Aufsehen erregt. Beschafft wurde eine Bauart des TGV. Auch in Taiwan kam der ICE nicht zum Zug, hier konnte sich der japanische Shinkansen durchsetzen.
 

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