Lexikon

Tuberkulse

Humanmedizin
Abkürzung Tb; Tbc; Tbk; früher auch Schwindsucht
Tuberkulose: Röntgenbild
Tuberkulose: Röntgenbild
Fallbeispiel einer Lungentuberkulose im Röntgenbild: Die dunklen Flecke kennzeichnen die verkalkten Lymphknoten.
weltweit verbreitete, meldepflichtige, chronisch verlaufende Infektionskrankheit bei Mensch und Tier; Erreger sind die Tuberkelbakterien (Mycobacterium tuberculosis; entdeckt von R. Koch 1882). Die Übertragung erfolgt heute fast ausschließlich über die Atemwege (Tröpfcheninfektion). Die Inkubationszeit beträgt 412 Wochen. Befallen werden vor allem die Lungen (zu ca. 80%), seltener auch andere Organe. Der Verlauf einer Tuberkulose ist vor allem von der Widerstandskraft des Organismus sowie von der Menge und Virulenz der Erreger abhängig. Etwa ein Drittel der Menschheit ist mit dem Erreger infiziert, aber es erkranken nur etwa fünf bis zehn Prozent. Am häufigsten kommt die Tuberkulose in den ärmeren Ländern vor. Ein schlechter Ernährungszustand und ein geschwächtes Immunsystem begünstigen die Infektion. Betroffen sind daher auch besonders AIDS-Kranke, Drogenabhängige, Alkoholiker und Obdachlose.
Der Krankheitsverlauf kann in zwei Stadien unterteilt werden: 1. Nach einer Erstinfektion entsteht die Primärtuberkulose, die fast immer die Lunge betrifft. Sie ist die häufigste Form im Kindesalter und verläuft symptomarm mit Ermüdbarkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme und Neigung zum Schwitzen. In 9095% der Fälle kommt es zu einer Abkapselung der Erreger, die nun nicht mehr ansteckend sind, aber noch jahrelang im Körper überleben und auch reaktiviert werden können. Bei geschwächter Immunabwehr kann es aber auch schon kurz nach dem Primärinfekt zu einer starken Streuung der Erreger im gesamten Körper kommen (Miliartuberkulose). Hierbei treten starkes Krankheitsgefühl, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, hohes, lange anhaltendes Fieber, Husten und Luftnot auf, hinzu kommen spezifische Symptome der befallenen Organe. Auch eine Hirnhautentzündung kann auf diesem Weg entstehen. 2. Nach einer Primärtuberkulose kann sich die postprimäre Tuberkulose durch Einschwemmung der Erreger über die Lymphknoten in die Blutbahn und Transport über den Blutweg zu den verschiedenen Organen entwickeln. Grundsätzlich können alle Organe befallen werden und so Ausgangspunkt für eine später sich entwickelnde Organtuberkulose, wie Knochen- oder Gelenktuberkulose, sein.
Zur Behandlung dient heute in erster Linie eine Kombination verschiedener Chemotherapeutika (Antituberkulotika), die in der Regel mindestens 6 Monate lang eingenommen werden müssen. Ein zu früher Therapieabbruch kann zu resistenten Erregerstämmen führen. Eine Schutzimpfung (BCG-Impfung) wird in Deutschland nicht mehr empfohlen.
Manche Babys müssen direkt nach der Geburt auf eine pädiatrische Intensivstation verlegt werden.
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