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So weihnachtet Deutschland 2019

Weihnachten ist immer auch ein ganz persönliches Fest. Denn jede Familie hat ihre eigenen Traditionen: Die einen feiern mit Tanne, die anderen ohne, bei den einen kommt das Christkind und bei den anderen der Weihnachtsmann. Auch die Frage nach dem Kirchenbesuch oder dem nervigsten Weihnachtslied wird individuell ganz unterschiedlich beantwortet. Spannende Einblicke dazu liefert nun eine repräsentative Umfrage. Sie zeigt, wie Deutschland in diesem Jahr "weihnachtet".

Familiäres Weihnachtsbaumschmücken
Jede Familie hat ihre eigenen Bräuche zu Weihnachten.

Weihnachten ist ein Fest der Traditionen. Doch obwohl es klassische Rituale wie das Feiern unterm Weihnachtsbaum, die Bescherung mit Geschenken und den Besuch der Christmesse gibt, verbringt doch jede Familie die Festtage anders. Wie genau, haben Philipp Rauschnabel und Katrin Brunner von der Universität der Bundeswehr in München im Rahmen einer repräsentativen Befragung von mehr als 1.000 Bürgerinnen und Bürgern untersucht. Ihre Auswertung zeigt, wie Deutschland im Jahr 2019 Weihnachten feiert.

Persönliches auf dem Wunschzettel

Da wären zum einen die Geschenke: In diesem Jahr könnte es beim Auspacken persönlicher werden. Denn viele Menschen haben sich diesmal Selbstgemachtes und gemeinsame Erlebnisse von ihren Lieben gewünscht. Demnach ist Geld zwar immer noch der Top-Wunsch. Doch persönliche Präsente sind messbar im Kommen. So wünschten sich 2018 zum Beispiel nur 36 Prozent eine Reise, dieses Jahr sind es immerhin 42 Prozent. Auch der Wunsch nach gemeinsamen Ausflügen stieg von 37 auf 43 Prozent an.

Spannend auch: Gemeinsame Events und Selbstgemachtes werden von jüngeren Konsumenten sogar mehr gewünscht als von den älteren. Im Bereich der "smarten" Geschenke tut sich der Umfrage zufolge dagegen wenig. Wie bereits im letzten Jahr gehören diese zu den weniger präsenten Artikeln auf den Wunschzetteln.

Mit Tanne oder ohne?

Nicht überall liegen die Geschenke an Heiligabend unter dem Weihnachtsbaum: 30 Prozent der Deutschen feiern nämlich ohne Tanne. Rund die Hälfte der Befragten setzt dagegen auf einen echten Baum, knapp jeder Fünfte feiert mit einer künstlichen Variante. Dabei gibt es durchaus regionale Unterschiede: Im Osten Deutschlands hat knapp jeder vierte Haushalt einen künstlichen Tannenbaum (23,5%), gefolgt vom Westen (21,3%) und dem Süden (16,2%). Am traditionellsten feiern die Norddeutschen: Knapp 60 Prozent feiern mit einem echten Baum und nur knapp zehn mit einem künstlichen.

Ähnlich sieht es beim Kauf aus: Die Norddeutschen kaufen ihre Weihnachtsbäume erst kurz vor Weihnachten, die anderen Regionen sind hier rund zwei bis drei Tage früher dran. "Um den 20. Dezember werden die meisten Deutschen ihren Weihnachtsbaum kaufen. Daher mein Tipp: Schauen Sie schon am 17. oder 18. Dezember nach einem Baum. So entziehen sie sich nicht nur vollen Weihnachtsbaumständen, sondern auch dem Wettbewerb um die besten Bäume", sagt Rauschnabel.

Abtransport eines gerade gefällten Weihnachtsbaumes im Schnee
In neun von zehn Familien in Deutschland gehört zum Weihnachtsfest ein Baum, in der Regel eine echte Tanne und kein Kunstbaum.

Elektrische statt echte Kerzen

Wenn der Baum steht, fehlen noch Schmuck und Beleuchtung: Doch sollen echte oder elektrische Kerzen für heimelige Atmosphäre sorgen? Bei dieser Frage sind sich die Deutschen erstaunlich einig. Mit gut 82 Prozent setzt eine große Mehrheit der Bevölkerung auf elektrische Lichter am Weihnachtsbaum.

Weniger Einigkeit herrscht dagegen bei einer gerade für Kinder entscheidenden Frage: Wer bringt eigentlich die Geschenke - das Christkind oder der Weihnachtsmann? Im Norden (82,9%) und Osten (86,6%) liegt den Umfrageergebnissen zufolge der Weihnachtsmann vorne. Im Westen (60,7%) und Süden (68,9%) ergattert hingegen das Christkind beachtliche Marktanteile am Geschenkemarkt.

Elektrische Kerze an Weihnachtsbaum
Anstelle der klassischen Wachskerzen sorgen inzwischen gerade in Familienhaushalten häufig elektrische Kerzen für die Weihnachtsbeleuchtung.

Weihnachten ohne Kirchenbesuch

Obwohl Weihnachten ein christliches Fest ist, werden 60 Prozent der Deutschen an Heiligabend wohl nicht in die Kirche gehen. 15,9 Prozent waren sich Anfang Dezember noch unsicher, ob sie eine Messe besuchen werden oder nicht. Nur gut 21 Prozent haben den Kirchenbesuch fest eingeplant. "Entgegen unserer Erwartungen sind das aber nicht die älteren Menschen", sagt Brunner. Demnach möchten eher die jüngeren Leute in den Weihnachtsgottesdienst gehen.

Nicht nur in der Kirche spielt Musik eine große Rolle: Alle Jahre wieder dudeln auch im Radio die bekannten Weihnachtshits - allen voran "Last Christmas" von Wham. Dieser Song ist wohl das polarisierendste aller Weihnachtslieder. Von denen, die das Lied kennen, finden es 48,5 Prozent gut, 33,5 Prozent bewerten es als nervig und nur 18 Prozent haben eine neutrale Meinung zu diesem Allzeit-Klassiker.

"Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte lieber 'Driving Home for Christmas' spielen. Nur 18,8 Prozent sind von diesem Lied genervt und mehr als die Hälfte der Befragten finden es (sehr) gut", berichtet Brunner.

Universität der Bundeswehr München / DAL, 20.12.2019
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