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Tierische Zeitreise: Ausgestorbene Tierarten wiederbeleben

Quagga, Dodo, Tasmanischer Tiger, Wandertaube, Riesenseekuh: Der Mensch ist für die Ausrottung vieler Tierarten verantwortlich und die Liste wächst stetig. Doch Wissenschaftler wollen die Zeit zurückdrehen: Sie wollen ausgestorbene Tiere wiedererwecken und so deren Verschwinden rückgängig machen. Welche Techniken stehen ihnen dafür heute zur Verfügung? Und macht die "Wiederbelebung" von Arten überhaupt Sinn?

Tasmanischer Tiger, Wandertaube, Quagga und Riesenalk (von links nach rechts)
Tasmanischer Tiger, Wandertaube, Quagga und Riesenalk – eine kleine Auswahl der Wirbeltiere, die ihr Verschwinden zumindest teilweise dem Menschen verdanken.

Spätestens seit Jurassic Park sind wir fasziniert davon, längst ausgestorbene Tierarten wieder zurückzuholen. Die Auswahl ist groß genug. Der Mensch hat durch intensive Bejagung und die Zerstörung von Lebensräumen etliche Tierarten ausgerottet. Alleine in den letzten 100 Jahren sind konservativen Schätzungen zufolge 200 Wirbeltiere verschwunden – Forscher sprechen vom sechsten Massensterben der Erdgeschichte.

Doch jüngste Fortschritte in der Forschung stimmen Wissenschaftler zuversichtlich, die ausgestorbenen Arten wiederzubeleben und das Aussterben damit zumindest teilweise rückgängig machen zu können. Dafür stehen ihnen heute diverse – teilweise noch unausgereifte – Techniken zur Verfügung. Welches dieser Werkzeuge sie zur Hand nehmen, hängt ganz davon ab, wann die letzten Vertreter einer Art gelebt haben: gestern oder vor 10.000 Jahren?

Nördliches Breitmaulnashorn, Bulle
Nördliches Breitmaulnashorn – das letzte männliche Exemplar dieser Art starb im März 2018.
Der Werkzeugkasten der Wiederbelebung

Kürzlich ist Sudan, das letzte männliche Exemplar des Nördlichen Breitmaulnashorns, in Kenia gestorben, die verbliebenen Weibchen können nicht schwanger werden. In so einem Fall haben die Forscher es relativ leicht. Sie können vor dem Tod Spermien beziehungsweise Eizellen entnehmen, diese künstlich befruchten und den Embryo von einer nahe verwandten Art – etwa dem Südlichen Breitmaulnashorn – austragen lassen. Aktuell tüfteln deutsche und italienische Forscher daran die Nashörner auf diese Weise zu retten. Das Problem: Vorher gilt es noch die eineinhalb Meter langen Eileiter der Tiere zu überwinden. Lassen sich keine Eizellen oder Spermien mehr retten, müssen die Forscher auf eine andere Technik zurückgreifen – das Klonen.

So geschehen im Januar 2000: Der letzte weibliche Pyrenäensteinbock stirbt in freier Wildbahn, von einem Baum erschlagen. Ihr Name war Celia. Drei Jahre später kam Celias Klon zur Welt. Forscher hatten einen intakten Zellkern aus Celias Hautzellen in die Eizelle eines nahe verwandten Steinbocks gepflanzt und den Embryo von einer Ziege austragen lassen. Das Tier starb jedoch bereits zehn Minuten nach der Geburt, ihre Lungen waren nicht richtig entwickelt und es erstickte. Die Wiederbelebung einer ausgestorbenen Tierart ist demnach zwar prinzipiell möglich, aber nicht unbedingt einfach.

Klonen birgt jedoch ein Problem: Die genetischen Kopien haben immer das gleiche Geschlecht wie ihr Original. Celia kann daher nur weibliche Nachkommen hervorbringen, männliche Steinböcke können nicht geboren werden. Woher sollen also die Spermien für weitere Generationen kommen? Hier müssten die Forscher tricksen. Sie könnten die weiblichen Klone mit männlichen Iberiensteinböcken, den nächsten Verwandten, verpaaren und schrittweise einen – nicht ganz reinrassigen – Pyrenäensteinbock züchten.

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YBR, 13.04.2018
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