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Wie entsteht ein Windpark?

Bau eines Windparks

@ CarstenE / wikimedia commons, CC BY-SA 3.0

Die Zahl der Windkraftanlagen in Deutschland hat sich innerhalb von nur 20 Jahren beinahe verdoppelt. 2025 wurde sogar ein Rekordwert mit Blick auf Baugenehmigungen von Windkraftanlagen erzielt. Doch die Realisierung eines gesamten Windparks ist ein Prozess, der auf mehreren Stufen basiert und in Deutschland in der Regel mehrere Jahre in Anspruch nimmt. Dabei beginnt das Vorhaben zunächst mit der Suche nach einem geeigneten Standort und durchläuft anschließend ein Genehmigungsverfahren, bei dem unter anderem vielfältige Umweltprüfungen vorgenommen werden. Erst im Anschluss an diesen Prozess wird die Finanzierung auf die Beine gestellt und eine Ausschreibung verfasst. Den Abschluss findet die Realisierung des Windparks durch den Bau und die Montage sowie final durch den Netzanschluss und die Inbetriebnahme.

In Deutschland dauern allein Planungs- und Genehmigungsphase im Durchschnitt zwischen vier und fünf Jahren. Nach der Genehmigung vergehen häufig weitere zwei Jahre bis zur Inbetriebnahme, sodass in Summe davon ausgegangen werden kann, dass der Windpark erst sieben Jahre nach Beginn der Planung tatsächlich auch Strom produziert. Hervorzuheben ist, dass das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) Wirkung zeigt und die Genehmigungsverfahren zuletzt etwas schneller abliefen.

In sämtlichen Phasen der Umsetzung sind umfangreiche Gutachten, Abstimmungen mit Behörden und Beteiligung von Anwohnern und Kommunen erforderlich. Wie dieses Vorgehen auszusehen hat, ist überwiegend durch gesetzliche Rahmenbedingungen geregelt. Wichtige Stichworte sind hierbei vornehmlich das EEG, das Wind-an-Land-Gesetz sowie das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG). Seit dem Jahr 2023 greifen in Deutschland zudem sogenannte Beschleunigungsregeln, die dabei helfen sollen, den Ausbau der Windkraft zu fördern. So entfallen aufwendige Umweltverträglichkeitsprüfungen in ausgewiesenen Windgebieten. Ferner stützt sich die Realisierung des gesamten Projekts stets auf fundierte Windmessungen und Standortanalysen. Daraus ergeben sich Einstufungen hinsichtlich der Windklasse sowie des Geländes, auf deren Basis final die Entscheidung für bestimmte Turbinen getroffen werden kann.

Die wichtigsten Aspekte bei der Planung eines Windparks

Windmessung vor Ort, Einhaltung von Mindestabständen zu Siedlungen sowie die Prüfung von Naturschutzbelangen und Vogelzugrouten – dies alles sind Aspekte, die hinsichtlich der Standortanalyse und Genehmigungsplanung genau unter die Lupe genommen werden müssen. Gemäß einer Faustformel werden Turbinen dabei etwa in einem Abstand aufgestellt, der den fünffachen Rotordurchmesser entspricht, wodurch meist etwa 12 bis 20 Hektar Fläche pro Anlage benötigt werden. Tatsächlich ist der versiegelte Bereich einer Windkraftanlage am Boden deutlich geringer. So umfasst das Fundament in vielen Fällen nur 350 bis 600 m², weshalb ein Großteil der Fläche weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden kann.

Umfangreiche Fachgutachten zu Schall, Schattenwurf, Landschaftsbild und Tieren sind ebenfalls gesetzlich vorgeschrieben und Teil der Planungsphase. Seit 2023 liegt gesetzlich fest, dass Windenergie als überwiegend öffentliches Interesse gilt, was Schutzziele zugunsten der Energiewende abwägt. Sollte die Entscheidung in etwaigen Fällen pro Windpark fallen, müssen Ausgleichsflächen ausgewiesen oder Ausgleichsmaßnahmen durchgeführt werden.

Abschließend sind Informationen für Bürger sowie Abstimmungen in Gemeinden ebenfalls ein zentraler Aspekt dieser Phase. Oft werden Flächen über langfristige Pachtverträge gesichert. Die Projektentwickler arbeiten hierbei oft mit lokalen Verwaltungen zusammen und versuchen mitunter gar, Anwohner in die Planung einzubeziehen und diese davon finanziell profitieren zu lassen.

Genehmigung und Finanzierung

Nach Abschluss der Planung beginnt das Genehmigungsverfahren. Parallel dazu wird die Finanzierung des Vorhabens geregelt. Grundsätzlich bedarf eine jede Windenergieanlage mit einer Höhe von mehr als 50 Meter eines formellen Immissionsschutzverfahrens. Dieses beinhaltet in der Regel Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung sowie je nach Gebiet eine Umweltverträglichkeitsprüfung.

Zeitgleich muss die Wirtschaftlichkeit geklärt werden. Dazu zählen EEG-Ausschreibungen zur Einspeisevergütung. Genehmigte Projekte nehmen an regelmäßigen Ausschreibungen teil, bei denen ein Gebot in Cent/kWh abgegeben wird. Für 2026 hat die Bundesnetzagentur den Höchstwert auf 7,25 Cent pro kWh festgelegt. Während der letzten Jahre konnte man diesbezüglich beobachten, dass die Nachfrage deutlich höher war, als das ausgeschriebene Volumen. Vielerorts hat dies zu sinkenden Durchschnittspreisen geführt. Auch fällt die Entscheidung über die Finanzierung, oftmals in Form einer Mischung von Eigen- und Fremdkapital. Hierbei prüfen Banken und Investoren die Projektunterlagen genau. Sofern diese durchgewunken werden, beginnt die eigentliche Bauphase des Windparks.

Bau, Montage und Netzanschluss

Sobald der finanzielle Rahmen gesteckt ist und sämtliche notwendigen Genehmigungen vorliegen, beginnt der Bau mit der Anlegung von Zufahrtswegen, da diese für Schwertransporte ausgelegt sein müssen. Anschließend wird bereits das Fundament ausgegraben, wofür je nach Bodenbeschaffenheit Gruben mit einer Tiefe von zwei bis vier Meter Tiefe und 20 bis 30 Meter Durchmesser benötigt werden. Betonfundamente brauchen mehrere Tage Aushärtung. Unter optimalen Bedingungen sind die Rohbauarbeiten dennoch bereits nach wenigen Tagen vollständig abgeschlossen.

Im selben Atemzug wird zumeist ein kleines Umspannwerk inklusive Kabeltrassen errichtet, um den abschließenden Netzanschluss vorzubereiten. Je nach Region kann es zu Verzögerungen kommen: Im Bereich des Netzanschlusses gibt es in vielen Regionen Deutschlands aktuell lange Wartezeiten auf einen freien Anschlussplatz.

Sind die Vorarbeiten abgeschlossen, kann bereits mit der Errichtung der Türme begonnen werden. Dies geschieht, indem mehrere Turmsegmente mit großen Kranen aufeinandergestapelt und verschraubt werden. Anschließend wird die Gondel inklusive des Generators auf den Turm gehoben. Den Abschluss stellt die Montage der Rotorblätter dar, die je nach Variante der Windkraftanlage mehr als 80 Meter lang sein können. Sobald Turm, Gondel und Rotor montiert sind, erfolgen abschließende Arbeiten. Inbetriebnahme, Testläufe und die formelle Abnahme durch Sachverständige stehen hierbei im Vordergrund.

Inbetriebnahme und Betrieb

Nach einer abschließenden Testphase, in welcher die Anlage bei unterschiedlichen Windbedingungen getestet wird, kann der Windpark ganz offiziell in Betrieb genommen werden. Dabei beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung einer Windkraftanlage hierzulande etwa 20 bis 25 Jahre. Im Anschluss daran ergeben sich zwei Optionen. Einerseits besteht die Möglichkeit, alte Anlagen durch moderne Turbinen am bisherigen Standort zu ersetzen. Andererseits kommt ein Rückbau infrage, in dessen Zuge die demontierten Komponenten dem Recycling und die Flächen einer anderen Nutzung zugeführt werden.

Mittlerweile speisen die Windparks etwa 31,5 Prozent des Stroms in Deutschland ein, wodurch die Windenergie längst zu einem unverzichtbaren Faktor geworden ist. Und auch aus wirtschaftlicher Sicht profitieren immer mehr Kommunen vom Betrieb der Windparks in ihrer Nähe. Üblicherweise bleiben rund 70 Prozent der Gewerbesteuern im Standort und stärken vor Ort somit Haushalte sowie die allgemeine Infrastruktur.

Insgesamt zeigt sich: Der Weg vom ersten Windmessmast bis zur grünen Stromproduktion ist komplex und vielschichtig. Jede Phase – von der individuellen Standortplanung über das zweistufige Genehmigungsverfahren bis zu Ausschreibung, Bau und Netzanschluss – muss sorgfältig geplant und durchgeführt werden.

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