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WAHRIG HERKUNFTSWöRTERBUCH
türken
In vielen Redensarten ist von anderen Völkern die Rede, ob nun in den schwedischen Gardinen, die entweder in der Grausamkeit des Dreißigjährigen Krieges oder in der besonderen Härte des importierten Schwedenstahls ihren Ursprung haben, oder in das kommt mir spanisch vor, das sich auf die ungewohnten Sitten bezieht, die mit dem gebürtigen Spanier Karl V. im 16. Jahrhundert Einzug in Deutschland hielten. Die Wendungen etwas türken bzw. einen Türken bauen „etwas vortäuschen, improvisieren“ beziehen sich auf die Türken, die in früheren Zeiten als andersgläubige und mächtige militärische Widersacher der Christen ein Schreckgespenst darstellten. Die dauerhafte militärische Bedrohung sorgte dafür, dass das Wort Türke in die Sprache der Soldaten gelangte: So nannte man nämlich eine Gefechtsübung gegen einen imaginären Feind. Daraus, dass es sich nur um ein vorgetäuschtes Gefecht handelte, ist die Bedeutung „täuschen“ erklärbar, die das Wort türken heute umgangssprachlich hat. Aber nicht nur hier war Täuschung im Spiel, sondern auch im Falle der vielen zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert für militärische Aktionen gegen die Türken erhobenen Steuern, die jedoch zweckentfremdet verwendet wurden. Eine andere Erklärung bezieht sich auf einen vorgeblichen Schachautomaten aus dem 18. Jh., der aus einer Puppe in Türkentracht bestand. Diese als unschlagbar bezeichnete Maschine stellte sich jedoch als eine bloße Fassade heraus, unter der ein kleinwüchsiges Schachgenie saß, das die Hand der Puppe lenkte und die Gegner reihenweise besiegte.
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