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Zentrales Abitur?

Sollen wir dem Beispiel einiger Länder wie Frankreich folgen ?

Das deutsche Schulsystem wird seit der Pisastudie immer wieder kritisiert. Die Schüler sollen mehr leisten, G8 und Ganztagsschulen waren beides ein beliebtes Thema und jetzt schließt sich die Frage an, ob man in Deutschland ein zentrales Abitur einführen sollte.

Die Vorteile wären eine einheitlichere Bildung, die ja zurzeit von Bundesland zu Bundesland sehr variiert. Universitäten, sowie Arbeitsgebern wäre es einfacher, nach der Abiturnote allein zu entscheiden, ob ein Schüler nun genügend Kompetenzen besitzt oder nicht. In einem Jahr kann es vorkommen, dass die Abituraufgaben in einem Bundesland schwieriger sein könnten als in einem anderen. Doch wie weit würde man mit einem Zentralabitur gehen? Wäre da dann das derzeitige Leistungs- und Grundkurssystem, welches zum Beispiel in Bayern noch vorhanden ist, obwohl sich auch da mit dem G8 einiges ändern soll, gerechtfertigt? Es gelten bereits heute einige Fächer als anspruchsvoller als andere und wenn jeder Schüler in ganz Deutschland genau die gleiche Abiturprüfung ablegen müsste, wäre auch dies nicht mehr unbedingt tolerierbar.
In Frankreich zum Beispiel gibt es ein zentrales Abitur. Jeder Schüler, der ein "baccalauréat général" ablegen möchte, wird in allen Fächern geprüft, die er in de letzte beiden Jahren belegt hat. Grundsätzlich können Schüler zwischen literarischem, wirtschaftlichem und sozialem, sowie naturwissenschaftlichem Zweig wählen, wo man sich dann auch meistens noch spezialisieren kann. Die Abiturprüfungen sind dann für alle Schüler, die den gleichen Zweig gewählt haben, im ganzen Land gleich. Nur in den DOM und den TOM sind aufgrund der Zeitverschiebung auch die Aufgabenstellungen nicht immer gleich. Um die Abiturnote aufzubessern, können noch zusätzlich Prüfungen in weiteren Fächern, die keine Pflicht sind, freiwillig gemacht werden. Darunter zählen Musik und Kunst, die beide keine Pflicht mehr in der französischen Oberstufe sind, aber auch zusätzliche Fremdsprachen, wie zum Beispiel Latein und Sportarten, die nicht zum Pflichtprogramm gehören.
Das System mag vielleicht zentral sein und es ist ziemlich egal, ob man sein Abitur in Paris oder in einer Kleinstadt im Limousin abgelegt hat, allerdings sind die Niveauunterschiede zwischen den verschiedenen Zweigen gravierend. Wirtschaftsschulen ziehen zum Beispiel oftmals Schüler, die ein Abitur im naturwissenschaftlichem Zweig abgelegt haben denen vor, die den wirtschaftlich orientierten Zweig erfolgreich abgeschlossen haben. Gute Schüler, wählen oft lieber den naturwissenschaftlichen Zweig, obwohl ihre Stärken und Vorlieben eher in den Sprachen liegen aus dem einfachen Grund, da sie sich später bessere berufliche Chancen und auch eine bessere Bildung versprechen, als im literarischen Zweig.
Es würde sich auch die Frage stellen, welches derzeitige Gymnasialsystem dem zentralen am ehesten entsprechen sollte. Sind zwei oder drei Leistungskurse besser oder sollte dieses System ganz abgeschafft werden? Die Lehrpläne sind ebenfalls nicht überall gleich und sie müssten erstmal angeglichen werden, damit man überhaupt von allen Schülern das selbe Wissen am Ende ihrer gymnasialen Laufbahn verlangen könnte. Die Reform wäre auf jeden Fall sehr umfassend und es stellt sich die Frage, ob überhaupt sinnvoll und notwendig. Wie die deutschen Schüler im weltweiten Vergleich darstehen werden, wird sich auch damit nicht ändern, ob das Bildungssystem zentral ist oder nicht. Ausschlaggebend ist doch wohl eher die Bildung, die sie während ihrer Schullaufbahn erlangt haben.

von Silvie Dittrich, Uehlfeld
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