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Das Kronthaler - Alpin am Achensee

Mit dem ersten Schnee der letzten zwei Wochen flogen unsere Gedanken rasch wieder zurück zum Kronthaler. Zurück zu den Tagen im Alpin Lifestyle Hotel am Nordufer des Achensees, direkt an der Schnittstelle von Rofan und Karwendel. Wie sich das Haus mit seinen klaren architektonischen Strukturen und der geschniegelten Lärchenholzfassade wohl jetzt in die tiefverschneite Landschaft einfügen mag? Ob der Ausblick von unserem Balkon in Richtung Achensee seinen Charakter spürbar verändert hat? Wie fühlen sich die ersten Schwünge auf der benachbarten Skipiste an, bevor man in die wohltuend gedämpfte Wellness-Area eintaucht? Wir blicken zurück auf unseren Aufenthalt am Achensee.
von wissen.de-Redakteur Jörg Peter Urbach

Architektur - hier kein Selbstzweck

Das Kronthaler
Jörg Peter Urbach
Der Achensee ist nicht nur der größte Bergsee in Tirol, sondern auch liegt auch inmitten des größten Naturparks Österreichs, dem Karwendelgebirge. Nur eine gute Stunde südlich von München entfernt. Dort hat sich Günther Hlebaina seinen Traum verwirklicht und ein Hotel eröffnet, das in dieser Lage seinesgleichen sucht: Das Kronthaler. Der Tiroler Hlebaina, ein bescheidener und zugleich authentischer Gastgeber, ist in seinem "Lebenswerk", wie er Das Kronthaler nennt, immer ganz dicht dran am Geschehen und zeigt Präsenz. Seinen Namen verdankt das Hotel übrigens dem Vorbesitzer, bei dem Hlebaina einst nicht nur als Skilehrer tätig war, sondern dem er auch in Freundschaft verbunden war, bevor er dann das neue Hotel ab 2008 auf den Grundmauern des alten errichten ließ. Wobei man dem Fels gar mit Sprengstoff zum harten Leibe rücken musste. Im Dezember 2010 eröffnete Das Kronthaler nach nur achtmonatiger Bauzeit. Hlebaina macht heute keinen Hehl daraus, dass man damals wohl doch einiges überstürzt hatte. Aber knapp zwei Jahre später sind die Kinderkrankheiten des Gebäudes größtenteils auskuriert. Im ersten echten Geschäftsjahr beträgt die Auslastung der 99 Suiten und Zimmer mit Platz für 222 Gäste nach Hlebainas Aussage bereits 50 %. Tendenz steigend. Das kann sich durchaus sehen lassen. Was uns in den ersten Stunden unseres Aufenthaltes ein wenig verwirrt, ist die interne Wegestruktur vom Haupteingang zu unserem Zimmer im zweiten Hauptgebäude. Intuitiv erschließt sich diese - zumindest uns - nicht.

 

Verantwortlich für die Architektur zeichnete das Innsbrucker Architektenbüro Jäger. Allerdings unter konsequenter Einbeziehung der exakten Vorstellungen Günther Hlebainas. Und so ist Das Kronthaler im wahrsten Sinne des Wortes ein Design-Hotel, allerdings ohne dabei die Funktionalität von Räumen und Interieur über das pure Design zu vernachlässigen. Es herrschen in allen Bereichen klare Liniengebung und simple Strukturen vor. Weite Glasfronten ziehen die umgebende Natur in das Innere des Gebäudes hinein. Dort herrschen dann heimische Materialien wie Holz, Naturstein, Fell oder Loden vor und spiegeln die Außenumgebung quasi wie in einem Miniaturglas noch einmal wider.

Die Zimmer sind offen und lichtdurchlässig gestaltet. Die Bäder dabei nicht abgeschlossen, sondern über vertikale Glaselemente mit dem großzügigen Schlafbereich verbunden. Warme Braun- und Beigetöne schaffen das farbige Pendant zur entspannten Grundstimmung der Räume. Die Holzfußböden erden. Auf das WLAN und den großen Flachbildschirm hätte man da auch gerne verzichten können, denken wir. Denn der Blick vom hölzernen Balkon ist wirklich natürliches Futter für alle Sinne. Und Labsal für unsere vom alltäglichen Bildschirmflackern geplagten Augen. Hier kommt man gerne zur Ruhe.

 

Im Herzen des Kronthaler
Jörg Peter Urbach
Apropos Ruhe. Wir fragen Günther Hlebaina nach seinem ganz persönlichen Lieblingsort im Kronthaler? "Direkt unter der Lobby", antwortet er knapp, da wo man das nackte Gestein, das felsige Herz des Kronthalers spürt. Wirklich ein Ort der Ruhe. Und vielleicht sogar der Meditation? Wir folgen seinem Ratschlag und ziehen uns in diese "stille Grotte" zurück, in der bei Regenwetter der Niederschlag direkt an den Felswänden im Inneren des Hotels herabläuft. Hier kann man auf einer Kirchenbank sitzend, den Tag Revue passieren oder auch einfach mal Tag sein lassen. In diesem anthrazitfarbenen Refugium zum Loslassen.

 

 

 

 

 

 

Wandeln im Karwendel

Der Achensee
Jörg Peter Urbach
Loslassen kann man natürlich nicht nur im Hotel selbst, sondern auch in der Bergwelt von Rofan und Karwendel, die Das Kronthaler einbetten. Denn beide Gebirgsmassive gehören zweifellos zu den schönsten Wandergebieten der Alpen. Wir erinnern uns gerne an unsere Karwendel-Durchschreitung vor einigen Jahren. Das Kronthaler bietet geführte Wanderungen an (die wir natürlich prompt des ausgezeichneten Frühstücks wegen verpassen!), unterstützt seine Gäste beim Nordic Walking und verleiht Fahrräder. Und für wirklich ambitionierte Läufer bieten sich entweder eine Umrundung des Achensees (23 km) oder auch Bergläufe etwa auf die Seekarspitze an. Da sind dann aber schon mal eben über 1000 Höhenmeter zu überwinden ... Wir belassen es bei zwei mäßig anstrengenden Berg-Waldläufen, damit wir noch Kraft für die Wellness haben.

 

Wellness im Hotel Das Kronthaler
Jörg Peter Urbach
Das Kronthaler verfügt über einen Innen- und einen beheizten Außenpool sowie über einen 2500 Quadratmeter großen Wellnessbereich mit Aromadampfbad, Panoramasauna, Salzgrotte und Biosauna. Dort verwöhnen die Saunameister mit in der Tat schweißtreibenden Aufgüssen. Was wir allerdings grundsätzlich vermissen, ist ein den sehr gepflegten und variantenreichen Saunen ebenbürtiges Duschangebot. Schwallduschen, Tauchbecken, Schläuche - Fehlanzeige. Und die attraktiven Außenduschen waren aufgrund der Temperaturen bei unserem Besuch bereits deaktiviert.

 

Verführer in der Küche

Sonne im Kronthaler
Jörg Peter Urbach
Das größte Pfund, mit dem Das Kronthaler wuchern kann (und es auch tut!), ist die Küche. Hier wird wirklich Außergewöhnliches geleistet. Küchenchef Michael Oberwalder bietet täglich kulinarische Höchstleistungen. Hier kocht unser seiner Leitung ein kreatives Team mit Produkten primär aus der Region. Das Frühstück bietet eine vielfältige Palette, die uns im sonnendurchfluteten Gastraum gleich doppelt so gut schmeckt. Kleiner Tipp für alle Honigfans: Echte Waben zum Auskauen. Ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis.

 

Der Verführer aus der Küche
Jörg Peter Urbach
Höhepunkt im kulinarischen Tagesablauf in Das Kronthaler ist das sechsgängige Degustationsmenü am Abend. Chef de Rang Sebastian begrüßt uns mit einer ganz eigenen dialektalen Mischung aus Tirol und Sachsen. Handfest, ehrlich, spontan und authentisch agiert das Serviceteam. Ausgezeichnet nicht nur die Auswahl der Direktsäfte (Der Verführer! vom Gravensteiner Apfel), sondern vor allem die korrespondierenden Weinvorschläge zum Essen. Für uns ganz ungewohnt ein Roter (!) Veltliner 2011 von leuchtendem Gelbgrün mit opulenter Frucht und mineralisch feiner Säure vom Weingut Fritz, der das Wallerfilet mit Erdäpfelsalat und Kren wunderbar unterstützt. Aber auch die Blaufränkisch Goldberg Reserve 2009 vom Weingut Johann Heinrich überzeugt uns am zweiten Abend mit seinen tabakartigen Nuancen und feinen Nougatanklängen, serviert zu einem wirklich feingliedrigen Kalbstafelspitz mit wunderbar kräftigem Apfelkren. Am letzten Abend tritt Küchenchef Michael Oberwalder dann an unseren Tisch, begleitet von seinem Pâtissier, den er uns mit leicht kantigem Tiroler Charme als "süßen Verführer" vorstellt. Und das ist er in der Tat, denn die Topfenknödel mit Ribisel und Quitten-Chutney suchen ebenso ihresgleichen wie die im Kelch mit Strohhalm servierte gerührte Valrhona-Schokolade ...

 

Der Chef - Günther Hlebaina
Jörg Peter Urbach
Unser Fazit nach vier Tagen Aufenthalt: Das Kronthaler hat sich bereits jetzt, nach knapp zwei Jahren eine herausragende Position in der Hotelerie am Achensee erarbeitet. Kleinere Kinderkrankheiten im Gebäude sind zwar noch nicht restlos auskuriert, aber das Team um Gastgeber Günther Hlebaina kümmert sich liebevoll und persönlich, wenn den Gast irgendwo der Schuh drückt. Die Küche wird höchsten Ansprüchen gerecht, und im Spa lässt sich auf gehobenem Niveau wellnessen. Für alle, die jetzt noch rasch entweder über Weihnachten oder Neujahr einen kürzen oder längeren Aufenthalt im Kronthaler planen, bietet Das Kronthaler zwei kleine, aber feine Extras: Ein Skiguide steht im Skigebiet Christlum ab fünf Übernachtungen gratis zur Verfügung. Und am Tag vor Heiligabend wird ein geschmückter Weihnachstbaum im Zimmer aufgestellt!

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