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Deep Integration: Warum bei E-Signaturen Qualität über Quantität siegt

© Tapati Rinchumrus / vecteezy.com

Elektronische Signaturen zählen in Europa zu den zentralen Bausteinen der digitalen Geschäftsabwicklung. Der weltweite Markt für digitale Signaturen wird für 2026 auf 13,70 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll bis 2034 auf deutlich über 150 Milliarden US-Dollar anwachsen. Die eIDAS-Verordnung gibt den rechtlichen Rahmen vor. Qualifizierte elektronische Signaturen (QES) sind der handschriftlichen Unterschrift gleichgestellt und können die gesetzlich geforderte Schriftform ersetzen.

E-Signaturen sind damit ein Instrument mit unmittelbarem Einfluss auf die Haftung, Beweisführung und Compliance. Wer unterschriftsrelevante Prozesse digitalisiert, greift in das Fundament der Geschäfts- und Verwaltungsabläufe ein.

eIDAS 2.0 verschärft den Integrationsdruck

Mit eIDAS 2.0, gültig seit Mai 2024, führte die EU das European Digital Identity Wallet (EUDI Wallet) ein und erweiterte den Katalog qualifizierter Vertrauensdienste. Digitale Identitäten und Signaturen rücken näher zusammen, grenzüberschreitende Prozesse sollen einfacher und sicherer werden.

Bis Ende 2027 sollen große regulierte Unternehmen das Wallet akzeptieren. Für E-Signatur-Lösungen bedeutet das, Integrationen müssen Identitäten, Zertifikate und Signaturprotokolle sauber in bestehende Workflows einbetten. Lose gekoppelte Portale mit Datei-Upload werden dieser Rolle nur begrenzt gerecht, weil sie Prüf- und Freigabeprozesse aus den Kernsystemen herauslösen.

Viele Integrationen sind noch keine tiefe Integration

Viele E-Signatur-Lösungen werben mit langen Listen an Plug-ins. In der Praxis handelt es sich jedoch häufig um generische Verbindungen über Standard-Schnittstellen oder E-Mail-Gateways. Beschäftigte wechseln zwischen Anwendungen, exportieren Dokumente, holen Unterschriften ein und importieren Dateien danach zurück ins ERP oder DMS.

Diese Medienbrüche kosten Zeit und erhöhen Fehlerrisiken, die Nachvollziehbarkeit leidet. Die eIDAS-Systematik arbeitet mit drei Signaturniveaus. Sie unterscheidet einfache elektronische Signaturen und fortgeschrittene Varianten. Qualifizierte Signaturen bilden die höchste Stufe. Wird diese Differenzierung nicht im Kernsystem abgebildet, entstehen Lücken zwischen dem Fachprozess und Signaturdienst. Das Archiv gerät aus dem Fokus.

Was Deep Integration bei E-Signaturen auszeichnet

Tiefe Integration bedeutet, dass die E-Signatur als fester Bestandteil des Fachprozesses eingebettet ist und nicht als separates Tool danebensteht. Technisch und organisatorisch geht es im Kern um vier Felder:

  • Fachliche Regeln: Welche Dokumentarten benötigen welches Signaturniveau, welche Identifizierung und welche Fristen?
  • Rollen und Berechtigungen: Wer darf zeichnen, freigeben, weiterleiten und archivieren?
  • Systemanbindung: Wie werden Dokumente, Metadaten und Protokolle zwischen ERP, DMS, CRM und Signaturdienst ausgetauscht?
  • Nachweis und Archivierung: Wie lassen sich Integrität, Herkunft und Signaturstatus über Jahre zuverlässig prüfen?

Wenn diese Aspekte direkt im führenden System verankert sind, entstehen konsistente, prüfbare Signaturketten statt verteilter Einzellösungen. Für Governance, Risk und Compliance wird das zum zentralen Argument für Deep Integration.

Skribble als Beispiel für Deep Integration in europäische Kernsysteme

Ein Qualitätsansatz setzt auf ausgewählte, tief integrierte Systeme statt auf möglichst viele Logos. Skribble fokussiert Integrationen in Plattformen wie Microsoft 365, SAP, Salesforce oder Abacus und ergänzt diese um spezialisierte Fachlösungen aus Bereichen wie HR, Immobilien oder Versicherungen. E-Signaturen lassen sich direkt aus OneDrive, SharePoint, Google Drive oder einer Branchenlösung heraus starten, ohne dass Dateien manuell verschoben werden müssen.

Über die Skribble-API bauen Unternehmen E-Signaturen in eigene Anwendungen ein und bilden die Geschäftslogik, Rollenmodelle, Identifizierungsverfahren und Archivkonzepte passgenau ab. So entstehen durchgängig digitale, medienbruchfreie Signaturprozesse, bei denen qualifizierte Signaturen und die Identitätsprüfung zusammenlaufen. Die revisionssichere Ablage ist integriert.

Qualität der Integration entscheidet über den Nutzen

E-Signaturen entwickeln sich mit eIDAS 2.0, dem EUDI Wallet und einem stark wachsenden Markt zu einer Infrastruktur, die kaum ein Unternehmen ignorieren kann. Entscheidend ist weniger die Länge des Integrationskatalogs, sondern die Tiefe der Anbindung an ERP, DMS, CRM und Fachanwendungen.

Deep Integration schafft rechtssichere Workflows, senkt die Prozesskosten, stabilisiert die Datenqualität und reduziert Medienbrüche. Wer auf eine Vielzahl oberflächlicher Konnektoren setzt, gewinnt kurzfristig Flexibilität, riskiert jedoch langfristig Mehraufwände und Unsicherheiten. Die Qualität der Integration schlägt in diesem Umfeld klar die Quantität. Besonders bei einer Technologie, die zunehmend das Rückgrat digitaler Geschäftsprozesse bildet.

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