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Hoch und tief: Leben unter Extrembedingungen

Erstaunt und vielleicht etwas neidisch betrachtet der völlig erschöpfte Freizeitalpinist die Bergdohlen am Gipfel. Von Winden spielerisch leicht in die Höhe von über 3.000 Metern getragen, betteln sie um ein paar Happen der Brotzeit. Aber selbst in Höhen und Tiefen von 11.000 Metern ist der Mensch nie ganz alleine.

Dr. Alexander Stahr

Über dem Dach des Kontinents

Mit einer Höhe von 6.960 Metern ist der Aconcagua der höchste Berg der Anden und zugleich der höchste Punkt des amerikanischen Kontinents. Dort einmal hinaufzusteigen ist sicherlich der Wunsch eines jeden Vollblutalpinisten. Doch ein anderer Zeitgenosse könnte sich locker auf den Aconcagua herablassen: Vultur gryphus, der Andenkondor. Sein Lebensraum erstreckt sich bis in Höhen von über 7.000 Metern.

Der genügsame Gleiter

Mit einer Flügelspannweite von 3,50 Metern gleitet der Kondor wie ein Segelflugzeug durch die Lüfte und erreicht dabei eine Geschwindigkeit von bis zu 55 Stundenkilometern. Da er keine Brustmuskeln besitzt, bewegt er seine Flügel nur, wenn es wirklich absolut notwendig ist. Der Aasfresser ist optimal an seinen Lebensraum in den kargen Regionen des Hochgebirges angepasst. So besitzt er die erstaunliche Fähigkeit, bis zu eineinhalb Monate lang ohne feste Nahrung und Wasser auszukommen.

Der Überflieger

Es gibt jedoch einen Aasfresser, der mit banalen Höhen von 7.000 Metern sicherlich nichts am Hut hat. Der afrikanische Sperbergeier ( Gyps rueppellii) schaut sich lieber Düsenjets aus der Nähe an. Und das macht er in bis zu 11.200 Metern Höhe. Forscher beobachteten ganze Schwärme des Überfliegers in dieser Flughöhe. Es ist bis heute weitgehend unklar, wie die Tiere mit dem dort vorhandenen knappen Sauerstoff die zum Fliegen erforderliche Muskelkraft aufbringen können.

Keine Membran - viel Sauerstoff

Bochumer Wissenschaftler haben vielleicht eine mögliche Lösung des Rätsels: Der aus der Luft aufgenommene Sauerstoff muss bei Säugetieren erst eine hauchdünne Membran überwinden, bevor er in die Venen und somit ins Blut gelangt. Bei Vögeln entfällt dieses Hindernis: Nur wenige Mikrometer weite Luftröhrchen verflechten sich in ihren Lungenbläschen mit ebenso feinen Blutgefäßen. Dadurch gelangen auch kleinste Mengen an Sauerstoff aus der Luft in die so genannten Mitochondrien, die als „Zellfabriken“ den Körper mit Energie versorgen.

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