Lexikon
Ägypten
Nasser, Sadat, Mubarak
1948/49 engagierte sich Ägypten gemeinsam mit anderen arabischen Armeen im 1. Nahostkrieg gegen den neuen Staat Israel. Die dort erlittene Niederlage schwächte Faruks Autorität. 1952 zwang ihn die Organisation Freie Offiziere zur Abdankung, im folgenden Jahr erklärte ein Revolutionsrat Ägypten zur Republik. 1954 übernahm der Führer der Freien Offiziere, Oberst G. A. Nasser, das Präsidentenamt und errichtete ein diktatorisches Regime. 1956 verstaatlichte er den Suezkanal, was zum Konflikt mit Großbritannien, Frankreich und Israel führte. In der Folge knüpfte Ägypten engere Beziehungen zur UdSSR.
1967 sperrte Ägypten den Golf von Aqaba für israelische Schiffe und erzwang den Abzug der UN-Truppen, die seit 1957 die ägyptisch-israelische Waffenstillstandslinie abschirmten. Daraufhin kam es zum „Sechstagekrieg“, in dem Ägypten die Sinai-Halbinsel verlor.
Nach dem Tod Nassers 1970 wurde sein Stellvertreter Anwar As Sadat Staatspräsident. Im Jom-Kippur-Krieg 1973 griff Ägypten gemeinsam mit Syrien 1973 Israel an. Zwar konnte die ägyptische Armee einen Teilerfolg erringen, doch musste Sadat erkennen, dass der Konflikt nicht militärisch, sondern nur auf politischem Weg zu lösen war. 1977 entschloss Sadat sich zu einem spektakulären Schritt: Er reiste nach Jerusalem, und Ägypten erklärte sich als erstes arabisches Land bereit, Israel völkerrechtlich anzuerkennen. Nach langwierigen Verhandlungen unter Vermittlung der USA wurde 1979 der ägyptisch-israelische Friedensvertrag unterzeichnet, der die vollständige Räumung des Sinai durch Israel vorsah. Die Annäherung an Israel und den Westen isolierte Ägypten in der arabischen Welt, die ägyptische Mitgliedschaft in der Arabischen Liga wurde bis 1989 suspendiert. 1981 fiel Sadat einem Attentat zum Opfer.
Neuer Präsident wurde der bisherige Vizepräsident Hosni Mubarak. Er setzte die Politik der Zusammenarbeit mit dem Westen fort, konnte jedoch auch die Isolierung Ägyptens innerhalb des arabischen Lagers überwinden. Innenpolitisch trugen die großen sozialen Probleme zu einer Stärkung des militanten islamischen Fundamentalismus bei. Auf wachsenden innen- und außenpolitischen Druck hin revidierte Mubarak für die Präsidentschaftswahlen 2005 die Verfassung: Erstmals waren Gegenkandidaten zugelassen, über die die Bevölkerung in direkter Wahl entscheiden konnte. Die Wiederwahl und die Machtstellung Mubaraks blieben jedoch ungefährdet. 2007 erfolgte eine neuerliche Verfassungsrevision, die in einem von der Opposition weitgehend boykottierten Referendum bestätigt wurde. Nach den von Betrugsvorwürfen überschatteten Parlamentswahlen 2010 kam es zu schweren Ausschreitungen. Die Opposition konnte gegenüber der NDP nur noch wenige Sitze behaupten.
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