Lexikon
flämische Literatur
Die Entwicklung der Literatur in flämischer Sprache ist eng mit der niederländischen und belgischen Staatsgeschichte verwoben. So hat sich die flämische Literatur erst seit 1830 ausgeprägt, als sich die Provinz Südniederland von dem holländischen Nordniederland trennte und mit den Französisch sprechenden wallonischen Provinzen zum heutigen Königreich Belgien vereinigte. Zwar gehört die flämische Literatur sprachlich zum größeren niederländischen Kulturkreis; sie besitzt aber durch ihre ständige Auseinandersetzung mit dem Wallonischen ihr eigenes Gepräge im Hinblick auf Sprachstil und Motivik.
Am Anfang standen Nationalromantiker wie der Romancier H. Conscience, deren kulturpolitischer Anspruch bald von der reinen Poesie der „Partikularisten“ im Gefolge des Lyrikers G. Gezelle abgelöst wurde. Flämisches Sprach- und Nationalbewusstsein manifestierte sich erneut am Ende des 19. Jh. in der naturalistischen Bauernprosa von C. Buysse, K. van de Woestijne, C. Verschaeve und F. Timmermans. Bedeutendster und erfolgreichster dieser Bauerndichter war S. Streuvels, der sich stilistisch vom Naturalismus zu lösen begann. Anfang des 20. Jh. führte H. Teirlinck den Großstadtroman und das experimentelle Theater in die flämische Literatur ein. In den 1920er Jahren beeinflussten deutscher Expressionismus und Dadaismus die Werke von P. van Ostaijen.
Für den gesamten niederländischen Sprachraum vereinte in den 1930er Jahren die Zeitschrift „Forum“ die antifaschistischen Schriftsteller; bedeutendster Flame war hier M. Roelants. In den 1950er/60er Jahren führte der Flame H. Claus die von Existenzialismus und kritischer Geschichtsbewältigung geprägte dramatische und Prosaliteratur in niederländischer Sprache an. Sein Landsmann Jef Geeraerts griff in einem sprachlich wie inhaltlich provozierenden Prosawerk die koloniale Vergangenheit Belgiens auf.
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