Lexikon
Germạnen
Germanenkult und Nationalismus
Nachdem die Schrift „Germania“ des Tacitus im 15. Jahrhundert wiederentdeckt worden war, entstand das Klischee vom tapferen, ehrlichen und tugendhaften Germanen. Der Cheruskerfürst Arminius wurde als „Hermann der Cherusker“, der die Römer in der „Schlacht im Teutoburger Wald“ besiegte, zum vermeintlichen ersten deutschen Nationalhelden. In der romantisch geprägten Forschung des 19. Jahrhunderts wurden die Begriffe „germanisch“ und „deutsch“ gleichbedeutend (Jacob Grimm, „Deutsche Mythologie“). Mit dem Aufkommen des modernen Nationalismus steigerte sich dieses Klischee in Deutschland zu einem Germanenkult. Dazu trug u. a. R. Wagners Bühnenfestspiel „Ring des Nibelungen“ bei, der Motive der nordgermanischen Eddadichtungen übernahm. Die Germanen, in denen man die „ersten Deutschen“ sah, wurden als Träger positiver Eigenschaften gegenüber allen anderen Völkern herausgehoben. In Verbindung mit dem Rassismus wurde der Germanenkult zu einem Hauptbestandteil der nationalsozialistischen Ideologie. Berlin sollte als geplante Hauptstadt eines großgermanischen Reiches den Namen „Germania“ tragen. Nach 1945 hatte die Germanenforschung den ideologischen Missbrauch des Nationalsozialismus aufzuarbeiten.
- Einleitung
- Sprache
- Vorgeschichte
- Gesellschaft
- Kultur
- Geschichte
- Germanenkult und Nationalismus
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