Lexikon
Niederlande
Die Niederlande im 20. und 21. Jahrhundert
Während des 1. Weltkriegs blieben die Niederlande neutral. Am 10. 5. 1940 wurden die Niederlande von deutschen Truppen besetzt, die Armee kapitulierte, Regierung und Königin gingen nach London und bildeten dort eine Exilregierung. Es entstand eine Widerstandsbewegung, die sich in Reaktion auf die Judenverfolgungen noch verstärkte. Die nach dem Ende des 2. Weltkriegs zurückgekehrte Königin Wilhelmina dankte 1948 zugunsten ihrer Tochter Juliana ab.
Der Verlust des ostasiatischen Kolonialreichs (Indonesien) zwang die Niederlande zur Umorientierung ihrer Politik und Wirtschaft. Der bisherige Agrarstaat wurde zu einer Industrienation, die 1949 der NATO beitrat u. sich um die europäische Integration verdient machte (Beitritt zum Europarat, zur Montanunion und zur EWG). 1954 erhielten Suriname und die Niederländischen Antillen Autonomie. Die Innenpolitik bestimmten bis Mitte der 1960er Jahre die Christ- und Sozialdemokraten im Wechsel an der Spitze unterschiedlicher Koalitionsregierungen. 1980 dankte Königin Juliana zugunsten ihrer Tochter Beatrix ab.
1982–1994 regierte der Christdemokrat Ruud Lubbers. 1992 sprach sich das niederländische Parlament für die Annahme des Maastrichter Vertrages über die Europäische Union aus. Bei den Parlamentswahlen 1994 erlitten die Christdemokraten starke Stimmenverluste. Neuer Ministerpräsident wurde Wim Kok (PvdA) an der Spitze einer sozialliberalen Koalition. Die vom Mord an Pim Fortuyn, Führer der rechtspopulistischen Gruppierung Liste Pim Fortuyn (LPF), überschatteten Parlamentswahlen im Mai 2002 brachten den Parteien der bisherigen Regierungskoalition schwere Verluste. CDA und LPF konnten die meisten Stimmen gewinnen. Jan Peter Balkenende (CDA) wurde neuer Ministerpräsident an der Spitze einer Koalition der rechten Mitte aus CDA, LPF und VVD. Auf Grund von Machtkämpfen innerhalb der LPF erklärte Balkenende bereits im Oktober 2002 den Rücktritt der Regierung. Im gleichen Monat starb nach schwerer Krankheit Prinzgemahl Claus. Nach den vorgezogenen Parlamentswahlen 2003, bei denen sich der CDA als stärkste politische Kraft knapp behaupten konnte, bildete Balkenende eine neue bürgerliche Koalition aus CDA, VVD und Demokraten '66. Die Ermordung des islamkritischen Filmemachers Theo van Gogh 2004 führte zu einer strengeren Ausländer- und Asylpolitik. 2006 trat eine grundlegende Reform der Krankenversicherung in Kraft. Im gleichen Jahr zerbrach die bisherige Regierungskoalition durch den Austritt der D'66 und es kam zu vorgezogenen Neuwahlen, bei denen der CDA wieder stärkste Partei wurde. Jan Peter Balkenende bildete 2007 eine neue Regierung aus CDA, PvdA und der Christenunion (CU). Dieses Kabinett zerbrach im Februar 2010 am Streit über den niederländischen Militäreinsatz in Afghanistan. Bei vorgezogenen Neuwahlen im Juni 2010 wurde die VVD unter Führung von Mark Rutte zur stärksten politischen Kraft. Große Stimmengewinne verbuchte die rechtspopulistische Partei für die Freiheit (PVV) des Islamgegners Geert Wilders. Nach schwierigen Koalitionsverhandlungen bildete Rutte im Oktober 2010 eine von der PVV geduldete Minderheitsregierung aus Rechtsliberalen (VVD) und Christdemokraten (CDA). 2012 entzog die PVV dem Kabinett von Rutte die parlamentarische Unterstützung. Am 12. 9. 2012 fanden daher vorgezogene Parlamentswahlen statt, aus denen VVD (26,5 %, 41 Sitze) und PvdA (24,7 %, 38 Sitze) gestärkt hervorgingen. Die PVV verzeichnete erhebliche Verluste (10,1 %, 15 Sitze). Rutte bildete eine Große Koalition mit der PvdA.
- Einleitung
- Natur und Klima
- Bevölkerung
- Bildung
- Staat und Politik
- Wirtschaft und Verkehr
- Geschichte
- Vor der Unabhängigkeit
- Freiheitskampf und Weg zur Monarchie
- Die Niederlande im 20. und 21. Jahrhundert
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