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LEXIKON

Öffentlichkeit

eine in ihrer historischen Ausprägung und wissenschaftlichen Interpretation uneinheitliche gesellschaftspolitische Kategorie, die im weitesten Sinn die Gesamtheit derjenigen Verhältnisse umfasst, in denen sich der gesellschaftliche Austausch und die Bildung öffentlicher Meinung abspielen.
Während die Öffentlichkeit in der Antike die selbstverständliche Form des sozialen und politischen Geschehens war, ist der moderne Öffentlichkeitsbegriff im 17. und 18. Jahrhundert als politischer Emanzipations- und Kampfbegriff des Bürgertums entstanden. Im Rahmen der Aufklärung kristallisierten sich spezifische Bildungsmedien (z. B. die Presse) heraus, über die der Aufbau einer kommunikativen Ordnung jenseits feudaler Standesschranken ermöglicht werden sollte. Zunächst vorwiegend kulturell bestimmt (Lesegesellschaften), entwickelte sich im ausgehenden 18. Jahrhundert und zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein politischer Anspruch auf Kritik und Kontrolle der staatlichen Gewalt. Zur Sicherung dieser Funktion bedurfte es u. a. der Durchsetzung von Presse- und Informationsfreiheit, was sich in den verfassungspolitischen Diskussionen des 19. Jahrhunderts widerspiegelt. War zu dieser Zeit die Kategorie Öffentlichkeit an Besitz- und Bildungsbürgertum gebunden, erweiterte sich mit dem ausgehenden 19. Jahrhundert die Partizipationsbreite. Neue soziale Gruppen (Arbeiterschaft) forderten auch für sich die Teilnahme an Meinungsbildung und -kontrolle. Dabei führte die rasche Entwicklung der Kommunikationsträger im 20. Jahrhundert zu neuen Formen der öffentlichen Meinungsbildung. Seit den 1990er Jahren wurde die Kategorie Öffentlichkeit zunehmend von der Globalisierung der Informationsgesellschaft bestimmt.
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