Lexikon
Sudan
Unabhängigkeit und Bürgerkriege
Am 1. 1. 1956 wurde das Land unabhängig. Die Autonomiebestrebungen des christlich geprägten Südens entfachten einen langjährigen Bürgerkrieg. 1958 übernahm General Ibrahim Ferik Abboud nach einem Staatsstreich die Macht. Ein Volksaufstand in Khartum 1964 zwang ihn zum Rücktritt. Auch Oberst Dschafar An Numeiri ergriff 1969 durch einen Staatsstreich die Regierungsgewalt. 1972 konnte er den Bürgerkrieg zunächst beenden; den Südprovinzen wurde Autonomie zugestanden. Nach der Einführung des islamischen Rechts 1983 brach der Konflikt aber wieder aus. 1989 übernahm das Militär mit General Omar Hassan Al Bashir die Staatsführung. 1998 führten die USA einen Raketenangriff auf eine Chemiefabrik im Sudan durch, dem Washington die Unterstützung islamischer Terroristen zum Vorwurf machte. Bashir wurde zuletzt 2000 durch Wahlen im Präsidentenamt bestätigt.
Während sich die Lage im Süden entspannte, eskalierten Auseinandersetzungen in der Region Darfur 2003 zu einem neuen ethnisch motivierten Konflikt, der von schweren Menschenrechtsverletzungen begleitet wurde und eine Flüchtlingskatastrophe auslöste. 2005 schlossen Regierung und Sudanesische Volksbefreiungsarmee/Bewegung (Sudanese People's Liberation Army/Movement, SPLA/M) einen Friedensvertrag, um den Bürgerkrieg im Südsudan, der bis dahin rund 2 Millionen Todesopfer gefordert hatte, zu beenden. Der Konflikt in Darfur, bei dem von der Zentralregierung unterstützte Reitermilizen (Djandjawid) mit schwarzafrikanischen Rebellengruppen kämpften und dabei massiv gegen die Zivilbevölkerung vorgingen, konnte auch durch internationale Vermittlungsbemühungen nicht beigelegt werden. 2007 beschloss der UN-Sicherheitsrat die Entsendung einer gemeinsamen Friedenstruppe (United Nations-African Union Mission in Darfur, UNAMID) von UN und Afrikanischer Union. 2009 erließ der Internationale Strafgerichtshof einen Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen Präsident Bashir. Er wurde bei Präidentschaftswahlen 2010 im Amt bestätigt. Im selben Jahr erließ der Internationale Gerichtshof gegen Bashir auch einen Haftbefehl wegen des Vorwurfs des Völkermordes. Am 9. 1. 2011 sprachen sich in einer Volksabstimmung im Südsudan 98,8 % der Abstimmenden für die Unabhängigkeit aus. Bashir sicherte zu, das Ergebnis des Referendums zu akzeptieren. Gleichwohl kam es in der Folgezeit zu Auseinandersetzungen über den zukünftigen Grenzverlauf. Am 9. 7. 2011 wurde der Südsudan unabhängig.
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