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Lissabon - Stadt auf sieben Hügeln

In Lissabon wurde gerade der 63. Eurovision Song Contest ausgetragen und der Gewinner des weltgrößten Musikwettbewerbs gekürt. Doch nicht nur auf der Bühne hat "Lisboa" einiges zu bieten. Eine Reise in die Stadt an der Atlantikküste lohnt sich jederzeit auch unabhängig vom ESC.

Lissabon
Das Castelo de São Jorge bietet einen weiten Blick über die gesamte Stadt und den Tejo.
Wenn es am Samstag wieder heißt "12 points go to …", blicken Millionen von Fernsehzuschauern nach Portugal. Denn in der Hauptstadt des Zehn-Millionen-Einwohner-Landes am Atlantik findet der diesjährige Eurovision Song Contest (ESC) statt. Das bringt nicht nur ein großes Spektakel nach Lissabon, sondern wahrscheinlich auch viele Urlauber in die Region.

"Rechnet man Übertragungszeit und Reichweite in eine Marketing-Kampagne um, reden wir über einen Werbeeffekt von vielen Hunderten Millionen für das gastgebende Land und die teilnehmenden Länder", sagt Martin Fontanari von der International School of Management. "Für die kommenden Monate ist außerdem mit einem erhöhten Tourismusaufkommen zu rechnen." Schließlich hat Lissabon auch unabhängig von seiner Rolle als Austragungsort des ESC einiges zu bieten. Warum also nicht mal einen Trip nach "Lisboa" planen - die Stadt, die sich auf insgesamt sieben Hügeln erstreckt?

Altice Arena im Park der Nationen, Lissabon
Altice Arena im Park der Nationen – Austragungsort des ESC 2018
Im Park der Nationen

Wer auf seiner Städtereise die vielen Viertel in dieser hügeligen Landschaft erkundet, wird jedes Mal eine andere Welt betreten - und immer wieder auf Gegensätze stoßen. Als ESC-Fan sollte die Erkundungstour durch die portugiesische Hauptstadt im Park der Nationen beginnen: Das direkt am Fluss Tejo gelegene Gebiet war früher von Industrie geprägt, bis es für die Weltausstellung Expo im Jahr 1998 vollkommen umgekrempelt und zum Ausstellungsgelände wurde.

Heute prägt moderne Architektur mit Büros, Hotels und Wohnungen den "Park". Eine Seilbahn fährt über dem Tejo an der Längsseite des Geländes entlang und am Wasser verbindet eine Promenade die Hafenbecken am Ozenarium mit dem 145 Meter hohen Vasco-da-Gama-Turm. Auf letzterem können Touristen die Aussicht über die Stadt genießen. Ersteres beherbergt eine große Auswahl an Meerestieren - von Haien über Rochen bis hin zu Pinguinen. Ein markanter Punkt auf dem Gelände ist auch die futuristisch anmutende Altice Arena. Mit einer Kapazität von 20.000 Zuschauern ist sie die größte Veranstaltungshalle des Landes und Austragungsort des diesjährigen Eurovision Song Contest.

Fliesenverkleidetes Haus in Lissabon
Keramikfliesen sind in ganz Portugal ein fester Bestandteil des Stadtbildes.
Bunte Kacheln und alte Kirchen

Der Park der Nationen bildet einen echten Gegenpol zur Baixa de Lisboa, der Lissaboner Altstadt. Hier läuft man noch durch mittelalterliche Gassen und stößt an vielen Wänden auf bunte Kachelfassaden. Diese sogenannten Azulejos sind in fast jeder Gestaltungsform zu finden - beeinflusst durch die Jahrhunderte und Epochen erzählen sie auf ihre ganz eigene Art die bewegte Geschichte der Stadt.

Ein weiteres Highlight der Altstadt ist die Kathedrale Sé Patriarcal im Viertel Alfama. Ihr Grundstein wurde im Jahr 1147 gelegt, damit gilt sie als älteste Kirche der Stadt. Das Gotteshaus wurde im Laufe der Zeit mehrmals baulich verändert und erweitert, sodass es heute durch unterschiedliche architektonische Stile gekennzeichnet ist. Prägend sind jedoch Elemente der Gotik und des Barock. In Sé Patriarcal befinden sich drei bemerkenswerte gotische Grabstätten aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Ebenfalls sehenswert ist der östlich angebaute Kreuzgang mit einer Ausstellung antiker Gebäudereste.

Gelbe Tram im Alfama-Viertel von Lissabon
Die Tram im Alfama-Viertel erleichtert heute in erster Linie fußmüden Touristen das Leben .
Lebendiges Nachtleben

Wie ein idyllisches Altstadt-Viertel mutet auch das Bairro Alto an - zumindest tagsüber. Am späten Nachmittag und am Abend öffnen jedoch plötzlich Design-Shops, Boutiquen und Plattenläden ihre Türen und hinter unscheinbaren Holztoren kommen Restaurants und Bars zum Vorschein, die die Gassen mit Fado-Musik erfüllen. Dieses Viertel ist der ideale Anlaufpunkt, um sich abends treiben zu lassen, etwas zu essen oder auch zu tanzen.

Ebenfalls lohnenswert in den Abendstunden ist die Cristo Rei Statue. Erbaut nach dem Vorbild der berühmten Christusstatue in Rio de Janeiro, thront sie am Fluss Tejo direkt über der roten "Brücke des 25. April". Die Plattform in 82 Metern Höhe ist der perfekte Ort, um in romantischer Atmosphäre den Sonnenuntergang zu genießen und Lissabon "Gute Nacht" zu sagen.

Haupteingang des Hieronymusklosters von Belém
Das Hieronymuskloster von Belém ist das prächtigste Symbol für den Reichtum und die Macht des frühneuzeitlichen Portugals.
Glorreiche Vergangenheit

Wer nach einer langen Nacht etwas Ruhe im Grünen sucht, ist im Park Jardim da Estrela im gleichnamigen Viertel richtig. In dieser märchenhaften Oase gleich gegenüber der schneeweißen Basilika Estrela kann man hervorragend lesen, Karten spielen oder Leute beobachten. Ein Café lädt zum Verweilen unter Palmen neben Skulpturen und Brunnen ein. Gelegentlich findet ein Flohmarkt oder eine Musik-Veranstaltung statt.

Mondän und historisch zugleich geht es im Viertel Belém zu. Belém steht in enger Verbindung zur Seefahrt und den frühen Entdeckern, die damals ihr Leben riskierten, um unbekannte Meere zu überqueren. Viele der historischen Denkmäler und Bauten erinnern hier an diese glorreiche Vergangenheit - so auch der Turm von Belém. Der im manuelinischen Stil erbaute Wehrturm ist eines der ersten Dinge, die ankommende Schiffe von Lissabon sehen. Tatsächlich wurde der 35 Meter hohe Turm im Jahr 1521 genau zu diesem Zweck erbaut: Er sollte ankommende Schiffe begrüßen.

Torre de Belém, Lissabon
Der Turm von Belém an der Tejomündung ist eines der Wahrzeichen Lissabons. Ein auf der gegenüberliegenden Seite gelegener Zwillingsturm wurde durch das große Erdbeben von 1755 zerstört.
Festung über den Dächern der Stadt

Zum Ende unserer Erkundungstour geht es noch einmal hoch hinaus: Durch das alte Lissabon führt der Aufstieg zur Festung des Heiligen Georg. Die maurische Burg gilt als die Wiege der Stadt und thront hoch über ihren Dächern. Sie war lange Zeit ein wichtiger Stützpunkt der Herrscher des Landes. Denn vom Burgberg aus hatte man das gesamte Tejo-Delta im Blick. Diesen Blick können Touristen noch heute beim Flanieren durch die Anlage genießen. Im Inneren der Burg zeigt eine ständige Ausstellung Relikte aus vergangenen Jahrhunderten, insbesondere aus der Zeit der Mauren im 11. Jahrhundert.

DAL, 08.05.2018
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