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GROßES WöRTERBUCH DER DEUTSCHEN SPRACHE

Wahl

Wahl
f.
10
1.
nur Sg.
das Sichentscheiden, Wählen zwischen zwei oder mehreren Möglichkeiten;
eine W. treffen; die W. haben; jmdm. die W. lassen; eine leichte, schwere W.; vor der W. stehen
2.
Qualitätsstufe;
Tomaten erster W.
3.
das Abstimmen darüber, wer für bestimmte Ämter oder Gremien ausgewählt werden soll;
geheime, (in)direkte W.; ~en ansetzen, ausschreiben, durchführen; zur W. gehen; sich zur W. stellen
4.
nur Sg.
das Gewähltsein (nach einer Abstimmung);
die W. annehmen, ablehnen; jmdm. zur W. gratulieren
Wahl:
Wählen
und
wollen
gehören sprachgeschichtlich eng zusammen. Das Substantiv
Wahl
geht zurück auf das mittelhochdeutsche Wort
wal(e),
das wiederum vom althochdeutschen
wala
kommt. Abgeleitet ist die Vokabel von dem erschlossenen indogermanischen
uel
für „wünschen“, „begehren“. Diese Wurzel steckt auch in dem Verb
wählen,
das sich aus dem althochdeutschen
wellen
entwickelt hat.
Das erste demokratisch gewählte Parlament in Deutschland war 1848 die Nationalversammlung in der Paulskirche in Frankfurt am Main. Das allgemeine
Wahlrecht
für Männer über 25 Jahre wurde 1867 im Norddeutschen Bund eingeführt. 1918 bekamen alle Bürger über 20 Jahre das
aktive
und
passive Wahlrecht,
damit war auch zum ersten Mal das
Frauenwahlrecht
gegeben. 1972 wurde das aktive Wahlrecht auf 18 Jahre gesenkt, 1975 auch das passive Wahlrecht. In Deutschland gilt heute eine Mischung aus
Mehrheits und Verhältniswahlrecht:
In den einzelnen
Wahlkreisen
ist der Bewerber gewählt, der die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigen kann; die Parlamentssitze werden nach dem prozentualen Stimmenanteil der Parteien vergeben.
Wahl
im allgemeinen Sinn von „Auswahl“ ist dagegen deutlich älter als
Wahl
im staatsrechtlichen Sinn zur Legitimation von Herrschaft. Das Sprichwort „wer die Wahl hat, hat die Qual“ findet sich beispielsweise schon im 14. Jahrhundert. Wenn man
etwas in die engere Wahl zieht,
favorisiert man es oder merkt es für die spätere Auswahl vor. Als
zweite Wahl
bezeichnet man Produkte mit kleinen Fehlern, die meist zu einem reduzierten Preis abgegeben werden. Der Ausdruck wird aber auch auf Personen angewendet, die bei der Besetzung einer Position zum Zug kamen, aber nicht Wunschkandidaten waren.
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