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GROßES WöRTERBUCH DER DEUTSCHEN SPRACHE
Kammer:
Das griechische Wort
kamerata
und das lateinische
camera
bezeichnet einen Raum mit gewölbter Decke. Über althochdeutsch
chamara
wurde daraus im Mittelhochdeutschen
kamere, kamer
. Schon in mittelhochdeutscher Zeit wurde das Wort nicht allein mehr in der Bedeutung „kleiner Raum“ oder
Schlafkammer
verwendet, sondern bezeichnete auch eine
Vorrats
oder
Schatzkammer,
die fürstliche Wohnung, das Gericht, die öffentliche Kasse sowie daraus die
Kämmerei
. Die Bedeutung „kleiner Raum“ schwingt noch heute in Zusammensetzungen mit wie etwa
Kammermusik
. Hier handelt es sich um Musik, die mit wenigen Instrumenten (also in einem kleinen Raum) aufzuführen ist im Gegensatz etwa zu Orchesterkonzert oder Oper.
Als Wortstamm ist
Kammer
in vielen Zusammensetzungen erhalten:
Kamarilla
Günstlings oder Hofpartei (aus spanisch
camarilla
, das vom lateinischen
camera
stammt);
Kamera
Fotoapparat. Das Wort entstand aus
camera obscura
, den im 16. und 17. Jahrhundert gebräuchlichen, begehbaren dunklen Räumen für Porträts oder Landschaftsaufnahmen;
Kamerad
Freund, Gefährte. Ein
Kamerad
war ursprünglich ein Stubengenosse, also jemand der im gleichen Raum schlief. Als
Kameradschaft
wurde dementsprechend zunächst die Stubengemeinschaft bezeichnet. Der Begriff
camerata
wurde bei italienischen Söldnern im 16. Jahrhundert verwendet und ist in Deutschland seit dem Dreißigjährigen Krieg bekannt. Heute hat der Ausdruck auch eine politische Dimension: Die italienischen Faschisten reden sich mit
camerata
an; die französischen Sozialisten mit
camarade
.
Kameralistik
Der Ausdruck für das staatliche Rechnungswesen auf der Grundlage von Einnahmen und Ausgaben leitet sich daher, dass in der
kamer
einst oft der fürstliche Schatz aufbewahrt wurde. Der
Kämmerer
war ursprünglich also derjenige, der diesen Schatz verwaltete. Heute ist Kämmerer der Titel dessen, der das Finanzressort einer Gemeinde leitet (auch:
Stadtkämmerer
).
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