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Stadtwohnungen für Bienen

Gerade in der Stadt haben es Bienen heutzutage schwer: viel Beton, wenig nektarspendende Blumen und naturnahe Rückzugsorte. Dabei ist es ganz leicht, den fleißigen Insekten auch in urbanen Gegenden ein schönes Zuhause zu bieten - zum Beispiel im eigenen Garten. Mit den richtigen Tricks werden grüne Parzellen im Handumdrehen zum Bienenparadies.

Honigbiene an einer Krokusblüte
Gerade völkerbildende Insektenarten wie Honigbienen und Hummeln sind auf Frühblüher wie Krokusse angewiesen.
Klimawandel, Krankheitserreger, Monokulturen und Umweltgifte: Bienen haben es bekanntlich nicht leicht. Um die fleißigen Insekten zu unterstützen, versuchen inzwischen immer mehr Menschen ihren Garten möglichst bienenfreundlich zu gestalten. Doch worauf gilt es dabei zu achten? "Das allerwichtigste ist, dass über einen möglichst langen Zeitraum immer etwas blüht", sagt Landschaftsarchitektin Swantje Nowak.

Während der kalten Monate muss das Angebot zwar nicht so groß sein wie im Sommer, da sich die Bienen dann in ihre Wintertraube zurückziehen. Trotzdem sollte auch im Herbst und Winter der Tisch zumindest ein wenig gedeckt sein. Hierfür eignen sich im Oktober beispielsweise Gemüsepflanzen wie Topinambur. Im Januar können Christrosen und Krokusse, im Februar dann Haselnuss, Schneeglöckchen und Schneeheiden als Nahrung dienen.

Biene an Haselnusskätzchen
Die Haselnuss ist im Frühjahr ein willkommener Pollenlieferant für die Bienen.
Von Windröschen bis Thymian

Blühende Pflanzen zu dieser Zeit sind wichtig, weil die Insekten an wärmeren Wintertagen durchaus ihre Bienentraube verlassen - der Klimawandel sorgt dafür, dass dies immer häufiger passiert. "Die Winterblüte ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil sie verhindern kann, dass die Bienen infolge des frühen Ausflugs schon vor der Brut erschöpft sind oder gar sterben", erklärt Nowak.

Bei der Auswahl der Pflanzen sollten Hobbygärtner neben der Blühzeit auch auf Art und Sorte achten. Der Gartenexpertin zufolge brauchen heimische Bienen heimische Pflanzen wie Duftveilchen, Windröschen, Besenginster oder Dost. Darüber hinaus fliegen sie auch auf Kräuter wie Salbei, Thymian oder Majoran.

Bienen an einer Buschwindröschenblüte
Das Buschwindröschen zählt zu den klassischen Bienenweiden.

Gezüchtete Sorten bieten kaum Pollen

Ganz wichtig ist, auf züchterisch veränderte Sorten möglichst zu verzichten. Denn bei vielen Pflanzen ist es zuchtbedingt so gewollt, dass die Staubblätter auch Blütenblätter sind - das heißt, sie bieten nur Farbe. Solche gefüllten Blumensorten - Geranien, gezüchtete Dahlien oder Garten-Chrysanthemen etwa - liefern keinen oder nur wenig Pollen.

Der Garten ist für Bienen jedoch nicht nur ein Ort der Nahrungssuche: Idealerweise dient er ihnen auch zum Nisten. Deshalb sollte man beim Thema Bienenfreundlichkeit auch auf Baumaterial für Brutzellen und weitere Nisthilfen achten. Diese lassen sich etwa durch Totholz, Fugen in Steinmauern oder aufgehäufte, nicht bepflanzte Sandhügel in Beeten schaffen.

Steingarten und Naturgarten
Zweimal Steine, aber was für ein Unterschied - auch für die Bienen.

Auf strukturelle Vielfalt setzen

"Wir erleben über das vergangene Jahrzehnt einen Wandel in der Gartenkultur hin zu immer blankeren Oberflächen und leicht zu pflegenden Elementen. Gerade ist beispielsweise der Schottervorgarten ohne jegliche Pflanze en vogue", kritisiert Nowak. Ein bienenfreundlicher Garten habe dagegen vielfältige Strukturen wie Höhen und Tiefen, Totholz, Wasserquellen oder Trockenmauern.

Wittelsbacher Ausgleichsfonds / DAL, 17.08.2018
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