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Zumba – ich tanz mich fit

Seitdem die Trainingszeiten meines Taekwondo-Vereins nicht mehr kompatibel mit meinem Alltag sind, bin ich sportlos. Also muss eine neue Sportart her. Nur welche? Bauch-Beine-Po ist mir zu langweilig, beim Schwimmen nerven mich die Kämpfe mit den Mitschwimmenden um die Bahnen und bis ich die nächste schöne Laufstrecke erreiche, muss ich erst ziemlich lange über Asphalt joggen. Unkompliziert, ohne viel teure Ausrüstung und Vereinsmeierei hätte ich den neuen Sport gern, und natürlich kompatibel mit meinem Alltag zwischen Beruf und Familie. Außerdem will ich mich nicht quälen, sondern Spaß haben. Zu anspruchsvoll? „Versuch doch mal Zumba“, rät mir eine Bekannte, „das könnte zu dir passen.“
Alexandra Mankarios

„Da tanzt man zu lateinamerikanischer Musik, aber ohne Partner“, erfahre ich. Das klingt gut. Im Jahrzehnte zurückliegenden Tanzkurs haben mir Cha Cha Cha, Rumba und Co. eigentlich ganz gut gefallen  – wäre da nur nicht der ewige Streit darum gewesen, wer führt und wer wem wann auf die Füße getreten ist. Also auf zum Zumba!

Jennifer Lopez
shutterstock.com/Featureflash/Paul Smith
Im Internet informiere ich mich vorher: Neben Tanz soll Zumba auch viele Fitness-Elemente enthalten und große Mengen an Kalorien verbrennen. Die als Markenzeichen geschützte Sportart ist in den 90er Jahren von einem kolumbianischen Trainer und Choreografen erfunden worden und erobert seither Fitnessstudios und Sportvereine auf der ganzen Welt. Auch Madonna und Jennifer Lopez halten sich mit Zumba fit. Ich bin gespannt.

 

(Fast) nur Frauen machen Zumba

Am Tag meiner ersten Zumba-Stunde strahlt der Himmel über Hamburg Altona knallblau - kein Wetter für Hallensport. Trotzdem ist der Andrang groß: Etwa 35 Frauen und ein Mann füllen den Trainingsraum vollständig aus, gerade einmal anderthalb Meter trennen mich von meinen Mittänzerinnen.

Ich beziehe ungefähr in die Mitte des Raums Position: Nah genug vorn, um einen guten Blick auf die Trainerin zu erhalten, weit genug hinten, damit möglichst wenig Leute hinter mir gegebenenfalls Zeugen meiner verpatzten Tanzschritte werden. Der einzige Mann im Raum hat sich einen Platz in der – besonders vollen – letzten Reihe gesucht und schaut ein wenig verlegen drein.

Das Durchschnittsalter im Raum liegt irgendwo Ende Zwanzig. In puncto Outfit scheint es keine Regeln zu geben. Die Frau links vor mir trägt eine lange, wallende Jogginghose, ein sommerliches Top und ist ansonsten barfuß, andere haben ihre Füße in dicke Sportschuhe gesteckt, tragen dafür aber kurze Sporthosen. Die meisten Frauen im Raum haben es offenkundig nicht nötig, viel Fett zu verbrennen, aber einige fülligere Teilnehmerinnen kann ich doch ausmachen.

 

Ein bisschen Hanswurst, bisschen Musical-Star

Dann erklingen auch schon die ersten Rhythmen und Trainerin Paola springt auf die kleine Vorturner-Bühne. Ein kurzes „Ritual“ eröffnet die Stunde: Einmal dynamisch vorbeugen, Arme ausstrecken und sich langsam mit Schüttelbewegungen wieder aufrichten, dazu der Ruf: „Zuuuuuumbaaa!“ Ohne weitere Ankündigung geht es los. Ein ziemlich flottes Lied, vielleicht ein Merengue, tönt aus den Lautsprechern, Paola fängt an zu tanzen und alle tanzen mit, langatmige Erklärungen gibt es nicht, Korrekturen auch nicht: Jede(r) macht so gut mit, wie es eben geht. Ein paar Schritte nach rechts, nach links, dazu die Arme in verschiedene Richtung strecken und wieder einziehen, dann eine Art Auf-der-Stelle-Joggen. Danach stehen wir breitbeinig mit gebeugten Knien und kreisen ein wenig lasziv mit dem Oberkörper, kurz darauf schleudern wir in einer komplizierten Schrittfolge Ellbogen und Beine seitlich nach oben. Alle paar Takte folgt etwas Neues, etwa alle 16 Takte wiederholt sich die ganze Sequenz – so ungefähr jedenfalls.

Das Mitzählen fällt mir schwer, weil sich meine Beine ständig verheddern, meine Arme nach rechts zeigen, wenn Paolas Hände sich nach links bewegen, außerdem hinke ich immer wieder ungefähr zwei Beats hinterher. Die Frauen vor mir kommen alle prima mit, auch wenn man der einen oder anderen ansieht, dass die gesamte Konzentration auf das Nachahmen der Bewegungen ausgerichtet ist und nicht mehr viel Aufmerksamkeit dafür übrig ist, den Tanz dynamisch, schwungvoll und – Paolas Beispiel folgend – mit einem fröhlich-coolen Lächeln zu performen.

Als schließlich eine Drehung kommt (ein Arm stolz in der Luft, ein sexy Hüftschwung leitet die Bewegung an, die andere Hand anmutig an der Hüfte), erhasche ich den ersten Blick auf die Tänzerinnen in den Reihen hinter mir. Da sieht es völlig anders aus als vorn. Mehrere stolpern ein wenig verloren herum, eine Frau steht stirnrunzelnd still da und versucht offensichtlich, die Bewegung erst einmal mit dem Verstand zu durchdringen, andere machen zwar eigentlich alles richtig, sind aber, wie ich, nicht im Takt. Ich bin erleichtert, dass ich nicht die Einzige bin, die die Schritte nicht blitzschnell umsetzen kann und sich wahrscheinlich etwas plump vorkommt.

Beim nächsten Lied, das ich definitiv als Cha Cha Cha identifizieren kann, habe ich den Bogen schon etwas besser heraus. Ich stelle fest, dass es hilft, zunächst nur den Schritten zu folgen und erst danach die Armbewegungen mitzumachen. Außerdem wird die Erinnerung an den Tanzkurs meiner Jugend wieder wach, die Füße wissen plötzlich, was sie zu tun haben. Es wird jetzt auch ein bisschen anstrengend: Am Ende jeder Cha-Cha-Cha-Reihe müssen wir uns einmal vorbeugen und den Boden berühren, um dann dem schnellen Rhythmus schon wieder in die andere Richtung zu folgen. Ich beginne zu schwitzen – gut so, dafür bin ich ja hier.

Eine Dreiviertelstunde und etwa acht Musikstücke später habe ich jeden Körperteil mindestens einmal gekreist, geschwungen oder geschüttelt, darunter auch diverse, die im Alltag häufig sehr ungeschüttelt bleiben, eine interessante Erfahrung. Wir haben von Hiphop über Salsa bis Mambo eine große Anzahl verschiedener Musik- und Tanzstile verbunden. Die meiste Zeit hatte ich allerdings mit dem Nachtanzen zu kämpfen.

An einigen Stellen lief es aber auch super. Und das hat dann richtig Spaß gemacht, ich kam mir plötzlich wahnsinnig dynamisch und schwungvoll vor, ein bisschen wie ein Musical-Tanzstar – oder jedenfalls wie jemand, der das Zeug dazu gehabt hätte, wenn sich eine große Anzahl an Dingen in meinem Leben zufällig völlig anders entwickelt hätten.

 

Zumba – mein Fazit

Zumba-Kurs in Berlin
dpa Picture-Alliance, Frankfurt/Rainer Jensen
Da gehe ich wieder hin! Die versierteren Kursteilnehmerinnen in den Reihen vor mir haben mir bewiesen, dass das Hinterherstolpern wahrscheinlich nach wenigen Zumba-Stunden vorübergeht. Meine kleinen Erfolge im Mittelteil haben mir gezeigt, wie viel Spaß das machen kann, denn die Musik ist flott und macht Laune. Auch der Anstrengungsfaktor hat mir gefallen: Ich habe ordentlich geschwitzt, bin aber nie aus der Puste geraten. Auf die Uhr habe ich nicht ein einziges Mal geschaut. Kurzum: Eine rundum spaßige Fitness-Sportart für Menschen – vor allem Frauen –, die gern tanzen, sich motorisch für halbwegs begabt halten und eine gesunde Portion Selbstironie aufbringen können, um die ersten Zumba-Stunden zu überstehen.

 

Hinweis: ZUMBA und ZUMBA FITNESS sind eingetragene Markenzeichen der Firma Zumba Fitness, LLC.

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