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Gaius Julius Cäsar: Kaiser einer Republik

War Gaius Julius Cäsar ein Emporkömmling?

Nein. Es war ihm zwar nicht in die Wiege gelegt, dass er einmal zum höchsten Staatsamt in Rom aufsteigen würde. Aber als Angehöriger der exklusiven Elite der römischen Republik hatte Cäsar allerbeste Startchancen.

Cäsar entstammte dem altadligen Geschlecht der Julier, das eine Abkunft vom trojanischen Helden Aeneas für sich reklamierte. Während 88 v.Chr. aufgrund der Rivalität zwischen Marius, Cinna und Sulla in Rom ein Bürgerkrieg tobte, wurde Cäsar – noch in jungen Jahren – für das höchste Priesteramt, Oberpriester des Jupiter, des römischen Staatskults auserkoren. Als Verwandter von Marius und Schwiegersohn Cinnas entging er seiner Ermordung nach der Niederlage der beiden gegen Sulla nur dank der Bitten einflussreicher Freunde bei diesem. Sulla soll angeblich »vor dem schlecht gegürteten Jüngling« gewarnt haben, »in dem mehr als ein Marius stecke«. Sulla verlangte, dass er seine Ehe mit der Tochter seines unterlegenen Gegners Cinna löse. Trotz schlimmster Drohungen der Sullaner hielt Cäsar aber an der Verbindung fest. Er leistete im Osten des Reichs seinen Militärdienst ab und machte sich durch seine kaltblütige Gelassenheit und seine legendären Ausschweifungen einen Namen.

Welches Verhältnis hatte der Politiker zum Senat?

Nach Sullas Tod kehrte Cäsar nach Rom zurück und gewann bald durch seine militärischen Erfolge und durch sein charismatisches Auftreten großen Einfluss. Verschiedentlich geriet er in Konflikt mit der Senatsmehrheit. Nach der Rückkehr aus Spanien 63 v.Chr., wo er militärische Siege errungen hatte, wollte er unmittelbar nach den offiziellen Triumphfeiern als Konsul kandidieren. Die formelle Genehmigung dieser Feierlichkeiten wurde aber von seinen Gegnern im Senat so lange hinausgezögert, bis die Bewerbungsfrist abzulaufen drohte. Cäsar verzichtete auf den Triumph, kandidierte und gewann die Wahlen souverän.

Er vereinbarte mit Crassus und Pompeius gegenseitige Unterstützung. Zur Bekräftigung dieser Vereinbarung verheiratete Cäsar seine Tochter Julia mit Pompeius. Cäsar setzte mehrere Projekte durch, mit denen seine Verbündeten bisher beim Senat gescheitert waren. Pompeius und Crassus ihrerseits sorgten dafür, dass Cäsar für sein Prokonsulat lukrativere Provinzen erhielt, als ihm der Senat bisher zugestehen wollte, nämlich Gallia cisalpina und Gallia Narbonensis, heute die Po-Ebene und die Provence. Diese Randgebiete des Römischen Reichs sollten Cäsar die Möglichkeit zu neuen militärischen Erfolgen bieten.

Warum zog der Feldherr nach Gallien?

Die Helvetier, ein keltischer Stamm aus der heutigen Schweiz, waren aufgebrochen, um sich ein neues Siedlungsgebiet in Westfrankreich zu suchen. Cäsar nahm dies zum Anlass, um sich in die gallischen Verhältnisse einzumischen und die Helvetier vernichtend zu schlagen. Die anschließenden Unruhen gaben dem Feldherrn immer wieder Gelegenheit, zu intervenieren und – letztlich unter dem Vorwand, das Römische Reich zu sichern – eine umfassende, mehrjährige Eroberungskampagne in ganz Gallien durchzuführen. Dabei unternahm er auch Expeditionen über den Rhein und den Ärmelkanal.

Was geschah während Cäsars Abwesenheit in Rom?

Während er in Gallien beschäftigt war, beobachtete Cäsar die politische Entwicklung in Rom aufmerksam und ließ seine Mittelsmänner mehrfach in das Geschehen in der Hauptstadt eingreifen. Die Koalition mit Crassus und Pompeius zerbrach nach dem Tod von Crassus und Julia. Pompeius schlug sich nun auf die Seite der Senatsmehrheit. Um einer drohenden Amtsenthebung zuvorzukommen, überquerte Cäsar am 10. Januar 49 v. Chr. den Rubikon, die Grenze seines Amtsbereichs, mit den legendären Worten »Alea iacta est« (der Würfel ist gefallen) und erklärte damit Rom den Krieg.

Wie besiegte Cäsar seine Rivalen?

Seine Gegner, die sich unter die Führung von Pompeius begeben hatten, waren ihm an Kampfkraft überlegen. Trotzdem gelang es Cäsar durch strategisches Geschick und mithilfe seiner äußerst loyalen Truppen, mehrere Armeen seiner Rivalen niederzuwerfen. Schließlich besiegte er Pompeius bei Pharsalos in Nordgriechenland und schlug in den Jahren danach alle versprengten pompeianischen Heere im Mittelmeerraum. 46 v.Chr. kehrte Cäsar triumphal nach Rom zurück und begann mit der Neuordnung des Staates.

Nachdem er sich zum Diktator auf zehn Jahre hatte ernennen lassen, ging Cäsar längst überfällige Reformen in allen erdenklichen Bereichen an, zum Beispiel seine Kalenderordnung mit 365 Tagen pro Jahr und einem Schaltjahr alle vier Jahre. Abgesehen von einer Modifizierung hat diese bis heute Bestand. Zwar ließ er die Verfassungsorgane der römischen Republik weiter existieren, kontrollierte aber selbst alle politische Macht.

Warum wurde der Diktator ermordet?

Einer Gruppe von Verschwörern ging diese Allmacht des Diktators schließlich zu weit. An den Iden (15.) des März des Jahres 44 v.Chr. stachen sie ihn im Verlauf einer Senatssitzung nieder. Unter den Mördern, die sich selbst als Befreier Roms von der Diktatur sahen, waren begnadigte Pompeianer und enge Freunde Cäsars. Sein Tod löste einen erbitterten Bürgerkrieg aus, den 31 v. Chr. Octavian, der Erbe Cäsars, schließlich für sich entschied. Er führte den Namen Cäsar erstmals als Herrschertitel, aus dem dann die Begriffe Kaiser und Zar hervorgingen.

Wussten Sie, dass …

Cäsars berühmte Worte bei seinem Tod wohl ins Reich der Legende gehören? Als ihn Brutus und Cassius während einer Senatsssitzung mit diversen Dolchstößen erstachen, soll er »Auch du, mein Sohn Brutus?« gesagt haben. Vermutlich waren seine Verletzungen aber viel zu schwer, als dass er noch wohlgesetzte Worte hätte formulieren können.

Warum wurde Cäsars Begräbnis zum Tumult?

Die Bevölkerung Roms schätzte den charismatischen Volkstribun wohl mehr, als seine Mörder gedacht hatten. Die aufgeregte Menge riss die Leiche des Diktators an sich und brachte sie vom Scheiterhaufen auf dem Marsfeld zum Forum, wo sie schließlich unter großer Anteilnahme verbrannt wurde. An den Iden des März, Cäsars Todestag, legen manche Römer noch heute an einem Stein auf dem Forum Blumen zum Andenken an den genialen Staatslenker nieder.

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