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Burnout oder Depression: Wo liegen die Unterschiede?

Nach Ansicht der Medien und der skeptischen Bevölkerung ist Burnout ein Modebegriff für Depressionen. Aber stimmt das wirklich? Tatsächlich handelt es sich bei Burnout um ein relativ neues Beschwerdebild, das trotz zahlreicher Gemeinsamkeiten nicht mit einer Depression gleichzusetzen ist. Nachfolgend erklären wir die Unterschiede.
Depressionen sind eine häufig auftretende, psychische Erkrankung.

© pixabay.com, Fotorech (CC0 Creative Commons)

Was sind die Unterschiede zwischen Depression und Burnout?

Während die Depression eine offiziell anerkannte Krankheit ist, gilt dies für Burnout nicht. Beide Krankheitsphänomene sind im weltweit anerkannten Katalog für Diagnosen (ICD) enthalten: die Depression als Krankheit und der Burnout als zusätzliche Diagnose, die Ärzte häufig in Verbindung mit einer Depression stellen.

Unterschiedliche Symptome

Beide Erkrankungen weisen ähnliche Symptome auf, sodass eine Abgrenzung schwierig ist. Eine Unterscheidung hilft aber bei der Abgrenzung:

  • Bei einer Depression zählen Interessenverlust, Niedergeschlagenheit und Freudlosigkeit zu den Kern-Symptomen.
  • Typische Burnout-Symptome sind eine starke seelische und körperliche Erschöpfung, Ineffektivität des beruflichen Handelns sowie negative Gefühle gegenüber Kollegen oder der Arbeit.

Doch diese Unterscheidung gilt längst nicht für alle Betroffenen. So können auch Burnout-Patienten freudlos und niedergeschlagen sein, während depressive Menschen geistig und körperlich erschöpft sind. Daneben treten zahlreiche weitere Symptome wie Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Antriebslosigkeit oder Müdigkeit sowohl bei einem Burnout als auch bei einer Depression auf.

Wichtig zu wissen: Die Symptome eines Burnouts sind im Gegensatz zur Depression nicht eindeutig definiert. Nicht selten widersprechen sich die Symptome, wie zum Beispiel Antriebslosigkeit versus erhöhter Energieeinsatz. Solche Unklarheiten erschweren die Abgrenzung zwischen Depressionen und Burnouts zusätzlich.

Unterschiedliche Diagnose und Therapie-Möglichkeiten

In der Regel diagnostiziert der Arzt eine Krankheit anhand der vorliegenden Symptome. Was die Krankheit ausgelöst hat, ist für die Diagnosestellung und Therapie nicht wichtig. Bei Depressionen und Burnouts sieht das oft anders aus.

Die Entstehung eines Burnouts kann unterschiedliche Ursachen haben. Häufig ist es eine Kombination aus äußerer und innerer Unruhe. Je nachdem, ob die Ursache eher im privaten Bereich oder im Arbeitsumfeld zu finden ist, kommen verschiedene Therapie-Ansätze infrage.

Eine Depression stellt der Arzt hingegen stets anhand der Symptome fest und behandelt diese entsprechend. Allerdings gilt auch hier: Nicht immer lässt sich eine Depression exakt von einem Burnout unterscheiden, die Grenzen sind fließend.

Ein klassisches Beispiel: Ein Betroffener fühlt sich seit einiger Zeit energielos, erschöpft und völlig ausgebrannt. Ist die Ursache auf eine zu hohe Arbeitsbelastung zurückzuführen, hilft eine Auszeit mit Erholung, viel Schlaf und einer Luftveränderung. Ist die betroffene Person aber depressiv, kann sich ein Urlaub oder übermäßig viel Schlaf sogar negativ auswirken.

Weitere Unterschiede zwischen Depression und Burnout

Neben den genannten Unterscheidungsmerkmalen bestehen weitere Unterschiede zwischen einem Burnout und einer Depression, auch wenn diese wiederum nicht auf jeden Betroffenen zutreffen:

  • Eine Depression tritt häufig ohne ersichtlichen Grund und Vorankündigung auf. Ein Burnout entsteht hingegen über einen längeren Zeitraum. Es ist ein eher schleichender Prozess.
  • In der Zeit, in der ein Burnout entsteht, sind verschiedene Phasen zu beobachten, die aufeinander aufbauen. Diese gibt es bei einer Depression in dieser Form nicht.

Häufig wird ein Burnout in Kombination mit einer Depression festgestellt. Allerdings treffen die Besonderheiten eines Burnouts nicht auf alle Betroffenen mit einer Depression zu.

Die Symptome zwischen Depression und Burnout ähneln sich oft stark.

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Welche Gemeinsamkeiten haben Burnout und Depression?

Eine exakte Abgrenzung zwischen einer Depression und einem Burnout ist also schwierig, da beide Krankheitsphänomene zahlreiche Gemeinsamkeiten aufweisen. Diese beziehen sich vor allem auf die verschiedenen Symptome.

Wie erwähnt, geht eine Depression mit Antriebslosigkeit, Interessenverlust und Freudlosigkeit einher. Betroffene, die unter einem Burnout leiden, spüren diese Symptome früher oder später ebenfalls. Auch die körperlichen Symptome ähneln sich oft. Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme sind typisch für beide Phänomene. Nicht zuletzt gibt es auch Ähnlichkeiten beim Verhalten der Betroffenen. So sind leichte Reizbarkeit, sozialer Rückzug und Selbstzweifel in beiden Fällen zu beobachten.

Könnte es sich bei all den Gemeinsamkeiten also doch um dieselbe Erkrankung handeln? Ja und nein. Experten glauben, dass es sich um zwei unterschiedliche Krankheitsphänomene handelt, die aber in Zusammenhang stehen können: Für Burnout-Betroffene, die sich im fortgeschrittenen Stadium befinden, steigt das Risiko, an einer Depression zu erkranken. In diesem Fall wäre die Depression also die Folge eines Burnouts. Hiervon betroffen sind vor allem Patienten, die die Ursachen ihres Burnouts bei sich selbst suchen und entsprechend depressiv reagieren.

Hinweis: Da es sich bei Burnout um keine offizielle Krankheit handelt, erhalten Betroffene hierfür keine Krankschreibung. Befinden sie sich aber nachweislich in einer depressiven Phase oder leiden sie unter einer Erschöpfungsdepression als Folge eines Burnouts, können sie sich krankschreiben lassen.

Ist Burnout nur ein Modebegriff für Depressionen?

Kommen wir noch einmal auf die Frage zurück, ob es sich bei Burnout nur um einen Modebegriff für Depressionen handelt. Die Antwort lautet: Es kommt darauf an!

  • Einige Burnout-Betroffene spüren in einer frühen Phase starke Überforderung und Erschöpfung. Hingegen sind noch keine eindeutigen Symptome einer Depression zu erkennen. Eine Auszeit mit ausreichend Erholung und Schlaf gegen einen drohenden Burnout wirkt oft Wunder.
  • Andere Betroffene leiden als Folge eines Burnouts hingegen an einer „echten“ Depression. Für diese Fälle gibt es verschiedene bewährte Therapien.

Sind Personen über einen längeren Zeitraum arbeitsunfähig, diagnostiziert der Arzt häufig eine Depression. Diese wird gesellschaftlich aber oft stigmatisiert. Viele Menschen erklären sich lieber mit „Ich leide unter einem Burnout“ als mit „Ich bin depressiv und kann deshalb nicht arbeiten“. Während die meisten Menschen Depressionen nach wie vor mit Versagen und Schwäche in Verbindung bringen, passt ein Burnout besser ins Bild unserer heutigen Leistungsgesellschaft.

Fazit: Fließende Grenzen zwischen Burnout und Depression

Ein näherer Blick auf die Symptome zeigt, dass die Grenzen zwischen Depression und Burnout meist fließend sind. Ein Burnout gilt nicht als offiziell anerkannte Krankheit, sondern wird gerne als Risikofaktor beziehungsweise Vorstufe einer Depression betrachtet. Anders gesagt: Wer die Warnsignale eines Burnouts nicht ernst nimmt oder ignoriert, kann an einer Depression erkranken.

Doch unsere Gesundheit ist unser höchstes Gut. Wer sich unsicher ist, was die eigenen Symptome bedeuten, sollte sich nicht davor scheuen, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dieser Schritt ist stets ein Zeichen von Stärke!

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