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LEXIKON

Arabischer Frühling

Arabellion
Bezeichnung für eine Protestwelle gegen bestehende Machtverhältnisse, die ab 2011 zu einschneidenden politischen Umbrüchen in mehreren Staaten der arabischen Welt führte.Nach der Selbstverbrennung eines jungen tunesischen Gemüsehändlers am 17. 12. 2010 kam es zu landesweiten Demonstrationen gegen das autoritäre Regime Ben Alis, die sich am 5. 1. 2011 auf Algerien ausweiteten. Zwischen Mitte Januar und Mitte März 2011 griffen die Unruhen auf weitere arabische Länder über. Intensität und Folgen der Proteste waren sehr unterschiedlich. Während die Umsturzbewegungen in Ägypten und Tunesien (Jasminrevolution) die herrschenden Präsidenten innerhalb von Wochen stürzten, führte in Libyen ein bewaffneter Volksaufstand, unterstützt von NATO-Luftangriffen, erst nach einem halben Jahr zum Machtwechsel. In Bahrain, Syrien und Jemen versuchten die Regierungen, die Unruhen mit Waffengewalt zu ersticken, was in Bahrain mithilfe einer saudi-arabischen Militärintervention gelang. In Jemen wurde im Februar 2012 zwar ein neuer Präsident vereidigt, Repräsentanten des alten Regimes blieben aber einflussreich. Die Assad-Regierung ging gegen die Mitte März 2011 in Syrien entstandene Aufstandsbewegung trotz internationaler Proteste mit kompromissloser Härte vor. Bis März 2012 forderte der Konflikt mindestens 8 000 Opfer. In Algerien, Marokko und dem Irak kam es zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten. In Marokko fand im Juli 2011 ein Verfassungsreferendum statt. Auch Jordanien, Saudi-Arabien, Kuwait, Oman, Mauretanien und Sudan verzeichneten Proteste.
Hinter den Protestbewegungen standen weniger politische Parteien oder religiöse Gruppen als vielmehr zunächst unorganisierte, überwiegend jüngere Aktivisten. Die Mobilisierung fand angesichts staatlicher Zensur der Medien hauptsächlich per Mundpropaganda und über soziale Netzwerke im Internet statt.
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