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Nachtsicht garantiert

Fledermäuse jagen in der Nacht. Doch wie orientieren sie sich, wenn fehlendes Licht das Sehen unmöglich macht? Bisher nahm man an, dass die Orientierung lediglich durch Schallwellen, ähnlich einem Radar funktioniert.
Die Forschungsstelle für Ornithologie in Seewiesen hat nun gemeinsam mit Kollegen der Universität Erlangen und der Universität von Guatemala herausgefunden, dass einige Arten in Südamerika durchaus die Augen für ihre nächtlichen Streifzüge nutzen. Sie können ultraviolettes Licht sehen, das ihnen den Weg zum Blütennektar weist, von dem sie sich ernähren.

Säugetiere sehen kein UV-Licht?

Licht bewegt sich wie eine Welle durch den Raum. Der Abstand zwischen den maximalen Ausschlägen der Wellen bezeichnet man als Wellenlänge. Die Wellen an sich sind nicht farbig, aber sie reizen die lichtempfindlichen Zellen im Auge. Das Nervensystem setzt diese Signale im Gehirn dann zu einzelnen Farben und Formen zusammen. Lange Wellen sind dabei die Wahrnehmung rot, kurze blau usw. Welche Farben wahrgenommen werden, ist abhängig von der Anzahl der Zapfen im Auge, über die die Farbwahrnehmung erfolgt.

Einfach Wirbeltiere besitzen 4 Zapfenpigmente und können so UV-Licht verarbeiten.

Der Mensch besitzt drei Arten dieser Zapfen und ist so in der Lage drei Farben (rot, blau, grün) zu unterscheiden. Man nennt dies trichromatisches Farbensehen.

Die meisten höheren Säugetiere und Vögel können dagegen nur zwei Farben wahrnehmen, sie sind Dichromaten.

UV-Strahlung im Wellenbereich von 250 Nanometer können weder Dichromaten noch Trichromaten verarbeiten.

Nachts reagieren die Zapfenpigmenten nicht auf die schwachen Lichtreize und deshalb übernehmen in diesem Fall die Stäbchenpigmente das Sehen. Diese unterscheiden jedoch nicht zwischen den einzelnen Farben. Nachts sind für die meisten Säugetiere deshalb „alle Katzen grau“.

Hier standen die Forscher bei manchen Fledermausarten vor einem Rätsel. Durch ihre Nachtaktivität haben sie im Laufe der Evolution die Nutzung der Zapfenpigmente aufgegeben. Diese sind zwar im Auge vorhanden, erfüllen aber keinerlei Funktion. Die Tiere sind farbenblind und erkennen selbstverständlich auch kein UV-Licht.

Doch wie sich zeigte, gilt dies nicht für alle: Manche Fledermausarten des Urwalds können UV-Licht erkennen, wie Forscher des Max-Planck-Instituts herausfanden.

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