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Was hilft wirklich gegen Fruchtfliegen?

Essig, Zuckerwasser, Sauerteig: Hausmittel gegen die lästigen Fruchtfliegen gibt es viele. Gefühlt schwört jeder aber auf eine andere Kombination verschiedener Zutaten – eine echte Universallösung bleibt aus. Neben den unterschiedlichen Flüssigkeiten, die zum Anlocken und Ertränken der kleinen Fliegen verwendet werden, gibt es auch noch variable Bauformen der Insektenfallen. Doch was hilft wirklich? Und was sagt die Wissenschaft dazu?
JFL, 11.08.2022
Fruchtfliegen auf Banane

Akchamczuk, GettyImages

Wenn das Obst zu lange auf dem Küchentresen liegt oder der Müll nicht rechtzeitig rausgebracht wurde, hat man den Salat: Die ganze Küche ist voll mit Fruchtfliegen. Gerade im Sommer, wenn die Lebensmittel und Abfälle noch schneller verderben, sind die kleinen Insekten schnell ein Teil des Haushalts. Wer dann versucht, die Tiere einzeln zu erschlagen oder ein Fenster zu öffnen, damit sie rausfliegen können, wird zeitnah resignieren. Doch wie lassen sich die lästigen Fliegen effektiv abwehren?

Unterschiedliche Bauweisen möglich

Das beste Mittel, eine Fruchtfliegenplage in den Griff zu bekommen, ist es wohl, eine Falle aufzustellen. Dafür kann man einerseits einen speziellen Anti-Fruchtfliegen-Klebestreifen kaufen, andererseits findet sich direkt im eigenen Haushalt häufig alles, was man zur Abwehr der Insekten braucht. Sowohl bei den Lockmitteln als auch bei der Bauart der Falle gibt es nun verschiedene Möglichkeiten. Beim Aufbau kann man grob zwischen zwei Varianten unterscheiden: offene und geschlossene Fallen.

Während offene Varianten die Fruchtfliegen meist töten, werden sie bei geschlossenen Lebendfallen lediglich eingesperrt. Um das zu erreichen ist es am einfachsten, das bereits von den Fliegen befallene Obst in eine Schale zu legen und diese mit Frischhaltefolie zu überziehen. Dann müssen mit einem Zahnstocher oder einer Nadel noch ein paar Löcher in die Folie gepikst werden und die Falle ist fertig. Durch die Löcher können die Fliegen das Obst riechen und zu ihm gelangen. Weil es von draußen aber keinen Lockduft gibt, finden sie nicht mehr aus der Schale raus. Wer möchte, kann die Insekten dann beispielsweise im Garten in die Freiheit entlassen.

Ein Lockstoff und etwas Spülmittel – fertig ist die Fruchtfliegenfalle.

Anneliese Gruenwald-Maerkl, GettyImages

Der Trick mit dem Spülmittel

Wem die Fruchtfliegen nicht so am Herzen liegen, dem empfiehlt es sich eher, zu einer anderen Art Falle zu greifen. Die wahrscheinlich meistgenutzte Bauart ist ein simples offenes Gefäß, wie ein Glas oder eine Schüssel, in das ein flüssiges Lockmittel und ein Tropfen Spülmittel gegeben werden. Letzteres ist für die Funktion der Falle entscheidend. Fruchtfliegen sind es gewohnt, dass sie von der Wasseroberfläche getragen werden. Das Spüli sorgt dafür, dass es keine Oberflächenspannung mehr gibt, wodurch die Insekten in die Flüssigkeit fallen und untergehen.

Während der Spülmittel-Trick wohl recht alternativlos ist, scheiden sich bei der Wahl des richtigen Lockmittels die Geister. So war es auch in der Familie des kanadischen Mittelstufenschülers William Ahern, weshalb er diese Frage auf wissenschaftlicher Basis klären wollte. Für seine Arbeit hat er sogar den Exzellenzpreis der kanadaweiten Wissenschaftsmesse, einer Art kanadischem „Jugend forscht“, bekommen.

Acht Hausmittel auf dem Prüfstand

Im Experiment des Schülers wurden jeweils zehn Gramm von Honig, Zucker, Himbeerlimonade, Ketchup, Kahlua, Wodka, Sauerteig und Apfelessig mit 30 Gramm Wasser gemischt und in einer kleinen Flasche auf dem Küchentresen platziert. Ahern wählte speziell diese Zutaten aus, da sie einerseits als Hausmittel bekannt sind und andererseits besonders viel Zucker, Fruchtzucker, Hefe oder vergorenen Zucker beinhalten. Um sicherzugehen, dass genug Fruchtfliegen in der Nähe sind, stellte er noch zwei Schüsseln Kompost-Inhalt dazu.

Nach einer Woche zählte Ahern dann die jeweils gefangenen Tiere – mit klarem Ergebnis. Apfelessig stellte mit 14 gefangenen Fruchtfliegen den Rekord auf, dahinter folgten Honig mit neun und Sauerteig mit sieben in die Falle gegangenen Insekten. Klarer Verlierer war hingegen der Wodka: Kein einziges Tier fühlte sich davon angezogen, im Ketchup-Wasser-Gemisch fand sich immerhin noch eine Fliege.

Die Mischung macht‘s

Um das Lockmittel weiter zu optimieren, testete Ahern, ob eine Kombination seiner zwei Topscorer möglicherweise noch effektiver ist. Dazu stellte er in der zweiten Runde jeweils eine Flasche mit Honig und Wasser, Apfelessig und Wasser sowie Apfelessig und Honig auf. Wie in der ersten Woche fanden sich wieder 14 Fruchtfliegen in der Apfelessig-Falle. Das Honig-Wasser-Gemisch schien allerdings gegen die Konkurrenz wirkungslos: Kein einziges Insekt hatte sich dort hineinverirrt.

Der Sieger des Experiments ist aber die Mischung aus Apfelessig und Honig. Mit 17 gefangenen Fruchtfliegen binnen einer Woche liefert sie den Höchstwert aller Lockmittel. Wer also das Gefühl hat, dass die heimische Fruchtfliegen-Falle nicht besonders effektiv ist, sollte es vielleicht damit probieren. Neben der Effektivität der Falle hat William Ahern übrigens auch die Wirtschaftlichkeit unter die Lupe genommen. Seiner Kalkulation nach kostet eine Fruchtfliegenfalle umgerechnet sechs Cent. Pro gefangener Fliege wären das dann also etwa 0,35 Cent – ein echtes Schnäppchen.

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