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Algen als Energielieferant

wissen.de-Autorin Lena Riemenschneider, August 2012

 

Sushi
thinkstockphotos.de/Getty Images
Algen sind aus japanischem Essen nicht wegzudenken, in Cremes wirken sie als natürlicher Faltenglätter und auch in der Medizin finden sie Verwendung. Doch sie können noch mehr. Denn Algen nutzen Sonnenlicht, Feuchtigkeit und Kohlendioxid noch effizienter für ihr Wachstum als andere Pflanzen. Und diese Tatsache wollen Architekten und Wissenschaftler nun nutzen und Algen als Energielieferanten sogar in modernen Gebäuden einsetzen.

 

Winzige grüne Kraftpakete

Steigende Rohölpreise, die wachsende Knappheit von Erdöl und der Trend zur Energiewende veranlassen Forscher, neue Möglichkeiten der Energiegewinnung zu entwickeln. Dazu gehört seit kurzem auch der Einsatz von winzigen Mikroalgen, also ein- bis wenigzelligen Algen, die sich schnell vermehren. Diese nutzen Sonnenlicht als Energiequelle, um Biomasse zu produzieren. Dieser Prozess wird Photosynthese genannt und wird auch von allen anderen grünen Pflanzen betrieben. Doch Algen nutzen die gewonnene Biomasse sehr viel effizienter, sodass sie für die Gewinnung von Öl und Biogas genutzt werden kann. Weil die Algen das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO2) effektiver binden als andere Pflanzen, ist diese Energiegewinnung ökologisch äußerst nachhaltig und stellt eine Alternative zu fossilen Energieträgern dar.

 

Algenkraftwerk im Eigenheim

Weltweit einzigartig ist ein Bauprojekt, das unlängst in Hamburg vorgestellt wurde: Die sogenannte "Bioreaktorfassade". In Glaselementen, die an den sonnenzugewandten Hauswänden angebracht sind, werden Mikroalgen gezüchtet. Diese liefern unter Sonneneinstrahlung und unter Zugabe von CO2 Biomasse und Wärme für die Beheizung und Stromversorgung der Innenräume. In den flachen, durchsichtigen Kollektoren zirkulieren die Mikroalgen in einem Wasserkreislauf und werden kontinuierlich mit Nährstoffen und CO2 versorgt. Im Innern des Hause werden die Algen geerntet und diese zähe, knallgrüne Algenmasse wird dann in einer externen Biogasanlage in Biogas umgewandelt. Neben den energetischen Vorteilen hätten Gebäude mit Algenreaktoren auch optische Vorteile. Denn so ein Haus mit einer „lebenden“, grünen Fassade sieht wahrlich einzigartig aus!

 

Die Lösung für das Weltklima?

Mainova Heizkraftwerk
Picture-Alliance GmbH, Frankfurt/Marc Tirl
Mikroalgen können neben Wärme und Strom auch Öl, Alkohol und Wasserstoff "herstellen". Das wäre für die Mobilität der Zukunft eine wichtige Entwicklung. Die Ölausbeute kann beispielsweise sehr viel höher sein als bei den bekannten Energiepflanzen Mais, Zuckerrohr und Raps. Außerdem sind diese Pflanzen zugleich wichtige Nahrungsmittel und die Nutzung zur Energiegewinnung würde langfristig Hungersnöte und Umweltschädigungen zur Folge haben. Algenkulturen aber brauchen keinen fruchtbaren Erdboden, um zu wachsen! Sie können in Salzwassertanks in Meeresnähe oder in Schlauchsystemen in trockenen, sonnigen Halbwüsten gezüchtet und gehalten werden. Das "grüne Gold" würde der Nahrungsmittelproduktion also keine Konkurrenz machen und hätte damit einen weiteren eklatanten Vorteil. In der Nähe von Kraftwerken oder Großstädten, in denen sehr viel CO2 produziert wird, könnten Algenreaktoren für einen Abzug des schädlichen Kohlenstoffdioxid aus der Luft sorgen und damit etwas gegen den Klimawandel tun.

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