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Die Sommerannuellen

Lena Riemenschneider

Sonnenblumen
Fotolia.com/Slawomir Jastrzebski
Ein bunt blühender Garten, Vorgarten oder Balkon ist für viele das Sinnbild für den Sommer. Umso enttäuschender, wenn die Blütenpracht gen Herbst ein jähes Ende findet und traurig-verwelkt den Kopf hängen lässt. Hier spricht man meist von sogenannten einjährigen beziehungsweise annuellen Pflanzen (von lat. Plantae annuae).

 

Ein Jahr, ein Leben

Einjährige Pflanzen haben gewissermaßen nur ein Leben. Nach einer Vegetations- beziehungsweise Kulturperiode binnen einen Jahres sterben sie ab. Die meisten bunten „Sommerblumen“, die Hobbygärtner in der warmen Jahreszeit so erfreuen, keimen im Frühjahr, blühen im Sommer und verwelken im Herbst – der Pflanzenkörper bleibt also nicht erhalten. Deshalb nennt man sie auch die Sommerannuellen. Aber: Die Blumen bilden vorher Samen – und die sind so robust, dass sie problemlos im Boden überwintern können. Nach dieser Samenruhe geht die Vegetationsperiode der Nachkömmlinge dann im Frühjahr von vorne los. Das Wort einjährig ist übrigens nur begrenzt wörtlich zu nehmen: Einige Sommerblumen haben sogar eine weit kürzere Vegetationszeit.

 

Kurzlebigkeit durch fehlende Organe

Gaucheil
Dr. Gisela Benecke, Gütersloh
Der Grund für die kurze Überlebensdauer der Sommerannuellen sind fehlende Überdauerungsorgane wie Knollen, Knospen, Zwiebeln und tiefreichendes Wurzelwerk. Damit könnten feindliche Umwelteinflüsse wie Kälte, Hitze und Wassermangel überbrückt werden. Die Überdauerungsorgane befinden sich meist unter oder knapp über der Erde und versorgen die Pflanzen mit den nötigen Nährstoffen und Wasser um solchen Umständen standhalten zu können.

 

Beispiele

Vogelknöterich
Sertürner Arzneimittel GmbH, Gütersloh
Beispiele für bekannte Sommerannuelle sind Sonnenblumen, Kornblumen, Ringelblumen, Kapuzinerkresse und Hanf. Es gibt auch Winterannuelle, beziehungsweise mehrjährige, ausdauernde Pflanzen. Diese keimen im Herbst, benötigen in der Regel den Kältereiz im Winter für ihr Wachstum und blühen im Frühjahr. Beispiele sind Stauden, Kakteen, Holzgewächse und Kohl. Sie besitzen die bei Sommerannuellen fehlenden Überdauerungsorgane. Es gibt auch sogenannte einjährig gezogene Pflanzen, die in ihren heimatlichen Gefilden mehrjährig blühen und nach der Blüte zur Überwinterung verholzen. Die kalten Monate in Deutschland beziehungsweise in den gemäßigten Breiten überleben sie jedoch nicht, weswegen sie hierzulande als Sommerannuellen gelten. Dazu gehören zum Beispiel einige Tagetes-Arten und die Wunderblume.

 

Pflege

Die meisten sommerannuellen Pflanzen können problemlos an sehr hellen, sonnigen Plätzen gesät werden und sind somit ideal geeignet für offene Wiesen, sonnige (Vor-)Gärten und Südbalkone. Auf letzteren sollte man jedoch häufig für Wasser-Nachschub sorgen, wenn er dort nicht durch Regenfall gewährleistet wird. Doch Vorsicht: Die Sommerannuellen sind aufgrund der fehlenden Überdauerungsorgane sehr kälteempfindlich. Da gerade in kalten Jahren bis Mitte Mai mit Nachtfrost gerechnet werden kann, sollte man mit dem Kauf bereits gekeimter Sommerblumen in Gärtnereien lieber geduldig sein!

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