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Eissturz

Eissturz im Hochgebirge

Gletscherabbrüche können gewaltige Ausmaße annehmen.

Rasche Gletschervorstöße, Ausbrüche von → Eisstauseen und Gletscherabbrüche werden nicht selten zu katastrophalen Ereignissen. Denn sie führen im Hochgebirge immer wieder zur Zerstörung und Schädigung von Siedlungen, Kulturland oder anderen Wirtschaftsgrundlagen. Besonders gefährlich sind Gletscherabbrüche oder Eisstürze, da sie plötzlich und sehr schnell abgehen. Zudem lässt sich der genaue Zeitpunkt eines Gletscherabbruches nur schwer vorherbestimmen.

Vorhersage:

Vorsicht, Eissturzgefahr!

Eine steil herabhängende Gletscherzunge in den Walliser Alpen.

Zwar lässt sich der Zeitpunkt eines Eissturzes nur schwer vorhersagen, es gibt aber charakteristische Geländemerkmale, die Hinweise auf mögliche Gefahren durch Eisstürze geben können: Hängegletscher mit großer Eismächtigkeit auf sehr stark geneigten Bergflanken, plötzliche Geländeverteilungen im Bereich einer Gletscherzunge auf Neigungen von mehr als 30 Grad und Zungenenden, die über steilen Karschwellen oder Talmündungsstufen hängen. Häufig treten Eisstürze im Sommer während der stärksten Gletscherschmelze auf. Durch den erhöhten Schmelzwasseranteil vergrößert sich die Geschwindigkeit des Gletschers durch Gleiten an seiner Basis. Dieser Prozess kann schließlich durch Starkregen oder langanhaltende Regenfälle verstärkt werden. Beim Zusammenspiel von Geländeverhältnissen und Witterung kommt es dann im ungünstigen Fall zu Abbrüchen von bis zu mehreren Millionen Kubikmetern Eis in wenigen Sekunden.

Eisstürze und Klimaänderungen:

Der weltweit zu verzeichnende Temperaturanstieg wirkt sich deutlich auf die → Gletscher der Alpen aus. Seit etwa 1850 haben die Alpengletscher zusammengenommen ungefähr ein Drittel ihrer Fläche und etwa die Hälfte ihrer Masse verloren. Daher stellt sich auch die Frage nach einer möglichen Zunahme von Gletscherkatastrophen. Innerhalb des schweizerischen Nationalen Forschungsprogramms 31 "Klimaänderungen und Naturkatastrophen" beschäftigt sich ein Teilprojekt zum Thema "Eisschmelzen und Naturkatastrophen im Hochgebirge" u. a. mit der Modellierung von Permafrost und → Hängegletschern im Hinblick auf Stabilitätsprobleme in Steilflanken sowie mit Möglichkeiten der Früherkennung und Beobachtung von potentiellen Eissturzkatastrophen im Hochgebirge. Bisherige Ergebnisse zeigen, dass hochgelegene Hängegletscher am Felsuntergrund festgefroren und so kalt sind, dass ein globaler Temperaturanstieg um mehrere Grad Celsius keine Gefahr bedeutet. Tiefer gelegene Hängegletscher oder Gletscher, die aufgrund ihrer Lage verstärkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, müssen jedoch beobachtet werden. Durch einen hohen Schmelzwasseranteil liegt ihre Eistemperatur um den Gefrierpunkt, so dass hier eine Eissturzgefahr bei weiterem Temperaturanstieg besteht. Für Gletscherzungen, die zu Eisabbrüchen neigen, wie z. B. die des Allalingletschers im Schweizer Kanton Wallis (siehe → Eissturz-Katastrophen), ist die Gefahr offenbar rückläufig. Das warme Klima der vergangenen zwei Jahrzehnte hat zu einem Nachlassen des Eisnachschubes aus den Nährgebieten geführt, gleichzeitig schmolz sehr viel Eis ab.

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