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Es darf auch mal ein Comic sein

Vorlesen fördert die sprachliche Entwicklung von Kindern und hilft beim Lesenlernen. Doch ein Drittel aller Eltern nimmt sich zu selten die Zeit dafür, wie eine Studie offenbart. Gleichzeitig fassen viele Mütter und Väter den Begriff des Vorlesens offenbar viel zu eng - sie denken dabei oft nur an das klassische Buch. Doch auch das gemeinsame Betrachten von Bilderbüchern oder Comics oder das Erzählen von Geschichten kann dem Nachwuchs wertvolle Impulse liefern.

Vater und Sohn beim Vorlesen
Nicht in allen Familien in Deutschland hat das Vorlesen einen so hohen Stellenwert, wie es wünschenswert wäre.

Lesen ist eine unserer wichtigsten Fähigkeiten: Nur wer mit dem geschriebenen Wort zurechtkommt, kann sich in unserer modernen Gesellschaft problemlos orientieren. Kinder sollten daher schon früh an das Lesen herangeführt werden - am besten gelingt das durch Vorlesen. Studien belegen, dass Vorlesen die sprachliche Entwicklung von Kleinkindern fördert und ihnen später beim Lesenlernen hilft.

Doch das ist noch nicht alles: Vorlesen fördert erwiesenermaßen auch soziale und kognitive Kompetenzen. So sind Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, insgesamt erfolgreicher in der Schule. Sie erreichen nicht nur in Deutsch, sondern auch in Fremdsprachen und Mathe bessere Noten als Kinder, denen kaum vorgelesen wird. Darüber hinaus erweisen sich diese Kinder oft als besonders sozial. Sie versuchen etwa häufiger, andere in die Gemeinschaft zu integrieren und haben einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.

Ein Drittel liest zu selten vor

Nicht in allen Familien in Deutschland hat das Vorlesen jedoch einen so hohen Stellenwert, wie Pädagogen es sich wünschen würden: Rund 32 Prozent aller Eltern lesen ihren Kindern im Vorlesealter zwischen zwei und acht Jahren zu selten oder nie vor. Das ist das Ergebnis der diesjährigen Vorlesestudie von Stiftung Lesen, Die Zeit und der Deutschen Bahn Stiftung, für die im Juni und Juli 700 Eltern von Kindern im Vorlesealter befragt wurden. Der Wert hat sich damit seit 2013 nicht geändert.

Besonders vorlesefaul sind weiterhin die Väter, wie die Auswertung der für die Zielgruppe repräsentativen Befragung offenbarte. 58 Prozent von ihnen lesen demnach selten oder nie vor. Unter den Müttern sind es erstaunlicherweise ausgerechnet die nicht berufstätigen Frauen, die am wenigsten vorlesen. Im Vergleich lesen 27 Prozent der arbeitenden Mütter zu selten vor, bei den nicht berufstätigen sind es 39 Prozent.

Jeden Tag 15 Minuten

"Noch immer liest ein Drittel aller Eltern ihren Kindern zu selten vor, obwohl es Kinder auf vielfältige Weise fördert", kommentiert Rainer Esser, Geschäftsführer der ZEIT Verlagsgruppe. "Wir raten daher allen Müttern und Vätern, jeden Tag 15 Minuten vorzulesen." Doch was bedeutet das? Wie die Ergebnisse enthüllten, denken viele Eltern beim Vorlesen nur an das klassische Buch mit viel Text.

Schauen sie gemeinsam mit ihren Kindern Wimmelbücher an oder lesen Texte vom E-Reader vor, verstehen dies 23 Prozent nicht als Vorlesen. Mit Babys einfache Bilderbücher zu betrachten gehört für jeden fünften Befragten nicht dazu - obwohl gerade diese Impulse für die Entwicklung von Kindern wichtig sind. "Viele Eltern verstehen den Begriff des Vorlesens zu eingeschränkt. Auch Comics und Bilderbücher anschauen oder das Erzählen von Geschichten hilft den Kindern, Sprache zu entwickeln und lesen zu lernen", betont Jürgen Kornmann von der Deutsche Bahn Stiftung.

Stiftung Lesen / DAL, 01.11.2019
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