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GPS oder der Sinn der Orientierung

Mit dem Orientierungssinn ist es so eine Sache. Mann hat ihn, Frau angeblich nicht. Wer ihn verliert, ist ohne Hilfe verloren. Obwohl sie zumeist auf den Raum bezogen wird, gibt es auch für die Zeit und die eigene Identität eine Orientierung. Nach neuesten Untersuchungsergebnissen verfügen Tiere sogar über einen magnetischen Orientierungssinn. Sie nutzen das Magnetfeld der Erde, um den Weg zu finden. Viele Großstadtmenschen machen es sich da einfacher: Ihr GPS-Navigationssytem sagt ihnen genau, in welche Richtung sie gehen müssen.

aus der wissen.de-Redaktion

Die drei Dimensionen 

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Orientierung – allein das Wort klingt irgendwie exotisch. Und tatsächlich ist das Verb „orientieren“ dem lateinischen „oriens“ entlehnt: dem Orient. Das Verb bedeutet laut Wahrig "den eigenen Standort bestimmen, sich zurechtfinden". Das vom Verb abgeleitete Substantiv „Orientierung“ ist seit dem 19. Jahrhundert belegt. Der „Sinn“ – in Orientierungssinn“ – wird gemeinhin mit Verstand und Wahrnehmung verbunden. 

Auf welche Dimensionen sich der Orientierungssinn beziehen kann, wird deutlich, wenn er gestört ist. Im Alkohol-Rausch zum Beispiel. Dann fällt es einem nämlich meistens nicht nur schwer, den richtigen Weg zu finden, sondern man verliert auch das Gefühl für die Zeit und das eigene Selbst. Der Orientierungssinn ist demnach sowohl für den Raum als auch für die Zeit und die eigene Identität zuständig.

 

 

lechts und rinks

„manche meinen/ lechts und rinks/ kann man nicht velwechsern/ werch ein illtum“ heißt es in dem Gedicht „lichtung“ des österreichischen Schriftstellers Ernst Jandl. Ganz ohne Ironie verwechseln Menschen tatsächlich immer wieder rechts und links und können sich geographisch schlecht orientieren. Insbesondere bei Frauen ist dieser Orientierungssinn weniger stark ausgebildet. In diesem Zusammenhang wird oft auf die rechte Gehirnhälfte verwiesen, die für das räumliche Denken zuständig und bei Männern deutlich ausgeprägter ist als bei Frauen. Zwei Forscherinnen von der University of Edinburgh konnten allerdings jüngst belegen, dass der Unterschied zwischen Mann und Frau in unterschiedlichen Orientierungsweisen liegt. Frauen merken sich demnach eher Wegmarken, d. h. markante Punkte wie Supermärkte, Kirchen oder Tankstellen, während Männer sowohl optische Hinweise als auch räumliche Anordnungen speichern.

Dass Orientierungssinn lernbar ist, behaupten andere Wissenschaftler und belegen es mit der These, dass Jungen einfach mehr unterwegs seien und immer wieder Umwege nähmen, während Mädchen vertraute Wege bevorzugten und sich bereits in jungen Jahren auf ihre Begleiter verlassen würden. Wer seinen Orientierungssinn trainiere, könne allerdings besser werden. Wenn das kein Hoffnungsschimmer aus dem Orient ist....