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Im Gespräch: Frans de Waal

Das Interview führte Marcus Anhäuser.

Frans de Waal ist der “Peacemaker“ unter den Tierforschern. Der Primatologe erforscht seit den 1970er Jahren die “Friedenspolitik“ der Schimpansen. In bekannten Büchern wie “Wilde Diplomaten“, “Bonobos“ oder “Der gute Affe“ hat er auch Laien seine Ergebnisse näher gebracht. De Waal entwickelte das Konzept der “Reconciliation“, zu deutsch Versöhnung. Was zu Beginn nur wenige Forscher interessierte, entdecken Verhaltensbiologen heute mehr und mehr bei anderen Tierarten. wissen.de hat de Waal, einen der berühmtesten Affenforscher der Welt, zur Versöhnung der Tiere befragt. Der gebürtige Niederländer lehrt und arbeitet am Yerkes Primatenzentrum der Emory Universität, Atlanta, Georgia, in den USA.

Harmonie im Tierreich?

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Herr de Waal, Sie sagen: Genau wie Menschen versöhnen Tiere sich nach einem Streit wieder. Warum sollten sie das tun?

Weil sie Beziehungen zu anderen Tieren aus ganz bestimmten Gründen haben. Weil sie etwa kooperieren, oder weil sie verwandt sind. Aber obwohl sie sich gegenseitig unterstützen und auf einander angewiesen sind, kommt es immer wieder zu Streitigkeiten, zu Uneinigkeiten. Man findet Aussöhnung bei Tieren, bei denen es sowohl Konflikte als auch Kooperation gibt. Versöhnungsverhalten gibt es nicht bei den Tieren, die nicht zusammenarbeiten, also zum Beispiel bei Individuen, die in verschiedenen Gruppen leben. Für sie gibt es keinen Grund sich zu vertragen. Tiere, die nicht kooperieren, versöhnen sich auch nicht.

Klingt sehr nach Harmonie im Tierreich?

Das ist es natürlich nicht. Manchmal glauben Menschen, Versöhnung gebe es einfach zum Wohl des friedlichen Zusammenlebens oder um der Harmonie willen, aber sie ist viel zweckgerichteter.

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