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Partielle Sonnenfinsternis zur Mittagsstunde

Am Dienstag, dem 25. Oktober 2022, erwartet uns ein seltenes Himmelsschauspiel: eine Sonnenfinsternis. Der Mond schiebt sich so zwischen Erde und Sonne, dass er in Deutschland je nach Standort 20 bis 35 Prozent der sichtbaren Sonnenscheibe verdeckt. Sichtbar dunkel wird es dadurch zwar nicht, mit einer speziellen Schutzbrille oder per Livestream ist die angeknabberte Sonne aber gut zu erkennen. Wir erklären, was zu sehen ist und was man bei der Beobachtung beachten muss.
NPO, 25.10.2022
Schematische Darstellung einer Sonnenfinsternis.

Sagredo, Cactus26 (Übersetzung) / Gemeinfrei

Dass wir auf der Erde überhaupt eine Sonnenfinsternis beobachten können, verdanken wir einem astronomischen Zufall: Weil der Mond zwar 400 Mal kleiner ist als die Sonne, diese aber auch ungefähr 400 Mal weiter von der Erde entfernt steht, erscheinen beide Himmelskörper von der Erde aus fast gleichgroß. Wenn bei Neumond Erde, Mond und Sonne genau in einer Linie stehen, kann der Mond sich dadurch so vor die Sonne schieben, dass er sie völlig oder teilweise verdeckt. Wir erleben eine totale oder partielle Sonnenfinsternis.

Was ist zu sehen?

die in fast ganz Europa, im Nordosten Afrikas und in der Westhälfte Asiens zu sehen sein wird. Anders als bei einer totalen Sonnenfinsternis kommt es bei einer partiellen Sonnenfinsternis nicht zu einer sichtbaren Verdunklung des Tageslichts und des Himmels. Dennoch ist der Anblick auch der teilverdeckten Sonnenscheibe ein besonderes Schauspiel und kommt nur alle paar Jahre vor.

Das Ereignis beginnt gegen elf Uhr unserer Zeit, wenn der Pfad der Verfinsterung in Island auf die Erde trifft. Von dort bewegt sich die Finsterniszone über Europa hinweg nach Osten. Die stärkste Verfinsterung der Sonne sehen Menschen dabei in Sibirien, wo der Mond bis zu 85 Prozent der Sonnenscheibe verdeckt. Die partielle Sonnenfinsternis endet gegen 15:00 Uhr über Indien, wenn der Mondschatten die Erdoberfläche wieder verlässt.

Zone der partiellen Sonnenfinsternis am 25. Oktober 2022. Je dunkler die Färbung, desto größer ist der Bedeckungsgrad der Sonne vor Ort.

Planetarium Hamburg

Wann und wie kann ich die Finsternis in Deutschland beobachten?

Bei uns in Deutschland beginnt Sonnenfinsternis je nach geografischem Standort gegen 11:07 bis 11:15 Uhr. Langsam schiebt sich dabei der dunkle Mond vor die Sonnenscheibe. Etwa eine Stunde später, gegen 12:15 Uhr ist die größte Bedeckung erreicht. Sie liegt im Süden und Westen Deutschlands bei rund 22 bis 25 Prozent. In Berlin, Rostock und anderen Regionen im Nordosten Deutschlands erreicht die Bedeckung der Sonnenscheibe mehr als 30 Prozent.

„In Deutschland haben die Menschen in Sassnitz, im Nordosten der Insel Rügen, den besten Blick. Hier werden mehr als ein Drittel der Sonne verdeckt, nämlich bis zu 35 Prozent", erklärt Thomas Kraupe, Direktor des Planetariums Hamburg. Nach dem Höhepunkt der partiellen Sonnenfinsternis nimmt die Bedeckung der Sonnenscheibe dann allmählich wieder ab und das Schauspiel endet gegen 13:15 Uhr.

Achtung: Augen schützen!

Für unsere Augen ist das faszinierende Himmelsschauspiel brandgefährlich. Denn wer ohne geeigneten Schutz in die Sonnen blickt, riskiert sein Augenlicht. Schon ein kurzer Blick reicht dabei unter Umständen aus, um die Netzhaut des Auges so stark zu schädigen, dass die Sehkraft nachlässt oder ganz verloren geht. Das Tückische dabei: Wenn die Sonnenstrahlung unsere Augen schädigt, merken wir das zunächst nicht – es tut nicht weh, weil die Netzhaut keine Schmerzrezeptoren besitzt.

Nur eine spezielle Sonnenfinsternisbrille filtert die Sonnenstrahlung ausreichend gut, um vor Augenschäden zu schützen. Tabu sind dagegen Hausmittel wie rußgeschwärzte Gläser, schwarze Filmstreifen, CDs oder ähnliches. Auch dunkle Sonnenbrillen reichen nicht aus. "Sie sind für die Beobachtung der Sonne nicht nur ungeeignet, sondern gefährlich" warnt das Bundesamt für Strahlenschutz. Auch dunkle Sonnenbrillen reichen nicht aus, um die Augen zu schützen.

Für die Beobachtung einer Sonnenfinsternis mit bloßem Auge sind spezielle SoFi-Brillen erforderlich.

Lochkamera und Livestreams

Aber auch, wer keine Sonnenfinsternisbrille hat, kann das Schauspiel bestaunen: Man kann beispielsweise mit einer Nadel ein kleines Loch in einen Karton bohren und diesen vor ein Blatt Papier halten. Der Karton wirkt dann wie eine einfache Lochkamera und projiziert ein Abbild der Sonnensichel auf das Papier. Einen ähnlichen Effekt können wir unter Bäumen oder Sträuchern beobachten, die bereits Blätter tragen: Dort, wo das Sonnenlicht durch eine Baumkrone auf den Boden fällt, zeichnen sich helle Lichtsicheln ab.

Außerdem bieten viele Sternwarten und Planetarien am Freitagvormittag spezielle Veranstaltungen zur Sonnenfinsternis an. Dort kann man dann die Finsternis durch ein Teleskop verfolgen. Im Internet gibt es zudem einige Live-Übertragungen des Ereignisses, unter anderem vom Virtual Telescope Project und der Sternwarte Peterberg im Saarland.

Sollte das Wetter nicht mitspielen, lässt sich das Himmelsschauspiel auch per Livestream miterleben. Mehrere Observatorien, darunter die Sternwarte Hamburg, das Royal Observatory Greenwich oder das Virtual Telescope Project übertragen das Ereignis live auf YouTube.

"Die nächste partielle Verfinsterung erwartet uns erst wieder am 29. März 2025“, sagt Kraupe. „Bis zur nächsten totalen Sonnenfinsternis müssen wir in Deutschland sogar noch 60 Jahre warten. Diese ist am 3. September 2081 im äußersten Südwesten des Landes zu beobachten."

Quelle: Planetarium Hamburg, Royal Astronomical Society

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