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Schwangerschaftsmythen im Überblick

Von der Bauchform, die das Geschlecht des Babys vorhersagen soll, bis zum Klassiker, dass Schwangere für zwei essen – während der Schwangerschaft erhalten werdende Eltern so einige Ratschläge und Weisheiten von Bekannten, Freunden und Co. Einiges davon ist durchaus nützlich, anderes jedoch blanker Humbug. Was ist dran an bekannten Schwangerschaftsmythen?

Bauch einer Schwangeren mit davorgehaltener Ultraschallaufnahme
Schwangerschaftsmythen gibt es viele, doch wie viel Wahrheit steckt in ihnen?

Im Volksmund existieren viele Schwangerschaftsmythen – häufig entbehren diese allerdings jeglicher wissenschaftlicher Grundlage. Wer sich fundiert über die schönste Zeit im Leben einer Frau informieren möchte, wird auf dem Ratgeberportal für Muttis fündig.

Schwangerschaftsmythos 1: Verrät die Bauchform das Geschlecht des Babys?

Mädchen oder Junge? Während die Frage in der heutigen Zeit dank modernster Technik etwa ab der 14. Schwangerschaftswoche beantwortet werden kann, erfuhren frühere Generationen dies erst bei der Geburt. Daher verwundert es kaum, dass werdende Eltern damals nach Möglichkeiten suchten, um das Geschlecht vorherzusagen: Ein sehr hartnäckiger Schwangerschaftsmythos, der sich bis heute hält, besagt, dass die Bauchform Aufschluss darüber gibt, welches Geschlecht das Baby hat. Demnach soll ein spitzer Bauch auf einen Jungen hindeuten, während eine runde Bauchform ein Mädchen ankündigt. Wissenschaftliche Belege für diese Behauptung gibt es jedoch nicht.

Schwangerschaftsmythos 2: Mädchen lösen morgendliche Übelkeit aus

In einem weiteren Mythos heißt es, Frauen, die während der Frühschwangerschaft verstärkt an Morgenübelkeit leiden, würden ein Mädchen erwarten. Doch stimmt das? Laut einer Studie des schwedischen Karolinska-Instituts haben schwangere Frauen, die unter starker Übelkeit litten, signifikant öfter Mädchen auf die Welt gebracht. Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass weibliche Föten zu einer höheren Konzentration des Schwangerschaftshormons hCG (humanes Choriongonadotropin) führen – und dieses steht im Verdacht, morgendliche Übelkeit hervorzurufen. Allerdings gibt es auch Studien, die in diesem Zusammenhang zu anderen Ergebnissen kommen. Daher ist starke Übelkeit am Morgen kein Garant dafür, dass Schwangere ein Mädchen bekommen.

Schwangerschaftsmythos 3: Ein Junge lässt Haut und Haar erstrahlen

Um das Geschlecht des Babys zu bestimmen, gibt es einen weiteren Volksglauben: Demnach raubt ein Mädchen der Mutter die Schönheit, was sich durch Pickel und fettige Haare bemerkbar machen soll. Dem gegenüber deuten eine reine Haut sowie strahlende Haarpracht auf einen Jungen hin. Ob Haarpracht oder Kräuselmähne, pickelige oder glatte Haut – mit dem Geschlecht des Kindes hat dies wenig zu tun. Vielmehr sind auch hier wieder die Hormone schuld – und jede Schwangere reagiert unterschiedlich auf die hormonelle Umstellung. Während sich manche Frauen auf eine dichtere und glänzendere Frisur freuen dürfen (Grund ist die längere Ruhephase der Haare, bedingt durch das Schwangerschaftshormon Östrogen), trocknen bei anderen die Haare stärker aus. Die gleiche Unsicherheit herrscht beim Hautbild: In der Schwangerschaft – vor allem im ersten Trimester – kann die hormonell bedingte Überaktivität der Talg- und Schweißdrüsen zum Verstopfen der Poren führen, was mitunter ein unreines Hautbild und Pickel zur Folge hat. Bei anderen Frauen sorgen die Schwangerschaftshormone für ein vermehrtes Einlagern von Wasser in der Haut und eine bessere Durchblutung, was prallere, reinere Haut mit sich bringen kann.

Schwangerschaftsmythos 4: Sorgen viele Baby-Haare für Sodbrennen?

Wer besonders stark unter Sodbrennen leidet, bekommt laut einem Schwangerschaftsmythos ein Baby mit vielen Haaren auf dem Kopf. Demnach sollen die Haare des Kindes die Speiseröhre der Mutter kitzeln. Anatomisch betrachtet ist dies jedoch nicht möglich, da Magen und Gebärmutter der Schwangeren keine Verbindung zueinander aufweisen. Verantwortlich sind vielmehr die Hormone, die bei einigen Schwangeren zu einem gelockerten Schließmuskel (zwischen Speiseröhre und Magen) führt. Dieser verhindert eigentlich, dass die Magensäure nach oben steigt – ist er zu locker, kann er seine Aufgabe nur noch eingeschränkt erfüllen. Ein weiterer Grund, warum Sodbrennen viele Frauen gerade gegen Ende der Schwangerschaft plagt, ist die zunehmende Größe des Babys. Es nimmt immer mehr Platz im Bauch der Mutter ein und drückt auf ihren Magen – die Magensäure kann so leichter nach oben gepresst werden und das unangenehme Brennen im Brustbereich verursachen.

Schwangerschaftsmythos 5: Schwangere müssen für zwei essen

Eine alte Bauernregel besagt, dass Schwangere für zwei essen müssen, damit das Baby gut genährt ist. Doch ist das richtig? Nein, dieser Rat ist längst überholt. Heute weiß man, dass werdende Mütter in den ersten Monaten zunächst keinen erhöhten Kalorienbedarf haben. Erst ab der 13. Schwangerschaftswoche sind etwa 250 Kalorien zusätzlich täglich nötig. Damit das Baby ausreichend mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt ist, müssen Frauen demnach nicht das Doppelte an Portionen essen, sondern eher „doppelt so gut“. Denn alles, was die Mutter zu sich nimmt, gelangt über die Nabelschnur zum Kind. Für Schwangere bedeutet das vor allem, auf eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse und Obst sowie Vollkornprodukte und Milch(-produkte) zu achten. In Maßen bereichern zudem Fisch, mageres Fleisch und Eier den Speiseplan, während mit Zucker eher sparsam umzugehen ist.

Schwangerschaftsmythos 6: Werden Schwangere vergesslich?

An der Annahme, dass Schwangere vergesslich werden, ist tatsächlich etwas dran. Viele Frauen berichten von einer solchen „Schwangerschaftsdemenz“. Warum es dazu kommt, ist wissenschaftlich jedoch noch nicht ausreichend erforscht. Vermutet wird einerseits, dass der veränderte Hormonspiegel mitunter Gehirnfunktionen beeinflussen kann. Aber auch emotionaler Stress oder Schlafstörungen sind mögliche Erklärungen. Frauen, die während der Schwangerschaft an Vergesslichkeit leiden, können aber beruhigt sein: Es handelt sich nicht um einen dauerhaften Zustand – in der Regel pendelt sich das Gedächtnis nach der Stillzeit wieder ein.

Schwangerschaftsmythos 7: Jedes Kind kostet einen Zahn

Der Volksmund behauptet: Jedes Kind kostet der Mutter einen Zahn. Wörtlich sollte man diese Annahme zwar nicht nehmen, sie hat aber einen wahren Kern. Denn durch die Hormonumstellung wird das Bindegewebe gelockert und die Blutgefäße in der Mundschleimhaut können sich deutlich erweitern. In der Folge ist es möglich, dass das Zahnfleisch anschwillt und Mikroorganismen leichteren Zugang erhalten. Zähne und Zahnfleisch sind somit anfälliger für Entzündungen und andere Erkrankungen. Um dem vorzubeugen, sollten werdende Mütter besonders auf ihre Zahnhygiene achten und regelmäßig sowie sorgfältig ihre Zähne putzen. Mit Zahnseide und speziellen Bürstchen lassen sich zudem die Zwischenräume gut reinigen. Auch den Besuch beim Zahnarzt mit eventueller professioneller Zahnreinigung sollten Schwangere wahrnehmen.

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