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Wenn die Verzweiflung am größten ist

Neben Günter Grass ist er wohl der einzige lebende deutsche Schriftsteller von Weltformat - Martin Walser. Seine Romane sind stets ein Kraftakt der Empfindungen und Empfindsamkeiten - unablässig leiden seine Helden, mal an der Welt, doch vor allem an sich selbst. Seine neue Veröffentlichung Tod eines Kritikers steht ganz in dieser Tradition - eine Analyse.

In der Schusslinie

Martin Walser 2002
dpa

Mit der Veröffentlichung seines neuen Romans Tod eines Kritikers wird Martin Walser auf sicher unfreiwillige Weise zum Komplizen seines Protagonisten Hans Lach. Dieser muss eine ganz ähnliche Schmach für seinen Roman Mädchen ohne Zehennägel einstecken. In einem einsamen Moment bringt Hans Lach seine öffentliche Niederlage auf folgenden Nenner: “Er kann sich nicht wegwenden von sich, solange er so schwach ist. Der Verlierer ist unersättlich mit sich selbst beschäftigt. Der Sieger wendet sich neuen Aufgaben zu.“

Willkommen in der Welt des Martin Walser! Es sind die unablässigen und unzähligen Geschichten der kleinen Leute in ihren großen Niederlagen, die die Romankunst des Martin Walser zur Weltliteratur gemacht haben - traurige Geschichten eines einsamen Kampfes freilich, doch selten eines ganz ausweglosen. Und Kampf ist es immer. Warum? Mani Mani, eine Nebenfigur in Tod eines Kritikers gibt die Antwort:

“Unsere Gesellschaft ist so verfaßt, daß Feindschaft und Gegnerschaft besser gedeihen als Freundschaft und Liebe. Unsere Kultur will es so, daß einem ein Feind mehr schaden, als einem ein Freund nützen kann. Vor allem anderen sind wir eine Gesellschaft von Verfolgten und Verfolgern. Und jeder ist beides, Verfolgter und Verfolger. Jeder hat eine deutlichere Erfahrung vom Verfolgtsein als davon, selber Verfolger zu sein.“

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