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Sauergräser: Nasse Füße bevorzugt

Wie können Gräser an nassen Standorten überleben?

In erster Linie sorgt ein luftgefülltes Spezialgewebe, das sog. Aerenchym, dafür, dass sie solch unwirtlichen Bedingungen gewachsen sind. Es durchzieht die Pflanzen wie ein Kanalsystem, so dass Sauerstoff bis in die Wurzelspitzen gelangen kann, auch wenn der Boden schlecht durchlüftet ist, wie dies bei permanentem oder häufigem Wasserüberschuss in Mooren oder Sümpfen der Fall ist.

Da viele Moore zudem ausgesprochen magere Standorte sind, müssen Moorbewohner gut mit ihren Nährstoffen haushalten. Manche Pflanzen ziehen deshalb Stickstoff, Phosphor oder Kalium vor dem Winter aus den oberirdischen Teilen ab, um sie in unterirdischen Organen zu speichern. Pflanzen, die dazu nicht fähig sind, treiben durch die Schicht ihrer eigenen abgestorbenen Blätter und Stängel neue Wurzeln und gewinnen so die Nährstoffe zurück.

Welches Gras gilt als charakteristische Hochmoorpflanze?

Das Scheidenwollgras (Eriophorum vaginatum). Seine abgestorbenen Blätter bilden einen der Hauptbestandteile des Hochmoortorfs. Besonders zur Fruchtzeit sind die Wollgräser nicht zu übersehen und kaum zu verwechseln: Mit ihren schneeweißen, wie Watteflocken wirkenden Haarschöpfen, die erst nach der Blüte aus vorherigen Borsten entstehen, überziehen sie oft die Moore mit einem Teppich aus hellen Tupfen.

Übrigens: Wollgräser der Gattung Eriophorum sind im Allgemeinen typische Vertreter auf staunassen Böden.

Wo sind Seggen verbreitet?

Seggen findet man sowohl in den Bergen als auch am Meer, außerdem in nassen Gefilden. Die Polstersegge (Carex firma) trotzt oberhalb der Baumgrenze auf blankem Fels allen Widrigkeiten eines hochalpinen Klimas, wo sie in einem Minimum an Erde Fuß fasst und ihre starrblättrigen, halbkugeligen Polster ausbildet. Die Krummsegge (Carex curvula) wagt sich auf kalkarmen Böden noch in Höhen bis knapp 3000 Meter vor und überzieht weite Flächen mit einem fahlen, vergilbt wirkenden Rasen aus lockig verdrehten Blättern, die nur beim Austrieb frischgrün erscheinen. Das leicht vertrocknete Aussehen verursacht ein Pilz, der die Blätter regelmäßig befällt.

Küstenbewohner sind dagegen Sandsegge (Carex arenaria) oder Französische Segge (Carex ligerica). Die Sandsegge, die sogar auf Flugsandfeldern gedeiht, wird häufig zum Befestigen von Dünen oder Deichen angepflanzt. Anders als viele andere Seggenarten verträgt sie trockene und selbst salzige Böden ausgezeichnet. Eine dritte Gruppe der Seggen bevorzugt Moore, Sümpfe, nasse Wiesen und Uferzonen. Die Schlammsegge (Carex limosa) ist beispielsweise eine Hochmoorpflanze. Wo sie wächst, ist Vorsicht geboten – denn hier ist der Moorboden sehr nass und trägt die Last eines Menschen oft nicht.

Aus welchem Sauergras wurde Papier hergestellt?

Aus Papyrus (Cyperus papyrus). Dieses Riedgras, das ursprünglich in Zentralafrika und dem Sudan beheimatet war, fand schon vor langer Zeit seinen Weg nach Ägypten, wo bereits rund 4000 Jahre v. Chr. die Technik, Schreibstoff aus Papyrus zu fertigen, entwickelt wurde. Das Material war revolutionär – einerseits war es leichter als Holz, Stein, Wachs oder Ton, andererseits nichtsdestoweniger extrem haltbar. Als wichtige Handelsware bescherte es Ägypten lange Zeit Reichtum.

Um Papyrusrollen herzustellen, musste man zunächst das Mark der Stängel in dünne Streifen schneiden. In mehreren Schritten wurden die Fasern anschließend gepresst, gewalzt, gehämmert und gewässert, bis aus ihnen, in zwei Lagen rechtwinklig aufeinander gelegt, letztlich das Endprodukt – ein Papyrusblatt – entstanden war. Mehrere dieser Blätter ergaben aneinandergereiht Papyrusrollen. Viele Jahrhunderte blieb Papyrus das für schriftliche Überlieferungen gebräuchliche Material. Erst weit nach Christi Geburt begann Pergament in Europa dem Papyrus den Rang als Schreibunterlage erster Wahl streitig zu machen.

Kann man Sauergräser essen?

Manche schon, obwohl deren Genuss nicht sehr weit verbreitet ist. So wird in manchen kleinen Regionen Nordafrikas und Spaniens beispielsweise aus der Knolle der Erdmandel (Cyperus esculentus), in Spanien »chufa« genannt, die »horchata de chufa«, die Erdmandelmilch, hergestellt. Hierzu erntet man die öl- und stärkehaltigen Knollen, säubert und trocknet sie, um sie anschließend fein zu vermahlen. Zusammen mit Wasser, Zucker und Zitrone entsteht daraus ein nach Mandeln schmeckendes Getränk.

Süßlich schmeckt auch die vor allem in China und Südostasien in großen Mengen angebaute Wasserkastanie oder Chinesische Wassernuss (Eleocharis dulcis), die zur Gattung der Sumpfbinsen gehört. Man verzehrt sie roh oder wie Gemüse gekocht, zudem genießt man sie gern in Desserts. Heutzutage ist die helle Knolle mit der dunklen Schale als Delikatesse immer häufiger in Asienläden erhältlich. Ihr großes Plus: Die Wasserkastanie behält auch beim Kochen ihre feste Konsistenz.

Wussten Sie, dass …

eine beliebte Zimmerpflanze zu den Sauergräsern gehört? Das Zyperngras (Cyperus alternifolius) braucht sehr viel Wasser und sorgt dadurch für ein gutes Raumklima.

Papyrusboote hochseetauglich sind? Der Norweger Thor Heyerdal (1914–2002) segelte 1970 mit dem Papyrusboot »Ra II« von Marokko nach Barbados und bewies mit dieser spektakulären Atlantiküberquerung, dass die Entdeckung der Neuen Welt schon zu Zeiten der Ägypter möglich gewesen wäre.

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